Slawische Burganlagen in Brandenburg N - Z (93)


Nauen, Naugarten, Netzeband, Neuhausen, Neuruppin-Treskow, Neu-Töplitz, Neutrebbin, Oderberg, Parey, Paserin, Passow, Perleberg, Phöben, Pinnow, Platkow, Potsdam, Potzlow, Prenzlau, Presenchen, Pritzerbe, Pritzwalk-Horst, Putlitz, Raddusch, RagowRathenow, Reckahn, Reitwein, Repten, Rheinsberg, Riedebeck, Riewend, Röddelin, Ruben, Saaringen, Saarmund, Sabrodt, Sacrow, Saßleben, Sawall, Schlalach, Schlieben, Schmölln, Schönfeld-Calau, Schönfeld-Uckermark, Schwedt, Sellessen, Sielow, Sonnewalde, Steckelsdorf-Rathenow, Stolpe an der Oder, Storkow, Stradow, StückenTeupitz, Tietzow, Tornow, Trebbus, Treuenbrietzen, Uckro, Vehlefanz, Vehlin, Vorberg, Waldow, Waldsieversdorf, Werben, Werder/HavelWiesenau, Wiesenburg, Wildberg, Wittstock-Dosse, Wollschow, Wulfersdorf, Wulkow-Schönberg, Wusterhausen, Wustermark, Zahsow, Zeckerin, Zehdenick, Zieckau, Ziesar, Zöllmersdorf, Zützen


Nauen

1. "Altstadt"

Bereits im frühen Mittelalter nutzten slawische Siedler die günstigen Bedingungen, die das auf dem Rand der Grundmoränenplatte südlich des Havelländischen Luchs auf einer leichten Anhöhe liegende spätere Nauener Stadtgebiet bot. Durch archäologische Untersuchungen seit 1995 konnten hier slawische Siedlungsbefunde des 9./10. Jh. nachgewiesen werden. Man kann damit von einer Besiedlungskontinuität seit dem 9. Jh. (-12. Jh.) ausgehen. Aus jüngerer Zeit (nach dem Jahr 2000) liegen auch Befunde über eine slawische Burganlage vor, die seit 2010 Teil des großflächigen Bodendenkmals 51021 ist, das die gesamte Altstadt Nauens bzw. die gesamte Flur 15 umfasst. Demnach befindet sich ein slawischer Siedlungskern mit Burg im Bereich von Berg-, Markt- und Holzmarktstraße. Aufgrund von Überlieferungen wird hier seit langem auch von einer frühdeutschen Burg (12./13. Jh) ausgegangen, die wahrscheinlich im slawischen Siedlungskern mit Burgwall an der Bergstraße errichtet wurde. Bis jetzt gibt es dafür allerdings weder archäologische noch urkundliche Belege.

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2. "Weinberg-Waldsiedlung"



700 m östlich von der Ortschaft Weinberg-Waldsiedlung bei Nauen befindet sich der Rest eines altslawischen Burgwalles. Er entstand im 8. Jahrhundert und existierte bis ins 9. Jahrhundert hinein. Auf Luftbildern kann man ihn noch eindeutig erkennen. Vor Ort ist aber nur noch ein kleiner Wallrest erhalten geblieben. Der Rest der Burg wurde leider abgetragen, da das Umfeld landwirtschaftlich genutzt wurde.  Die Burg hatte einen annähernd kreisrunden Durchmesser von ca. 120 bis 125 m. Im Volksmund wird sie auch als "Kratzberg" bezeichnet.

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Naugarten

"Schanz"



Etwa 850 m nordöstlich der Dorfkirche von Naugarten (Gemeinde: Nordwestuckermark, Landkreis: Uckermark) liegen die niedergeackerten Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal trägt die Flurnamen "Schanz", "Ringwall" oder einfach nur "Burgwall". Die verschliffenen Überreste erstrecken sich heute über eine Fläche von bis zu 145 (W-O) x 100 m (N-S). Die slawischen Erbauer vom Stamm der "Ukranen" errichteten die Befestigung am leicht erhöhten Südufer des bis zu 31 m tiefen und 33 ha großen "Naugartener Sees". Bis heute ist nicht sicher, ob es sich um einen geschlossenen Ringwall oder um eine leicht u-förmige Befestigung handelte. Nach Norden zum See hin ist die Burgfläche heute offen und walllos. Auf dem s/w Luftbild von 1953 ist das Bodendenkmal noch als fast geschlossener Ringwall zu erkennen. Das moderne Laserscanbild zeigt im Südwesten des Burgwalls noch eine deutliche Wallsenke, die auf das ehemalige Zugangstor hindeutet. Eine offene Vorburgsiedlung kann daher auf dem heutigen "Mühlenberg", gleich südwestlich der Burg vermutet werden. Auch östlich der Burg lag ein leicht erhöhtes Terrain, auf dem sicher ein weiteres Vorburgareal lag. Nach den keramischen Hinterlassenschaften zu urteilen, handelte es sich um eine früh- bis mittelslawische Burg des 9. und vielleicht noch 10. Jahrhunderts. Der Ort Naugarten wurde am 1. Januar 1239 erstmals als "novo grad" urkundlich erwähnt. Der slawische Ortsname "Novo Grad" kann etwa mit "Neue Burg" übersetzt werden. Ob mit der "Neuen Burg" die Überreste der früh- bis mittelslawischen Burgwallruine "Schanz" gemeint waren, ist nicht anzunehmen. Im Ort Naugarten gab es eine weitere mittelalterliche Befestigung, die den Flurnamen "Schlossberg" trägt. Der am Westrand von Naugarten liegende "Schlossberg" stellt ein etwa 60 x 60 m großes Plateau dar, das sich noch um bis zu 10 m hoch über den heutigen Ort erhebt. Vom heute walllosen Plateau liegen spätslawische und frühdeutsche Keramikscherben vor. Der "Schlossberg" von Naugarten war im 13./14. Jahrhundert eindeutig eine frühdeutsche Burganlage. Der spätslawische Ortsname "Novo Grad" dürfte sich also eher auf diese Burganlage beziehen. Die Wallruine der früh- bis mittelslawischen Burg "Schanz" wird bis heute landwirtschaftlich beackert. Dennoch sind die Überreste noch etwa 2 bis 3 m hoch erhalten geblieben. Ein Besuch des Areals ist aber nur in den kälteren Jahreszeiten zu empfehlen.

Erhaltungszustand: mittel

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"Schlossberg"



Im Ort Naugarten gibt es noch eine weitere slawische Burganlage. Hinweise darauf fand ich in dem Buch von dem Neubrandenburger Archäologen Volker Schmidt "Drense, eine Hauptburg der Ukrane".
Es dürfte sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den sogenannten "Schlossberg" handeln. Auch er liegt direkt am Ufer des Naugartener Sees und stammt aus der jungslawischen Zeit des 10. bis 12. Jahrhunderts. Er ist allerdings kleiner als die andere Wallburg. Die Funktion dieser Burg dürfte als Herrschaftssitz eines lokalen Führers zu sehen sein. Nach der Christianisierung des Landes saß auf dem Schlossberg dann ein Rittergeschlecht. Heute liegt der "Schlossberg" am westlichen Dorfrand.

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Netzeband

 

"Hünenwall" oder "Ringwall"

Etwa 3,5 Kilometer südwestlich der Dorfkirche von Netzeband (Gemeinde: Temnitzquell, Landkreis: Ostprignitz-Ruppin) liegen die Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal trägt heute die Flurnamen "Hünenwall" oder einfach nur "Ringwall". Früher lag der Burgwall auf der Gemarkung von Bertikow, einem Ort, der bis heute leider nicht überdauert hat. Heute liegt der insgesamt gut erhaltene Ringwall daher auf der Gemarkung von Netzeband. Es handelt sich um einen fast kreisförmigen Ringwall, der einen Außendurchmesser von etwa 130 m erreicht. Der Burgwall nimmt eine Fläche von gut 13.900 m² ein, wobei der Burginnenraum etwa 8.500 m² groß ist. Leider wurde der Ringwall im Nordosten zu knapp einem Viertel abgetragen. Vermutlich diente das alte Burgareal in früheren Zeiten der Landwirtschaft. Um besser in den beackerten Burginnenraum zu kommen, hat man den Erdwall an der Nordostseite abgefahren. Möglicherweise hat man die Erde des Walles auch für den heutigen Dammweg genutzt, der gleich nördlich am Bodendenkmal entlang führt. Nach dem modernen Laserscanbild zu urteilen, errichteten die slawischen Erbauer den Ringwall auf einer natürlichen Talsandinsel, die inmitten einer großen Sumpfniederung lag. Diese Niederung war mit der etwa 800 m weiter östlich verlaufenden "Temnitz" verbunden. Um den Burgwall lag sicher auch ein unbefestigtes Vorburgareal, in dem vor allem die Unterkünfte von Händlern, Handwerkern und sonstigen Bediensteten lagen. Der heute noch bis zu 3 m hohe Ringwall besaß auch einen breiten Außengraben, der durch den Wallversturz aber fast vollständig zugefüllt wurde. Da der Burgwall noch eine gewisse Breite erreicht, wurde er sicher ein oder zwei Mal instand gesetzt. Damit dürfte die Niederungsburg doch einige Jahrzehnte in Nutzung gewesen sein. Ein tunnelartiges Walltor ist an der West- bis Südwestseite des Ringwalls zu vermuten. Dort liegen noch deutlich erkennbare Wallsenken, die auf ein ehemaliges Zugangstor hindeuten. Leider haben bis heute noch keine modernen Ausgrabungen am Burgwall stattgefunden, sodass eine zeitliche Zuordnung noch schwierig ist (Stand: 2019). Derartig große Niederungsburgen bestanden überwiegend im späten 8. bis frühen 10. Jahrhundert. Der Ringwall ist heute mit alten Eichen bestanden und im Innenraum weitgehend vegetationsfrei. Ein Besuch des noch sehenswerten Bodendenkmals ist nur in den kälteren Jahreszeiten zu empfehlen. 

Erhaltungszustand: gut

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Neuhausen

Anstelles des heutigen Schlosses in Neuhausen lag schon im 12. Jahrhundert eine Burganlage, die von den Slawen errichtet wurde. Wann sie entstand ist nicht bekannt. 1147 wurde der Ort erwähnt, als Truppen Albrecht des Bären die Befestigung im ersten Wendenkreuzzug zerstörten. Kurz darauf wurde die Burg wieder aufgebaut und diente nun als deutscher Burgplatz. Später wurde die ehemalige Wasserburg zum Herrensitz und dann zum Schloss umgebaut.

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Neuruppin-Treskow



"Burgwall"

Ein slawischer Burgwall befindet sich nahe des Neuruppiner Stadtteils Treskow. Er liegt auf einer dreieckigen Halbinsel am Ruppiner See. Das kleine Wäldchen in dem er heute liegt, wird als "Geschützter Park Burgwall" bezeichnet. Seit 1981 wird hier der jährlich stattfindene "Treskower-Burgwalllauf" veranstaltet. Von der Burg, wohl ein ehemaliger Ringwall von 80 bis 100 m Durchmesser, ist heute nur noch ein leicht erhöhtes Plateau zu erkennen. Die Burg lag im Stammesgebiet der "Zamzici" und stellte einen ihrer Herrschaftssitze im 10. Jahrhundert dar. Ein Besuch des Bodendenkmals ist nur in den kälteren Jahreszeiten zu empfehlen.

Erhaltungszustand: mittel

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Neu-Töplitz

"Burgwall", "Kaltenhausen"

Etwa zwei Kilometer nordwestlich von Neu Töplitz (Ortsteil der Stadt Werder, Landkreis: Potsdam-Mittelmark) liegen die völlig abgetragenen Überreste einer vermutlich mehrgliedrigen slawischen Burganlage. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Neu Töplitz 6) liegt ganz am Nordende einer Landzunge, die im Westen und Norden von der Havel und im Osten vom Göttinsee umgeben ist. Die Burgstelle trägt heute die Flurnamen "Burgwall" oder "Kaltenhausen". In der archäologischen Fachliteratur wird hier nur ein slawischer Burgwall vermutet. Im modernen Laserscanbild ist aber noch sehr deutlich eine mehrgliedrige Befestigung zu erkennen. Demnach bestand hier ein kleinerer Ringwall von heute etwa 90 bis 95 m Außendurchmesser, der nach Nordosten eine halbkreisförmige Vorburgbefestigung von etwa 130 bis 140 m Außendurchmesser besaß. Unmittelbar südlich dieser beiden Befestigungen scheinen zwei Riegelwälle gelegen zu haben, die etwa 240 m und 150 m lang waren. Da es bisher nur zu Oberflächenfunden kam, ist der genaue Ablauf der einzelnen Befestigungsphasen noch nicht erforscht (Stand: 2019). Es könnte sich im Ursprung um eine mehrgliedrige frühslawische Burganlage handeln, die im Gebiet der "Heveller" lag. Sie bestand vermutlich aus einem vorgelagerten Riegelwall und einer etwa 130 bis 140 m großen, nahezu kreisrunden Hauptburg. In der früh- bis mittelslawischen Zeit scheint im südwestlichen Hauptburgareal ein kleinerer Ringwall neu angelegt worden zu sein. Der alte Hauptburgwall diente nun als befestigte Vorburgsiedlung. Dass kleinere Ringwälle innerhalb von Großburgen der Feldbergzeit angelegt wurden, war keine Seltenheit im slawischen Burgenbau. Als Beispiele sei hier an die Burgen von Buchow-Karpzow, Wildberg bei Neuruppin oder Lenzen "Wustrow-Neuehaus" (alle in Brandenburg) gedacht. Interessant ist, dass die mittelslawische Burg von Neu Töplitz nur etwa 820 m nordnordöstlich von der ebenfalls halbinselartigen Burgsiedlung Phöben "Räuberberg" entfernt liegt. Der "Räuberberg" von Phöben soll um 900 entstanden sein und war ein kleiner mittelslawischer Ringwall von etwa 60 bis 70 m Außendurchmesser. Ob die beiden Burgen zeitgleich oder nacheinander bestanden, muss die moderne Archäologie klären. Sicher ist jedoch, dass die beiden mittelslawischen Ringwälle die stark befestigten Herrschaftssitze von Lokalhäuptlingen waren, die den damaligen Verkehr auf der nahen Havel überwacht haben. Der "Räuberberg" von Phöben wurde im späteren 12. bis 13. Jahrhundert auch von den deutschen Eroberern als Burg genutzt und mit zwei Vorburgwällen ausgebaut. Ob auch der Neu Töplitzer Burgwall eine frühdeutsche Nachnutzung erlebte, ist unbekannt. Die Burgareale von Neu Töplitz und Phöben "Räuberberg" sind durch die Landwirtschaft nahezu restlos abgetragen worden und daher nicht mehr zu erkennen.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Neutrebbin

Der Burgwall von Neutrebbin-Siedlung befindet sich heute auf einem Privatgrundstück. Der Ringwall stammt aus der mittelslawischen Zeit des 9./10. Jahrhunderts und hat einen Außendurchmesser von etwa 70 m. Ein kleiner Grabungsschnitt wurde in den 1970 er Jahren in der dazugehörigen Vorburgsiedlung vorgenommen. Dabei stieß man auf eine Grube mit Fischresten, Muscheln und Tierknochen. Auch zwei verbrannte Lehmplatten, Keramikfragmente und eine Feuerstelle wurden beobachtet. Die Vorburgsiedlung bestand zeitgleich zum Burgwall.

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Oderberg

1. "Albrechtsberg"

Eine slawische Besiedlung ist ab dem 7./8. Jahrhundert für Oderberg nachgewiesen worden. Dieser Ort lag schon zu jener Zeit an einer wichtigen frühmittelalterlichen Fernverkehrsstrasse. Durch archäologische Funde sind gleich zwei slawische Burgen für Oderberg belegt. Die ältere liegt auf dem sogenannten "Albrechtsberg", einem bis zu 45 m hohen Geländesporn. Nachdem die Slawen von dieser Höhenburg vertrieben wurden, entstanden hier noch zwei nacheinander bestehende frühdeutsche Burganlagen. Die erste wurde um 1211 von Albrecht II. errichtet. Die zweite Anlage wurde in einer Schlacht zwischen Pommern und Ludwig I im Jahre 1349 zerstört. Diese letzte Burg dürfte bereits eine Steinburg gewesen sein. Heute sind vor Ort noch gewaltige Wallreste erkennbar, die das Plateau auf dem "Albrechtsberg" halbkreisförmig abriegelten. Nördlich vorgelagert lag eine Vorburgsiedlung, die ebenfalls mit einem Wall gesichert war.

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2. "Feste Bärenkasten" 

Die "Feste Bärenkasten" wurde im 14. Jahrhundert auf einer ehemals spätslawischen Fluchtburg errichtet, die auf einer Oderinsel lag. Unter dem Schutz dieser deutschen Burg erblühte dann der Ort Oderberg. Heute ist dieser Ort keine Insel mehr. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Sportplatz und die Strasse "Festung". 

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Parey

Der historische Ringwall bei Parey liegt etwa 1,2 km südlich der Ortschaft in der Havelniederung (Bodendenkmal 50345). Die Anlage stammt ursprünglich aus der jüngeren Bronzezeit und wurde dann von den Slawen reaktiviert. Es handelt sich um eine ringförmige Wallanlage mit umlaufendem Graben von 100 m (Nord-Süd) x 120 m (Ost-West) Durchmesser. Im östlichen Bereich wird eine Vorsiedlung vermutet. HERRMANN beschreibt 1960, dass sich um den verschliffenen inneren Wall ein schon stark verfüllter Graben und ein fast völlig abgetragener Vorwall befinden, der nur im Nordosten nicht vorhanden war. Im Nordwesten befanden sich zwei weitere Vorwallreste, damals z.T. noch 1-1,5 m hoch erhalten. Heute sind Wall- und Grabenstrukturen vor allem auf der Westseite im Gelände noch erkennbar, Vorwälle fallen nicht mehr auf.

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Paserin

Etwa 1,5 Kilometer nordwestlich von Paserin liegen die stark verschliffenen Wallreste einer kleinen Burganlage vom „Typ Tornow“. Es handelte sich um eine Ringwallburg von etwa 50 m Durchmesser, die den ehemals stark befestigten Sitz eines lokalen Häuptlings von Stamm der „Lusizi“ darstellte. Heute ist vor Ort nur noch ein flacher Hügel auszumachen, der jedes Jahr landwirtschaftlich beackert wird. Im Jahr 1993 kam es zu archäologischen Untersuchungen, bei denen vier Sondageschnitte angelegt wurden. Bei den Grabungen konnte man nur ein Dendrodatum von um/nach 884 nachweisen. Der erste Burgwall wurde also in den 880 er Jahren errichtet. Wie lange er bestand, ist nicht bekannt. Nur 1,3 Kilometer südsüdöstlich vom Paseriner Burgwall lag ein weiterer kleiner Ringwall der „Lusizi“ in einer Niederung beim heutigen Ort Uckro. Nach Ausgrabungsbefunden zu urteilen, entstand der Burgwall Uckro erst in den 930 er Jahren. Die nahen Burgwälle von Paserin und Uckro bestanden also nicht zur gleichen Zeit, sondern wurden nacheinander errichtet.

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Passow



Etwa 500 m nordwestlich der Dorfkirche von Passow (Landkreis: Uckermark) liegen die verschliffenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Auf deren Überreste erhebt sich noch heute ein 2,5 m hoher frühdeutscher Turmhügel, der einen Außendurchmesser von bis zu 30 m erreicht. Die einst oval- bis kreisförmige Slawenburg dürfte einen Durchmesser von 80 x 60 m gehabt haben und erbrachte bisher früh- bis mittelslawische Keramikscherben. Durch die spätere Schleifung/Umformung des Burgareals im 13./14. Jahrhundert erreicht das slawische Bodendenkmal eine heutige Ausdehnung von bis zu 100 m Durchmesser (etwa 5.000 bis 6.000 m²). Die slawischen Erbauer errichteten die kleine Burg auf einer natürlichen Talsandinsel, die spornartig in die versumpfte "Welseniederung" ragte. Gleich nördlich mündete diese Niederung in das große "Randowtal". Die jeweiligen slawischen Burgherren dürften von ihrem Burgwall aus eine Art Übergang/Furt über die "Welseniederung" kontrolliert haben. Dieser Übergang lag vermutlich im Bereich der heutigen "Bahnhofstrasse" (K 7312), die von Passow aus in Richtung Briest verläuft. Da bisher noch keine modernen Ausgrabungen stattgefunden haben, kann der Burgwall von Passow vorerst nur grob vom letzten Drittel des 9. bis in das mittlere 10. Jahrhundert eingeordnet werden. In der Holz-Erde-Burg residierte ein Lokalhäuptling der "Ukranen", der die nähere Umgebung politisch und militärisch verwaltete. Der slawische Stamm der "Ukranen" (Uchri) wird erstmals im Jahre 934 urkundlich erwähnt, als dieser im Zuge der Ostexpansion durch das ostfränkisch-deutsche Reich mit Gewalt unterworfen wurde. Die "Ukranen" scheinen diese Unterwerfung nicht lange akzeptiert zu haben, denn für das Jahr 954 ist ein Aufstand der "Uckerslawen" belegt. Der sächsische Markgraf Gero zog daraufhin mit starken Truppen ins Uckerland und konnte die aufständischen Slawen bezwingen. Der Burgwall von Passow ist also vermutlich zwischen 934 und 954 zerstört worden und wurde nicht wieder reaktiviert. Nachdem deutsche Kolonisten das ehemals slawische Land in Besitz nahmen, wurden die brach liegenden Überreste des Passower Burgwalls zu einer frühdeutschen Motte umgebaut. Die nahen Niederungen der "Welse" und "Randow" dürften auch für die frühdeutschen Burgherren eine gewisse strategische Bedeutung gehabt haben, die zur Errichtung einer derartigen Burg (Zollfunktion?) führten. Die Turmhügelburg wurde im späten 13. bis mittleren 14. Jahrhundert gleich mehrmals urkundlich erwähnt (1296: "Parsowe", 1325: "hus to Parsowe", 1355: "castrum"). Im Verlauf des 14./15. Jahrhunderts scheint auch diese Burg an Bedeutung verloren zu haben und wurde aufgegeben.

Erhaltungszustand: Slawenburg: mittel; Frühdeutscher Turmhügel: sehr gut

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Perleberg

In der Prignitz liegt die Stadt Perleberg, die mit einiger Wahrscheinlichkeit aus einer Slawenburg hervorging. In der Puschkinstraße 14 befindet sich heute das sogenannte Wallgebäude, welches auf den Resten der slawischen Wallburg errichtet worden sein soll. Die Burg lag damals auf einer Art größeren Insel, die von dem Fluss Stepenitz beidseitig umflossen wurde. Daher nennt man diese Insel auch "Stepenitzinsel". Sie existiert noch heute und beherbergt die ganze Altstadt von Perleberg. Zur Slawenzeit war der Fluss noch schiffbar und diente gleichzeitig zum Schutz der Burg. Im Zuge der deutschen Ostsiedlung in der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Burg sicherlich erobert und aufgegeben. Genaueres ist nicht bekannt, da die deutschen Eroberer hierüber keinerlei schriftliche Überlieferungen anfertigten. Mit Sicherheit befanden sich auf der Insel aber noch slawische Vorburgsiedlungen. Auch die neuen deutschen Einwanderer haben sich auf der Insel eine frühdeutsche Burg, die "Gänseburg", anlegen lassen. Wo genau diese lag, ist nicht mehr bekannt. Wahrscheinlich wurde sie auf den Resten der slawischen Vorgängeranlage angelegt, was damals gängige Praxis war. 1239 erlangte die Siedlung das Salzwedeler Stadtrecht und entwickelte sich im Laufe des späteren Mittelalters zu einer reichen Stadt.

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Phöben


 

"Räuberberg"

Etwa 1,8 Kilometer nördlich der Dorfkirche von Phöben (Ortsteil der Stadt Werder/Havel, Landkreis: Potsdam-Mittelmark) liegen die nicht mehr erhaltenen Überreste einer mittelslawischen Niederungsburg, die in der frühdeutschen Zeit zu einer deutschen Burganlage umgebaut wurde. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Phöben 1) trägt die Flurnamen "Räuberberg", "Röverberg" oder "Räuberwall" und liegt auf einer halbinselartigen Landzunge am westlichen Havelufer. Zu ersten Untersuchungen des Areals kam es im Jahre 1880 durch R. Grupp. 1911 und 1913 erforschte F. Bestehorn das Bodendenkmal. 1932 legte R. Hoffmann Schnitte an. 1980 kam es zu einer Notbergung durch K. Grebe, als ein Wasserdruckgraben durch das bereits abgetragene Bodendenkmal angelegt wurde. 2009 wurde der Ort von D. Wehner geomagnetisch prospektiert. Die bisherigen Erforschungen kamen zu folgenden Erkenntnissen (Stand: 2019):

Bereits in den letzten Jahrzehnten des 9. Jahrhunderts lag an dieser Stelle eine offene slawische Siedlung in natürlicher Schutzlage. Die Bewohner suchten sich für diese Siedlung eine Landzunge aus, die halbinselartig in den breiten Havelstrom ragte. Westlich der Siedlung lag eine sumpfartige Niederung, die heute als "Phöbener Bruch" bezeichnet wird. Die Siedlung war also im Osten durch die Havel und im Westen durch ein großes Niederungsareal geschützt. Um das Jahr 900 wurde die Siedlung mit einem kleinen Ringwall ausgebaut. Die Befestigung wurde ganz am Nordostende der Halbinsel errichtet und besaß einen Außendurchmesser von 60 bis 70 m. Der kreisrunde Innenraum war etwa 50 m groß. Der Burgwall war an der Westseite von einem 17 bis 20 m breiten Außengraben umgeben. Zur östlichen Havelseite vermuten die Archäologen eine Art bogenförmigen Wall mit Graben, der den Ringwall gegen vom Wasser her kommende Feinde schützten sollte. Vielleicht diente dieser bogenförmige Wall dem Burgwall auch als eine Art Deichschutz gegen Hochwasser? Der kleine Ringwall besaß nur eine offene Vorburgsiedlung, die sich gleich westlich befand. In der mittelslawischen Befestigung saß sicher ein Lokalhäuptling vom Stamm der "Heveller", der von seinem Machtort aus die nahe Havel kontrollierte. Da das Flussbett im Bereich der Burg heute sehr flach ist, könnte die Befestigung auch eine Art slawenzeitlichen Flussübergang überwacht haben. Der Ringwall selbst bestand aus einer etwa 5 m breiten Wallbasis. Ob die mittelslawische Burg im Laufe ihres Bestehens eine grundlegende Erneuerung erfuhr, war nicht mehr feststellbar. Seit dem Winter 928/929 unterwarf der Ostfrankenherrscher Heinrich I. die "Heveller". Ob dabei auch die Burg von Phöben unterging, ist zu vermuten. Im modernen Laserscanbild und auch auf Luftbildern ist zu erkennen, dass sich westlich des kleinen Ringwalls zwei bogenförmige Abschnittswälle befinden. Der innere Abschnittswall besaß einen Außengraben und war etwa 180 m lang. Der äußere Abschnittswall besaß ebenfalls einen Außengraben und war etwa 270 m lang. Diese beiden Abschnittswälle gehörten nach Deutung der Archäologen aber nicht zu der mittelslawischen Burg. Vermutlich entstanden diese Befestigungswälle erst nach der endgültigen Unterwerfung der Slawen im Jahre 1157. Demnach besiedelten auch die deutschen Eroberer die natürliche Halbinsel und reaktivierten den mittelslawischen Ringwall als "Burgward". Als zusätzlichen Schutz legten sie die beiden bogenförmigen Riegelwälle an. Wie lang diese vermutlich dreigliedrige Burganlage bestand, ist unbekannt. Sie wird anhand von Funden grob in das mittlere 12. bis 13. Jahrhundert datiert. Das 14. Jahrhundert dürfte die deutsche Burgsiedlung nicht mehr erlebt haben.

Der südliche Teil des im Ursprung mittelslawischen Ringwalls wurde am Ende des 19. Jahrhunderts (1879) als Gartenerde nach Wannsee verkauft. Der Rest des Bodendenkmals wurde zur Wiesenverbesserung von Bauern abgetragen. Von 1930 bis 1945 wurden die letzten Überreste der Ringburg überpflügt und nahezu eingeebnet. Auch die beiden westlichen Abschnittswälle wurden in jener Zeit abgetragen. Sie sind auf Luftbildern und vor Ort aber noch schwach auszumachen. Ein Besuch des Areals ist wie immer nur in den kälteren Jahreszeiten zu empfehlen.


Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Pinnow

Ein sehr gut erhaltener Burgwall befindet sich westlich von Pinnow, dicht an der Mecklenburgisch-Brandenburgischen Landesgrenze. Er hat einen ovalen Durchmesser von ca. 90 mal 70 m. Die Wälle sind heute noch recht hoch. Weiterhin fliesst ein kleiner Bach namens "Mohn" nördlich an der Burg vorbei. Dieser Fluss bildet heute die Landesgrenze zwischen beiden Bundesländern. Zu slawischen Zeiten gehörte die Anlage aber zum Stamm der "Obodriten", die das westliche Mecklenburg besiedelten. Damals lag das "Obodritenland" noch weiter südlich als die heutige Mecklenburger Landesgrenze. Erbaut wurde die Burg im 9. Jahrhundert und bestand bis zum Ende der Slawenzeit im 12. Jahrhundert. Da sie heute inmitten einer Wiese liegt, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine gut geschützte Niederungsburg gehandelt hat, in der vielleicht ein lokaler Slawenfürst wohnte.

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Platkow

Nördlich von Platkow (Gemeinde: Gusow-Platkow, Landkreis: Märkisch-Oderland) verläuft die heutige "Oderstraße" in Richtung eines alten Oderarmes. Hier lag einst eine mittelslawische Burgsiedlung, die infolge der neuzeitlichen Beackerung leider vollständig abgetragen wurde. Das Bodendenkmal trägt bis heute den alten Flurnamen "Windmühlenberg". Je nach Jahreszeit kann man den Burgwall noch auf Luftbildern gut erkennen. Es handelte sich um einen kleinen ovalförmigen Ringwall von 50 bis 70 m Durchmesser, der von einem breiten Wassergraben umgeben war. Die Holz-Erde-Burg wurde am Nordostende eines natürlichen Geländespornes errichtet, der von einem alten "Oderarm" umflossen wurde. Da die Westseite des Spornes für Feinde leicht zugänglich war, errichteten die slawischen Erbauer zu dieser Seite einen bogenförmigen Graben, der unter 300 m lang war. Dieser Außengraben war vermutlich mit Holzpalisaden befestigt und schützte den Burgwall samt einer großen inneren Vorburgfläche. Die gesamte Burgsiedlung hatte eine Ausdehnung von etwa 20.000 m². Der Burgwall von Platkow war ein stark befestigter Herrschaftssitz eines slawischen Lokalhäuptlings, der die nahe Oderniederung politisch und militärisch überwachte. Um den Burgwall lag eine größere Vorburgsiedlung, die mit einem bogenförmigen Graben samt Holzpalisaden leicht befestigt war. In dieser Vorburgsiedlung lagen vor allem Unterkünfte für Handwerker, Händler und sonstigen Bediensteten, die den jeweiligen Burgherren unterstanden. Da bisher noch keine modernen Ausgrabungen stattgefunden haben, kann der Platkower Burgwall nur grob dem späten 9. bis mittleren 10. Jahrhundert zugeordnet werden. Der Geschichts- und Heimatverein Gusow-Platkow e.V hatte sich zum Ziel gesetzt, diesen Burgwall im Maßstab 1:2 wieder aufzubauen. Leider wurde dieses Vorhaben bis heute nicht realisiert.

Erhaltungszustand: nicht erhalten


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Potsdam

Im Verlauf des späten 9. bis frühen 10. Jahrhunderts entstand im heutigen Potsdam eine slawische Inselburg. Man vermutet, dass sie die Nachfolgeburg der "Römerschanze" bei Sacrow war, die in der Mitte des 9. Jahrhunderts verlassen wurde. Die Burg lag auf einer ehemaligen Sandinsel in der Havel, genau gegenüber der Nuthemündung. Damit dürfte es sich um eine Art Grenzburg gehandelt haben, die den damaligen Schiffsverkehr auf den Gewässern überwachte. Begrenzte Ausgrabungen von 1911/12 und 1921 ergaben, dass der Burgwall annähernd kreisrund war und eine Burginnenfläche von etwa 75 m Durchmesser hatte. Der Holz-Erde-Wall war in der für die Slawen typischen Rostkonstruktion und Kastenbauweise ausgeführt. Die Breite des Walles wird mit etwa 3 m angegeben. Den ersten Ausgrabungsberichten von 1911/12 ist dagegen zu entnehmen, dass die Wallkonstruktion doch erheblich breiter war. Ein etwa 20 m breiter Graben grenzte die Burg zu zwei vorgelagerten Talsandinseln ab, auf denen sich Vorburgsiedlungen befanden. Die Häuser im Burgwall befanden sich unmittelbar an der inneren Burgmauer. In der  Burgmitte konnte man keinerlei Hausrreste nachweisen. Eine weitere slawische Siedlung lag etwa 300 m westlich der Burg direkt am Havelufer. Weitere 150 m westlich davon lag ein Gräberfeld. Am 3. Juli 993 wurde der Burgwall von Potsdam erstmals urkundlich erwähnt. In dieser Zeit lag der Burgbezirk im Einzugsbereich des deutschen Kaisers Otto III., nachdem er durch die Eroberung der "Brandenburg" die Heveller kurzzeitig unterwarf. 994 oder 995 kam die Brandenburg wieder in slawische Hände. Im Sommer 997 versuchte der deutsche Kaiser die aufständischen Heveller erneut zu unterwerfen, was ihm aber nicht gelang. Dadurch wurden die Heveller wieder unabhängig vom deutschen Reich und auch der Burgwall Potsdam war wieder unter slawischer Führung. Um 1157 besetzten die Deutschen dann endgültig den Burgwall. Ob dies friedlich oder gewaltsam geschah, muss offen bleiben. Bald darauf wurde die Burg zu einer deutschen Burganlage ausgebaut. Bei den Grabungen von 1911/12 fand man auf dem alten Burggelände reichlich frühdeutsche Keramik. Möglicherweise bestand die Burg nun aus einer typischen Motte mit Holz- oder Steinturm umgeben vom alten Slawenwall. Erst nach 1697 wurde der alte Burggraben verfüllt. Vermutlich waren bis in jene Zeit noch Wallreste der Anlage erkennbar. Der slawische Urname "Potztupimi" soll "Ort des Poztangpim" bedeuten, und deutet wohl auf den ersten adligen Gründer der Siedlung hin.

Literatur:

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Potzlow

"Kleiner Ringwall" am Potzlower See

Etwa 1,5 Kilometer südöstlich der Kirche von Potzlow (Gemeinde: Oberuckersee, Landkreis: Uckermark) liegen die noch gut erkennbaren Überreste einer mit Bäumen bestandenen Niederungsburg. Es handelt sich um einen etwa 50 x 40 m großen Burgwall (etwa 2.000 m² Gesamtfläche), der von seinen Erbauern ganz am Westende einer heutigen Halbinsel am "Potzlower See" errichtet wurde. Bis heute ist unklar, ob der Burgwall zur Slawenzeit auf einer natürlichen Insel oder am Westende einer bereits slawenzeitlichen Halbinsel lag. Der inselartige Burgwall dürfte um das Jahr 900 entstanden sein, nachdem die große frühslawische Höhenburg auf dem großen Potzlower "Werderberg" aufgegeben wurde. Oberflächenfunde vom kleinen Burgwall deuten auf eine Laufzeit von um 900 bis 1000 hin. Der Burgwall war der stark befestigte Herrschaftssitz eines Lokalherren vom Stamm der "Ukranen", der vermutlich die nahe Uckerniederung militärisch und politisch überwachte. Ob auf dem alten Burgareal der frühslawischen Höhenburg auf dem Potzlower "Werderberg" eine mittelslawische Vorburgsiedlung bestand, ist bis heute unklar. Über den Potzlower "Werderberg" dürfte ein slawenzeitlicher Weg verlaufen sein, der vom heutigen Ort Potzlow in Richtung Seehausen über den Fluss Ucker verlief. Die "Ukranen" (Uchri) wurden erstmals im Jahre 934 urkundlich erwähnt, als diese im Zuge der Ostexpansion durch das ostfränkisch-deutsche Reich mit Gewalt unterworfen wurden. Die "Ukranen" scheinen diese Unterwerfung nicht dauerhaft akzeptiert zu haben, denn für das Jahr 954 ist ein Aufstand der "Uckerslawen" belegt. Der sächsische Markgraf Gero zog daraufhin mit starken Truppen ins Uckerland und konnte die aufständischen "Ukranen" bezwingen. Ob auch der kleine Ringwall am Potzlower See zwischen 934 bis 954 zerstört wurde, muss reine Spekulation bleiben. Er wurde aber sicher noch vor dem Jahr 983 aufgegeben. 983 erhoben sich die Elbslawen im sogenannten "Lutizenaufstand" und konnten sich von der ostfränkisch-deutschen Unterdrückung befreien. Kurz danach entstanden wieder viel größere Burganlagen im Slawenland, die aus Schutzgründen nun überwiegend auf Inseln errichtet wurden. Etwa drei Kilometer südlich vom kleinen Potzlower Burgwall entstand um 988 eine größere Inselburg im Oberuckersee (Burgwallinsel Fergitz), die bis um 1200 in Nutzung blieb. Wer den kleinen Burgwall am Potzlower See heute besuchen will, sollte sich die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Das bewaldete Bodendenkmal ist besonders an der Südseite schon stark abgetragen worden.

Erhaltungszustand: mittel


Lage

2. Burgwall auf dem "Potzlower Werder"

Lage der großen Burg auf dem Werder, nach R. Krüger 2018

"Werderberg"

Etwa 1,2 Kilometer südöstlich der Kirche von Potzlow (Gemeinde: Oberuckersee, Landkreis: Uckermark) liegt der sogenannte "Werderberg". Auf der über einen Kilometer langen Anhöhe am Potzlower See wurden bereits seit den 1950 er Jahren immer wieder frühslawische Keramikscherben vom Typ Feldberg beobachtet (Fundplatz: Potzlow 3). Man deutete die Scherben als Überreste einer offenen slawischen Siedlungsstelle des 9. Jahrhunderts. Im Jahr 2000 wurde der "Werderberg" aus der Luft fotografiert, wobei noch deutlich erkennbare Grabenanlagen einer völlig eingeebneten Befestigung beobachtet wurden. Im Juli 2011 kam es zu einer größeren archäologischen Untersuchung des Fundplatztes unter der Leitung des Burgwallforschers Dr. Felix Biermann. Dabei wurde ein etwa 200 m langer und 2,5 m breiter Suchschnitt in West-Ost-Richtung durch die Befestigung angelegt. Zusätzlich wurde ein rund 4,6 ha großes Areal geomagnetisch prospektiert. Die Untersuchungen kamen zu folgenden Erkenntnissen. Um das Jahr 790 entstand am erhöhten Westrand des "Werderberges" eine große zweigliedrige Höhenburg der Feldbergzeit. Die u-förmige Hauptburg besaß einen Durchmesser von etwa 150 m und war durch einen 12 m breiten Wall in Holz-Erde-Konstruktion befestigt. Vor dem Hauptburgwall lag ein 20 m breiter und 4 m tiefer Trockengraben. Um die Hauptburg verlief ein großer halbkreis- bis hufeisenförmiger Vorburgwall, der eine Gesamtfläche von 360 x 230 m umschloss. Der schwächer ausgeprägte Vorburgwall besaß ebenfalls einen trockenen Außengraben von bis zu 2,2 m Tiefe. Das große Vorburgareal war eher schwach besiedelt. Im Hauptburgareal konnte eine deutlich höhere Konzentration von Feuerstellen, Vorratsgruben und Hausstellen dokumentiert werden, die auf eine dauerhafte Besiedlung des Areals hindeuten. Im Innenbereich der Hauptburg lagen zudem zwei Grabenanlagen, die vermutlich zur Entwässerung oder Materialentnahme bei der Erneuerung des Hauptburgwalles angelegt wurden. Zu den Kleinfunden zählten ein Dreilagenkamm aus Geweih, sowie ein arabischer Silberdirham (geprägt zwischen 819-825). Bei der Höhenburg von Potzlow handelte es sich um den stark befestigten Herrschaftssitz eines hohen Ukranenhäuptlings, der hier mit seinen Untertanen, Händlern und sonstigen Bediensteten residierte. Etwa 14 Kilometer nordöstlich der Potzlower Höhenburg lag der zeitgleiche Burgwall von Drense (Schwedenschanze). Dieser bestand ebenfalls aus einer u-förmigen Hauptburg (120 m Durchmesser) und einer hufeisenförmigen Vorburg (235 m Durchmesser). Ob die ukranischen Burgherren von Potzlow und Drense in militärischer Konkurrenz zueinander standen, wird wohl für immer unbeantwortet bleiben müssen. Der Drenser Burgwall blieb allerdings bis in die spätslawische Zeit in Nutzung. Der zweigliedrige Burgwall auf dem Potzlower "Werderberg" ging nachweislich um das Jahr 900 in einer Feuerkatastrophe gewaltsam unter und wurde danach nicht wieder reaktiviert. Etwa 300 m südwestlich des südlichen Vorburgwalles entstand um das Jahr 900 eine mittelslawische Nachfolgeburg, ein kleiner Ringwall von etwa 50 x 40 m Durchmesser (siehe: Burgwall Potzlow "Kleiner Ringwall"). Erwähnenswert ist noch, dass bei den archäologischen Ausgrabungen von 2011 im Burgareal eine Grube entdeckt wurde, in der ein männlicher Schädel lag. Offenbar handelte es sich um einen 20 bis 25 Jahre alten Mann, der knieend oder liegend von oben her enthauptet wurde. Der Schädel stammt aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts und wurde in einer beigabenlosen Grube auf dem alten Areal der Potzlower Höhenburg bestattet. Ob diese Bestattung auf eine spätere Reaktivierung des Burgareals als offene mittelslawische Siedlung hindeutet, muss leider Spekulation bleiben.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Prenzlau

Am Nordufer des Uckersees befand sich im 12. Jahrhundert eine slawische Wallanlage, die heute noch als "Röwenburg" oder "Rübenburg" bekannt ist. Sie lag wohl am Ueckerabfluss, ganz in der Nähe der Binnenmühle. Wann genau diese Anlage errichtet wurde ist weder genau überliefert, noch archäologisch nachgewiesen. Dennoch nimmt man das Jahr 1138 für die Erbauung der Anlage an. Überliefert ist nur, dass der letzte Inhaber des Burglehens der "Röwenburg" der Landrichter und Bürgermeister Matthias Wertheim war, bevor die Stadt die Burg für 1200 Taler endgültig erworben hat. Im 13. Jahrhundert wurde der Ort Prenzlau mit einer eigenen Stadtmauer versehen und wehrhaft ausgebaut. Damit verlor die "Röwenburg" ihre Bedeutung und wurde aufgegeben und später überbaut. Aus diesen Angaben kann man entnehmen, dass die einst slawische Burganlage von den deutschen Einwanderen einige Jahrzehnte weiter genutzt wurde.

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Presenchen

"Borchelt"

Leider musste auch der Ort Presenchen, einst zwischen Fürstlich Drehna und Schlabendorf gelegen, dem DDR-Braunkohletagebau „Schlabendorf-Süd“ im Jahre 1987/88 weichen. Etwa 200 m östlich des Dorfes lagen die Überreste eines mittelslawischen Niederungsburgwalls vom „Typ Tornow“. Das landwirtschaftlich genutzte Bodendenkmal mit Flurnamen „Borchelt“ war etwa 100 m groß und noch 2 bis 3 m hoch erhalten. Ein kleiner Bach verlief am Westrand der verschliffenen Burgruine. Von 1979 bis 1984 wurde das Areal fast vollständig archäologisch untersucht. Dabei kamen die Überreste eines mittelslawischen Burgwalls zutage, der mit einer Ausdehnung von bis zu 85 m auffallend groß war. Die reine Burginnenfläche besaß einen Durchmesser von etwa 60 m. Die ovale bis leicht viereckige Burg war zweiphasig und besaß nur ein Zugangstor im Süden. Die slawischen Erbauer vom Stamm der „Lusizi“ errichteten die erste Burg um 886/888 auf einer natürlichen Talsandinsel im Moor. Die in Rostbauweise errichtete Burgmauer war etwa 6 m breit und von einem breiten Außengraben umgeben. In der Burg wurden mehrere Brunnen zur Wasserversorgung angelegt. Einer dieser Brunnen wurde aus dem Holz einer gut 300 Jahren alten Eiche errichtet. An der Wallinnenseite lagen kasemattenartige Wohnhäuser der Burgbewohner, die auch dem Handwerk nachgingen. Zwischen den Jahren 925 bis 935 und 959 bis 962 wurde der Burgwall ausgebessert. Danach wurde die erste Burg durch ein großes Schadfeuer zerstört. Um 970 bis 975 wurde der Burgwall mit einer neuen Burgmauer verstärkt. Der Burgwall hatte nun eine Wallbreite von etwa 12 m und war etwa 85 m groß. Der Burgwall von Presenchen gehörte damit zu den letzten Burgen der „Lusizi“ und war aufgrund seiner großen Ausmaße vermutlich ein wichtiger Burgort in der Niederlausitz. Nordwestlich des Burgwalls befand sich über die gesamte Laufzeit eine offene Vorburgsiedlung, die ebenfalls auf einer Talsandinsel lag. Die etwa nur 2500 m² kleine Vorburgsiedlung blieb auch nach dem Verlassen des Burgwalls noch einige Zeit in Nutzung. Die Ausgräber vermuteten am Rand der Vorburgsiedlung auch einen Kultbereich in Form einer Grube. Hier könnte damals eine Kultfigur gestanden haben.

Erhaltungszustand: devastiert (durch Braunkohletagebau zerstört)

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Pritzerbe

 Im Südosten der Ortschaft findet sich ein runder, künstlicher Hügel mit steilem Abfall im Süden und Westen, der den Standort einer historischen Burganlage markiert. Die Burg lag im Winkel zwischen der Havel und dem Pritzerber See an einer wichtigen Landverbindung zwischen Brandenburg und Havelberg und diente vermutlich zur Kontrolle des Flusses bzw. eines hier bestehenden Übergangs über den Pritzerber See (Furt/Fähre). Heute ist der Burghügel Teil einer privaten - eingezäunten - Gartenanlage. Pritzerbe wird als slawische Gründung vermutet. Als Kaiser Otto I. in einer Urkunde von 948die Orte Pritzerbe und Ziesar dem von ihm neu gegründeten Bistum Brandenburg übertrug, war Pritzerbe möglicherweise bereits eine stadtähnliche Ansiedlung der Heveller, die durch einen Burgwall gesichert war (civitates Pricerui). Ob bereits Anfang/Mitte des 10. Jh. eine erste deutsche Burganlage errichtet wurde, ist nicht bekannt. Spätestens in Folge des Slawenaufstandes von 983 erlangten die Slawen wieder die Hoheit über Ortschaft und Burg. Der Fund mittel- und spätslawischer Scherben auf dem Burggelände weist jedenfalls auf eine lange Nutzungszeit. Nach der erfolgreichen Inbesitznahme des Havellandes durch Albrecht den Bären Mitte des 12. Jh. ließ der Bischof von Brandenburg - vermutlich anstelle der vorherigen slawischen Befestigung - die Burg Pritzerbe errichten bzw. die bestehende Burg ausbauen. Pritzerbe wurde Mittelpunkt eines Burgwardes und diente lange als bischöfliche Residenz, ehe Ziesar ihm den Rang ablief (15. Jh).

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Pritzwalk-Horst

Nördlich von Horst befinden sich die Wallreste einer slawischen Burganlage. Im Volksmund wird sie fälschlicherweise "Schwedenschanze" genannt. Sie liegt an einem kleinen Fluss und ist heute bewaldet. Es dürfte sich um eine ehemalige Fluchtburg in sumpfigen Umland gehandelt haben.

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Putlitz



Anstelle der heutigen "Gänseburg" in Putlitz bestand schon vor 942 eine slawische Burganlage wie urkundliche Überlieferungen beweisen. Dann wurde sie zur deutschen Burg umgebaut. Im Slawenaufstand von 983 ging die Burg aber wieder an die Slawen. Was die Slawen mit dieser deutschen Burg bis ins 12. Jahrhundert anstellten, ist nicht überliefert. Jedenfalls ging sie im Zuge des Wendenkreuzzuges um 1147 wieder an die Deutschen, diesmal endgültig. Zu dieser Zeit wurde sie wahrscheinlich erst massig in Stein ausgebaut. Im 17. Jahrhundert brannte die Burg aus und verfiel. Seit 1820 wurden die Reste der Burg renoviert. Gut erhalten ist heute noch der Burgturm.

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Raddusch

"Schanze"

Etwa 1,5 Kilometer südsüdwestlich von Raddusch (Stadt: Vetschau/Spreewald, Landkreis: Oberspreewald-Lausitz) liegt die heute weitgehend originalgetreue Rekonstruktion einer mittelslawischen Ringwallburg. An gleicher Stelle lag vom späten 9. bis mittleren 10. Jahrhundert ein Ringwall, der den stark befestigten Herrschaftssitz eines Lokalhäuptlings vom Stamm der "Lusizi" darstellte. Erstmals erwähnt wurde der Burgwall vom Mediziner Rudolf Virchow im Jahre 1880. In jener Zeit war der Ringwall mit Flurnamen "Schanze" noch mit Bäumen bestanden und deutlich im Gelände erkennbar.  Bis 1984 wurde das Bodendenkmal dann landwirtschaftlich beackert, wodurch der Burgwall stark breitgepflügt wurde. Am Ende war nur noch ein bis zu 3 m hoher Erdhügel erkennbar, der einen Durchmesser von bis zu 85 m erreichte. Da das slawische Bodendenkmal vom DDR-Braunkohletagebau Seese-Ost bedroht war, kam es von 1984 bis 1990 zu einer archäologischen Rettungsgrabung. Kurz nach der politischen Wende von 1989/90 wurden die nahen Kraftwerke von Vetschau und Lübbenau stillgelegt und die Braunkohleförderung schließlich ganz eingestellt. Der Tagebau lag nur noch etwa 500 m vom Bodendenkmal entfernt. Dieser Umstand rettete den Radduscher Burgwall vor der endgültigen Zerstörung. Die Ausgrabungen von 1984 bis 1990 kamen zu folgenden Erkenntnissen (Stand: 2019):

Vorgängersiedlung:

Anstelle der späteren slawischen Ringwallburg lag bereits seit der Bronzezeit eine Siedlung, die der "Lausitzer Kultur" (um 700 v. Chr.) zugeordnet werden konnte. Der Platz wurde auch noch bis in die Völkerwanderungszeit des 5./6. Jahrhunderts von den Germanen als Siedlung genutzt.

Burgwall "Phase 1":

Um das Jahr 880 errichteten die Slawen vom Stamm der "Lusizi" den ersten Burgwall. Sie suchten sich für die Befestigung eine leichte Erhöhung im Gelände aus und bauten eine nahezu kreisrunde Wallburg in Holzrostkonstruktion. Ob die Burganlage in einer ehemals feuchten Niederung lag, ist heute leider nicht mehr nachvollziehbar. Direkt östlich der Befestigung könnte eine kleine, natürliche Geländerinne gelegen haben, die je nach Jahreszeit sumpfartig oder mit Wasser gefüllt war. Die erste Holz-Erde-Burg bestand aus zwei aneinander gereihten Wallsektionen, die zusammen eine Breite von gut 10 m erreichten. Der innere Burghof hatte einen Durchmesser von nur 35 bis 36 m. Der vermutlich schon 5 bis 6 m hohe Burgwall hatte einen Außendurchmesser von ca. 55 m und besaß zusätzlich einen bis zu 5,5 m breiten Außengraben. Dieser Außengraben entstand, als man hier Erde für die Verfüllung der rostartigen Wallsektionen entnahm. Im Laufe der Zeit dürfte sich der flache Burggraben mit Grundwasser gefüllt haben. Am Innenwall angelehnt lagen kasemattenartige Wohnbauten in Blockbautechnik, in denen die Burgbesatzung ihre Wohnunterkünfte hatten. Ein aus Holzbohlen errichteter Kastenbrunnen lag an der Ostseite des Burghofes. Seine Errichtung konnte mittels der Dendrochronologie auf die 880 er Jahre bestimmt werden. Die Burg besaß vermutlich schon in der ersten Phase zwei tunnelartige Zugangstore. Die etwa 2,3 m breiten und 10 m langen Zugänge lagen im Nordwesten und Osten des Ringwalles und führten schließlich in den kleinen Burghof. Beide Torgänge wurden in der Innenfläche der Burg durch einen 2,3 m breiten Bohlenweg miteinander verbunden. Der äußere Burggraben war an den beiden Tunneltoren unterbrochen, sodass der Zugang von außen nicht über Holzbrücken, sondern eher über Erdrampen/Erddämme erfolgte. Warum die relativ kleine Burg von Raddusch über gleich zwei Zugangstore verfügte, muss Spekulation bleiben. In der Regel besaßen die mittelslawischen Kleinburgen nur ein tunnelartiges Zugangstor, das von den Insassen leichter verteidigt werden konnte. Vielleicht lag um den Burgwall eine offene Vorburgsiedlung, dessen Bewohner über die beiden Tore im Kriegsfall schneller in die Befestigung fliehen konnten?

Burgwall "Phase 2":

Um 925/26 wurde der vom Alter gezeichnete Burgwall von den Slawen grundlegend erneuert. Der alte Burggraben wurde verfüllt und eine neue Wallsektion vor den alten Außenwall gesetzt. Ein neuer Außengraben wurde angelegt, der wieder eine Breite von 5 bis 6 m erreichte. Ein Ausbau der Befestigung erfolgte auch an der inneren Burgfläche. Damit schrumpfte der eh schon sehr kleine Burghof auf einen Durchmesser von nur noch 31 m. Der erneuerte Burgwall hatte einen 15 bis 17 m breiten Wall und erreichte einen Gesamtdurchmesser von ca. 65 m. Ein neu angelegter Burgbrunnen scheint nun genau in der Mitte des Burghofes gelegen zu haben. Ein weiterer Kastenbrunnen lag an der Ostseite des Burghofes, nahe des östliches Zugangstores. Die beiden Tunneltore lagen an gleicher Stelle wie noch in der ersten Burgphase. Seit dem Winter 928/929 eroberte der Ostfrankenherrscher Heinrich I. im Zuge seiner Ostexpansion große Gebiete östlich der Elbe. Er wollte die noch heidnischen Slawenstämme unterwerfen und tributpflichtig machen. Als ihm dies weitgehend gelang, ließ er die Burg Meißen im Jahre 929 errichten. Von hier aus konnte er im Jahr 932 auch die slawischen "Lusizi" unterwerfen und tributpflichtig machen. Ob der Burgwall von Raddusch in jener Zeit von fränkischen Truppen direkt angegriffen wurde, oder sich die slawischen Burgherren der fränkischen Übermacht unterwarfen, kann nicht mehr festgestellt werden. Die grundlegende Erneuerung der ersten Burg kurz vor dem Jahr 930 kann aber sicher mit den bevorstehenden Eroberungszügen durch das Ostfrankenreich in Verbindung gesetzt werden.

Burgwall "Phase 3"

Um/vor 950 wurde der Radduscher Burgwall ein letztes Mal grundlegend erneuert. Es wurden wieder neue hölzerne Wallsektionen in Rostbauweise vor den alten Außenwall gesetzt. Zuvor hatte man den alten Burggraben erneut verfüllt und nach außen hin neu errichtet. Auch von innen her erfolgte ein finaler Ausbau der Befestigung, wobei der frei nutzbare Burginnenraum auf einen Durchmesser von nur noch 28 m schrumpfte. Der Burgwall war nun bis zu 20 m breit und besaß einen Gesamtdurchmesser von 60 bis 65 m. Die beiden Zugangstore lagen wie zuvor wieder im Nordwesten und Osten des Ringwalles. Die Slawen legten einen ganz neuen Burgbrunnen im Ostareal des Burghofes an. Dieser Kastenbrunnen war bis zu 12 m tief und bestand aus sechs untereinander sich verengenden Holzkästen. Warum die Slawen im Endstadium einen so tiefen Burgbrunnen anlegten, muss reine Spekulation bleiben. Vermutlich war der Grundwasserspiegel um das Jahr 950 stark abgesunken, sodass eine derartige tiefe Brunnenkonstruktion von Nöten war, um die Burginsassen mit Wasser zu versorgen. Im Jahr 963 konnte der deutsche Markgraf Gero die immer wieder aufständischen "Lusizi" endgültig unterwerfen. Spätestens zu dieser Zeit fand auch der Burgwall von Raddusch sein Ende. Die Archäologen vermuteten, dass es in jener Zeit zu einem feindlichen Angriff auf die Burg kam. Die beiden Tunneltore wurden von den eingeschlossenen Burginsassen absichtlich mit der Erde des Burgwalls verfüllt, um den Feinden den Zutritt zum Burghof zu versperren. Der Burgwall wurde vermutlich nach einer ausweglosen Belagerung schließlich aufgegeben. Im letzten und bis zu 12 m tiefen Burgbrunnen, konnten die Archäologen eine slawische Götterstele bergen, die heute als der "Götze von Raddusch" bezeichnet wird. Es handelt sich um eine eichene Spaltbohle, die am oberen Ende kopfartig ausgebildet ist. In der Brustmitte besaß das Holzidol eine Durchlochung. Die Götterstele konnte mittels der Dendrochronologie auf das Jahr 926 datiert werden. Das eher banal wirkende Götterbild scheint aus der zweiten Burgphase zu stammen und wieß neben Beilhiebspuren auch Brandzerstörungen auf. Vermutlich hat man den alten Götzen noch während oder kurz nach der finalen Erstürmung der Burg im tiefen Burgbrunnen versenkt. Der Burgwall scheint am Ende nicht in einer Feuerkatastrophe untergegangen zu sein. Nach der Eroberung wurde der Burgwall verlassen und endgültig aufgegeben. Ob die umliegende Vorburgsiedlung mit dem Untergang der Befestigung ebenfalls verlassen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Hier und da blieben die Vorburgsiedlungen von mittelslawischen Burgwällen noch eine Zeit lang weiter in Nutzung. In direkter Nähe zum Burgwall Raddusch lagen weitere mittelslawische "Kleinburgen" der "Lusizi", die etwa zeitgleich bestanden (Burgwall Repten, Saßleben, Stradow, Lübbenau, Groß Beuchow). Der slawische Kleinstamm der "Lusizi" besaß etwa 40 Ringwälle von 50 bis 85 m Durchmesser, die vom letzten Drittel des 9. bis zum letzten Drittel des 10. Jahrhunderts bestanden. Die Burganlagen wurden aber nicht alle zur selben Zeit errichtet. Die ersten Kleinburgen der "Lusizi" entstanden in den 870 er bis 880 er Jahren. Andere wiederum entstanden erst im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts. Die Burgen waren die Herrschaftssitze von lokalen Häuptlingen, die infolge ihrer geringen politischen Macht nur sehr kleine Landstriche beherrschten. Hier und da kam es zu innerslawischen Unruhen, bei denen die kleinen Ringwälle einen ausreichenden Schutz boten. Gegen das aufstrebende Ostfrankenreich konnten die kleinen Befestigungen letztendlich keinen dauerhaften Widerstand leisten. Die kleinen Ringwälle waren eine typische Erscheinung des späten 9. bis 10. Jahrhunderts und sind auf die zersplitterten Machtverhältnisse in den jeweiligen Slawenstämmen zurückzuführen.

Heutige Burg Raddusch:

In Anlehnung an das Aussehen der mittelslawischen Burganlage von Raddusch, die vor mehr als 1000 Jahren an diesem Ort bestand, ist die im Jahr 2003 fertiggestellte Slawenburg von Raddusch ein modern gestalteter Funktionsbau mit Ausstellungsbereich, Gasträumen, einem Burgladen, sowie Veranstaltungsräumen. Im Rahmen einer Museumspädagogik werden besonders Kinder an geschichtlich-archäologische Themen herangeführt. Um die Burg herum führt ein Zeitsteg die Besucher an die zeitlichen Dimensionen der Menschheitsgeschichte heran. In der Burg finden auch regelmäßig Open-Air-Konzerte statt.

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Ragow

Luftbild von 1953 mit noch schwach erkennbarem Rundwall

"Schlossberg" 

Bei Ragow lag eine Kleinburg vom "Typ Tornow". Leider ist das Bodendenkmal mit Flurnamen "Schlossberg" völlig eingeebnet worden und nicht mehr erkennbar. Es handelte sich um eine Ringwallburg von etwa 50 m Durchmesser. 1971 und 1995 kam es zu archäologischen Ausgrabungen. Dabei zeigte sich, dass die erste Burg noch vor 900 (890, 893) errichtet wurde und zwischen 931 und 935 ausgebaut wurde.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Rathenow

1.

500 m nordwestlich der Stadt Rathenow lag vermutlich im Winkel von Havel und Rathenower Stremme ein kleiner Burgwall. Das Gelände war schon im vorigen Jahrhundert durch eine stillgelegte Ziegelei völlig verändert. Heute befindet sich hier ein etwas verkommenes Gewerbegebiet. In historischen Karten wird der Bereich als Burgwall bezeichnet. Nach einer Karte von 1750 kann man eine Anlage mit einer Innenfläche von etwa 40 m Durchmesser annehmen. Die Kartendarstellung lässt keinen Wall (mehr) erkennen, sondern nur ein auf allen Seiten abfallenden Hügel. Durch die Lage im Winkel von Havel und Stremme war der Standort in jedem Fall relativ gut geschützt. Die 1956 hier gefundene gelbliche - zumeist unverzierte - Keramik, die gelegentlich flüchtige Kammstrichmuster aufweist, lässt eine Datierung ins 7. - 9. Jahrhundert zu. Verschiedentlich wurde spekuliert, ob nicht hier sogar die erste askanische Burg in Rathenow zu vermuten wäre, die aber mit großer Wahrscheinlichkeit im Bereich der Rathenower Altstadt angelegt worden ist.

Lage

2. Burgwall "Horstkaveln" in den Sremmewiesen

"Horstkaveln"

Etwa 1,5 Kilometer nordnordwestlich der Sankt-Marien-Andreas-Kirche von Rathenow (Landkreis: Havelland) liegen die nur noch auf Luftbildern erkennbaren Überreste einer zweigliedrigen slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Rathenow 21) trägt heute die Flurnamen "Horstkaveln" oder einfach nur "Ringwall". Es handelt sich um einen abgerundet dreieckförmigen Hauptburgwall von bis zu 130 (N-S) x 150 m (W-O) Außendurchmesser, der im Süden eine wallbefestigte Vorburgsiedlung besaß. Der stark bogen- bis halbkreisförmige Vorburgwall hatte vermutlich eine Länge von fast 400 m und war mit dem Hauptburgwall verbunden. Nach dem modernen Laserscanbild zu urteilen, besaß die Hauptburg einen Außen- und Innengraben. Der Vorburgwall scheint nur einen Außengraben besessen zu haben. Das heute verschliffene Burgareal erreicht eine Gesamtausdehnung von ca. 31.000 m² (Hauptburg: ca. 13.500 m², Vorburg:  ca. 17.500 m²). Der Hauptburgwall besaß an seiner Südwestecke eine etwa 55 m lange Grabenverlängerung in Richtung der heute begradigten Havel. Ob diese Grabenverlängerung auch mit einem flacheren Wall befestigt war ist nicht mehr eindeutig erkennbar, meiner Meinung nach aber zu vermuten. Das gesamte Bodendenkmal wurde bei der Begradigung der Havel im Jahr 1920 mit Schlemmsand überspült. Dadurch wurde der Burgwall stark abgetragen und die Gräben zugefüllt. Nach Oberflächenfunden zu urteilen, stammt diese Burg aus der mittelslawischen Zeit des 9./10. Jahrhunderts. Für jene Zeit war es aber eine ungewöhnlich große Burg, die man eher der frühslawische Epoche zuordnen müsste. Moderne archäologische Ausgrabungen stehen hier noch aus, die eine genaue Laufzeit der Burg offenlegen könnten (Stand: 2019). Die sicher mehrmals ausgebaute und über mehrere Jahrzehnte genutzte Hauptburg dürfte den Herrschaftssitz eines Lokalhäuptlings vom Stamm der Stodoranen (Heveller) dargestellt haben. Er und seine Burgmannschaft dürften den damaligen Verkehr auf den nahen Havelärmen überwacht haben. In der großräumigen Vorburgbefestigung lagen die Unterkünfte von Händlern, Handwerkern und sonstigen Bediensteten. Durch die Überschwemmung des Areals im Zuge der Havelbegradigung von 1920, ist das Bodendenkmal weitgehend eingeebnet worden. Nur noch der Hauptburgwall ist noch schwach im Gelände erkennbar geblieben. 

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage

3. "Göttliner Burgwall"

"Göttliner Burgwall"

Etwa 3,7 Kilometer nordnordwestlich der Sankt-Marien-Andreas-Kirche von Rathenow (Landkreis: Havelland) liegen die stark gestörten Überreste einer vermuteten Niederungsburg. Das heute bewaldete Bodendenkmal (Fundplatz: Rathenow 4) trägt die Flurnamen "Borgwall", "Burgwall" oder "Göttliner Burgwall". Es handelt sich um eine natürliche Sandinsel am Ostufer der begradigten Havel, die im Südosten noch gut zwei Meter über die umgebenen Wiesen ragt. Nach Norden hin fällt das bis zu 140 m große Areal (ca. 11.500 m²) auf das Niveau der Wiesen ab. Die heutige Gestalt des Walls ist allerdings auf eine neuzeitliche Überschüttung mit Baggersand aus der Flussregulierung von 1928 zurückzuführen. Inwiefern zumindest teilweise noch Reste des ursprünglichen Walls zutage treten, ist nicht bekannt. Vor allem die sehr gradlinig geformte Südostseite erscheint stark gestört. Nach der Fundortakte wurden an diesem Burgwall 1953 bronze- früheisenzeitliche, spätkaiserzeitliche, mittelslawische Scherben sowie mittelalterliche Keramikreste gefunden. Da nicht auszuschließen ist, dass diese Funde - zumindest teilweise - aus dem Baggersand stammten, ist eine genaue Zuordnung des Burgwalls noch nicht möglich (Stand: 2019).

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Rekahn

In der Denkmalliste des Kreises Potsdam-Mittelmark findet sich für die Fluren 1 und 5 der Gemarkung Reckahn unter der Denkmalnummer 30606 folgende Kurzbeschreibung: “Siedlung slawisches Mittelalter, Burgwall slawisches Mittelalter, Siedlung deutsches Mittelalter, Burgwall deutsches Mittelalter.” Bei besagtem Bodendenkmal handelt es sich um die etwa 1,5 km nordwestlich des Ortes Reckahn gelegene Wüstung “Duster Reckahn” und die etwa 200 m südöstlich davon in der Planeniederung gelegene Wallanlage, die auf historischen Karten als Schlossberg und Schlosswall bezeichnet wird. Die einstige Dorfstelle mit der heutigen Bezeichnung “Duster Reckahn” wurde 1935 beim Autobahnbau angegraben und archäologisch untersucht. Danach handelt es sich um eine slawische Gründung in spätslawischer Zeit, in der sich dann in frühdeutscher Zeit, vermutlich Mitte des 12. Jahrhunderts, deutsche Siedler ansiedelten. Von dem südöstlich gelegenen Burgwall sind zwar keine slawischen Funde bekannt, aber aufgrund der Zeitstellung der Siedlung kann man auch beim Burgwall von einer spätslawischen Anlage ausgehen. Die Wallanlage besteht heute aus zwei unterschiedlich strukturierten Teilen. Westlich des Gänsegrabens beschreibt HERRMANN (1960) einen kreisförmigen flachen Hügel von ca. 50 m Durchmesser, mit ununterbrochenem bis zu 15 m breitem umlaufenden Graben, der im Osten in den Gänsegraben führt. Der Horst war 1960 bis zu 2 m hoch, der Graben lag mit der Sohle ca. 50 cm unter dem umliegenden Wiesennieveau. Im Westen dieser Anlage wird ein bis zu 7 m breiter, durch unterschiedlichen Grasbewuchs und ungefähr 20 cm Höhe gut kenntlicher Damm beschrieben, der auf die alte Plane nach Westen zuläuft und auf der anderen Seite der Plane seine Fortsetzung fand. Die hier beschriebene Anlage dürfte dem im Bodendenkmal bezeichneten slawischen Burgwall entsprechen. Das Gelände ist wegen der angrenzenden Alten Plane und des Gänsegrabens schwer zugänglich. Aus der Distanz heraus war im Sommer nur ein stark verbuschtes Gelände zu erkennen. Die östlich des Gänsegrabens als trapezförmige Anlage von ca. 30 m O-W-Seitenlänge beschriebene Anlage könnte die vermutete frühdeutsche Burganlage oder auch eine neuzeitliche Schanzenanlage sein. Es wird vermutet, dass die Wallanlage im frühen 13. Jahrhundert zusammen mit der alten Siedlung aufgegeben und die heute bestehende Ortschaft Reckahn gegründet wurde.

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Reitwein

"Reitweiner Wallberge"

Etwa 850 m südlich der Kirchenruine von Reitwein (Landkreis: Märkisch-Oderland) liegen die Überreste einer slawischen Höhenburg. Das Bodendenkmal wird heute als "Reitweiner Wallberge", "Wallberg" oder "Ringwall" bezeichnet. Es handelt sich um ein natürliches, bis zu 45 m hohes Plateau am Westrand des Oderbruches, das mit zwei Abschnittswällen abgesichert wurde. Der westliche Vorburgwall ist leicht bogenförmig und erreicht noch eine Länge von etwa 165 m. Vor dem 5 bis 6 m hohen Vorburgwall liegt ein sehr breiter und tiefer Außengraben, der durch die Höhenlage wohl immer trocken war. Östlich des Vorburgwalles liegt ein weiterer bogenförmiger Abschnittswall von etwa 155 m Länge, der dass eigentliche Hauptburgareal abtrennte. Der 3 bis 4 m hohe Hauptburgwall besaß ebenfalls einen trockenen Außengraben, der im Laufe der Zeit verfüllt wurde und dadurch nicht mehr erkennbar geblieben ist. Das gesamte Burgareal erstreckt sich heute über eine Fläche von gut 4,1 ha. Der maximale Gesamtdurchmesser der Höhenburg beträgt bis zu 320 m (NW-SO). Das Vorburgareal hat eine Innenfläche von etwa 15.400 m². Das innere Hauptburgareal war mit bis zu 17.500 m² etwas größer. Die zweigeteilte Burgsiedlung wurde durch die natürliche Höhenlage an den übrigen Seiten wohl nur mit einfacheren Holzkonstruktionen befestigt. Archäologische Ausgrabungen im Jahre 1930 konnten für den Reitweiner Wallberg eine Besiedlung von der früh- bis mittelslawischen Zeit nachweisen. Die Höhenburg wurde also in den Jahrzehnten um 800 errichtet und im Laufe der Zeit mehrmals ausgebaut. Der östliche Hauptburgwall war sicher ein späterer Einbau des 9. Jahrhunderts. Vermutlich entwickelte sich in jener Zeit eine slawische Elite im Burgwall, die ein eigenes Hauptburgareal für sich und seine Bediensteten beanspruchte. In der Vorburg lagen nun die Unterkünfte von Händlern, Handwerkern usw.. Die Zugangstore, vermutlich Tunneltore, lagen jeweils ganz im Norden des Vor- und Hauptburgwalles. Ob die Burg noch bis in das 10. Jahrhundert durchgehend in Nutzung blieb, muss die moderne Archäologie klären. Es ist aus meiner Sicht eher wahrscheinlich, dass das Burgareal um 850 bis 900 verlassen wurde und von späteren Generationen als Siedlung reaktiviert wurde. Ein Holz-Erde-Wall hielt nach heutiger Schätzung etwa 20 bis 30 Jahre, sofern es zu keinen Angriffen gegen die Burg kam. Sollte die Burg tatsächlich noch das frühe 10. Jahrhundert erlebt haben, so muss der Vorburgwall mindestens 3 bis 5 Ausbauphasen gehabt haben. Erwähnenswert ist noch, dass etwa 5 Kilometer weiter südöstlich auf der östlichen Oderseite beim heutigen Ort "Owczary" (Polen) eine etwa zeitgleiche Höhenburg bestand. Diese Burg wird heute als "Grodzisko Owczary" bezeichnet (bis 1945: Schlossberg Ötscher) und lag ebenfalls auf einem Hochufer am Odertal. Der "Schlossberg" von Owczary liegt etwa 500 m südlich des Ortes und stellt nur noch einen bewaldeten Hügel dar, der von mehreren Schützengräben des 2. Weltkrieges verunstaltet ist. Der Burgwall von Reitwein scheint eindeutig die stärkere Befestigung gewesen zu sein. Ob die beiden Höhenburgen eine Art natürliche Grenze (Odertal) oder einen slawenzeitlichen Flussübergang bewachten, muss bis heute reine Spekulation bleiben. 

Erhaltungszustand: sehr gut

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Repten


"Wiesenberg"

Nordwestlich von Repten (Ortsteil von Vetschau, Landkreis: Oberspreewald-Lausitz) liegen die Überreste einer kleinen slawischen Wallanlage vom "Typ Tornow", die in das späte 9. bis mittlere 10. Jahrhundert gehört. Der Burgwallrest hat heute eine Ausdehnung von 60 m und erreicht noch eine Höhe von 2 m. Leider wurde der Wall im 18./19. Jahrhundert verfüllt, planiert und mit Bäumen bepflanzt. Bis in das frühe 20. Jahrhundert diente der Burgwall dann als Friedhof. Einige Grabsteine sind noch heute vorhanden. Etwa halbkreisförmig lag eine offene Vorburgsiedlung in Richtung Südwesten und Osten. Nach Funden zu urteilen, bestand diese Vorburgsiedlung auch nach dem Untergang des Burgwalls bis in das 11. Jahrhundert. Auch ein hoch entwickelter Werkplatz der Eisenverarbeitung konnte nahe der Burg ermittelt werden, der allerdings ebenfalls in die spätslawische Zeit gehört und nichts mehr mit dem Burgwall zu tun hatte. Das die Vorburgsiedlungen der kleinen mittelslawischen Burganlagen auch nach deren Untergang im 10. Jahrhundert weiter besiedelt wurden, konnte man auch an anderen Burgstandorten in Brandenburg beobachten. Da der Burgwall, der auch unter dem Flurnamen "Wiesenberg" bekannt ist, durch den Braunkohletagebau zu DDR-Zeiten gefährdet war, fanden einige Grabungskampagnen von 1983 bis 1989 statt. Dabei konnte man feststellen, dass die Burg insgesamt vier Bauphasen hatte. Der erste Burgwall entstand um 880 und wurde von seinen Erbauern auf einer kleinen Talsandinsel am Rande einer feuchten Wiesenniederung errichtet. Der erste Wall der fast kreisrunden Burg hatte eine Breite von 5 m und umschloss einen Innenraum von 28 m Durchmesser. Die Erdmassen für diesen Wall grub man direkt um die Anlage aus, sodass ein Graben den Burgwall umgab. Die Ausgrabungen zeigten, dass der Burginnenraum mit kleinen Feldsteinen gepflastert war. Als der Burgwall erneuert wurde (Wallphase II), verfüllte man den Burggraben mit Hölzern und errichtete darauf die Erweiterung des Walles. Bald darauf wurde der Wall ein zweites Mal nach außen verbreitert (Wallphase III). In der letzten Bauphase (Wallphase IV) wurde der Wall eigenartigerweise nach innen erweitert, sodass der Innenraum auf 25 m Durchmesser schrumpfte. Vermutlich wurde der Wall nach innen verbreitert, da die kleine Talsandinsel von dem Burgwall bereits vollständig ausgenutzt wurde und eine Verbreiterung nach aussen nicht mehr möglich war. Dieser letzte Burgwall hatte eine Gesamtbreite von etwa 15 m! Im Südwesten des Walles lag ein etwa 2,2 m breites ebenerdiges Tunneltor, welches in allen vier Bauphasen immer an der gleichen Stelle lag. Ausserhalb dieses Tores führte dann ein Knüppeldamm zur Vorburgsiedlung. Eine hölzerne Brücke über den Burggraben gab es hier wohl nicht. Der Zugang zum Tor erfolgte über einen einfachen Erddamm. Die letzte Ausbauphase der Burg konnte durch genommenden Holzproben um/nach 930 festgestellt werden. Kurz danach ist die Burg wohl aufgegeben worden. Bei den Grabungen stieß man auf die Reste von Keramikgefäßen, auf dessen Außenseiten Reiter, Bogenschützen und Pferde eingeritzt waren. Diese Einritzungen sind allerdings von sehr einfacher Gestalt und man hat den Eindruck, als hätte der Töpfer Jagd- oder Kriegsszenen der damaligen Zeit dargestellt. Weiter konnte man feststellen, dass im Burgwall Eisen verarbeitet wurde, dass in der Nähe durch natürliches Raseneisenerz gewonnen wurde. Weiter barg man drei eiserne Sicheln, Spinnwirtel und Perlen.

Erhaltungszustand: mittel

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  Kurze Animation von Denny Neumann zur Reptener Keramik mit Reiterdarstellungen

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Rheinsberg

Auf der Remusinsel im Rheinsberger See soll es einmal eine slawische Burg gegeben haben. Überlieferungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert deuten darauf hin. Bei Unterwasseruntersuchungen konnte man eine slawische Brücke von der Insel zur südlich gelegenen Halbinsel nachweisen. Zu den Funden zählten slawische Keramik, eine erhaltene Sichel mit Holzgriff, sowie Netzsenker. Nach Auswertung der Funde muss die Burg um das Jahr 1000 bestanden haben. Später stand hier auch eine nicht mehr vorhandene deutsche Burg. Auch das slawische Heiligtum Rethra wurde hier schon vermutet. Einige Hinweise deuten darauf hin, dass die Insel auch schon vor den Slawen besiedelt war, wie ein Wurfbeil aus der Zeit um 280 bis 420 n. Chr. beweist. Die vorgefundene Brücke muss eine Länge von ca. 300 m gehabt haben. Es ist überliefert, dass sich selbst noch zu Zeiten des 30 jährigen Krieges die Menschen aus Rheinsberg auf die Insel zurückzogen , um Schutz vor plündernden Soldaten zu suchen.

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Riedebeck

"Alte Schanze"

Etwa einen Kilometer nordnordwestlich der Dorfkirche von Riedebeck (Gemeinde: Heideblick, Landkreis: Dahme-Spreewald) liegen die sehr gut erhaltenen Überreste einer kleinen slawischen Niederungsburg vom "Typ Tornow". Das Bodendenkmal ist heute mit Bäumen bestanden und trägt die Flurnamen "Alte Schanze" oder "Ringwall". Wie man im modernen Laserscanbild erkennen kann, wurde die Burg auf einer natürlichen Talsandinsel angelegt, die genau an der Kreuzung von drei Niederungsrinnen lag. Die ehemals stark versumpften oder je nach Jahreszeit auch wasserführenden Geländerinnen sind heute durch Entwässerungskanäle weitgehend trocken gelegt worden. Gleich westlich der Befestigung lag das leicht erhöhte Festland, auf dem eine offene Vorburgsiedlung vermutet werden kann. Der 5 bis 6 m hohe Ringwall hat einen Außendurchmesser von ca. 75 m und besitzt noch einen deutlich erkennbaren Wallkessel. Von 1992 bis 1996 wurden 25 Niederungsringwälle in der Niederlausitz von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) archäologisch untersucht. Ziel war es, die vom Stamm der "Lusizi" errichteten Ringwälle dendrochronologisch genau zu datieren. Im Jahr 1993 wurde im Zuge des DFG-Projekts auch die "Alte Schanze" von Riedebeck archäologisch untersucht. Zwei Sondageschnitte wurden durch den Burggraben in den Wallaußenhang an der Nordwest- und Südostseite angelegt. Dabei wurde festgestellt, dass der Burgwall mindestens vier Bauphasen und zwei nacheinander angelegte Burggräben hatte. Der erste Ringwall (Phase 1) entstand um 886 und war von einem flachen Sohlgraben umgeben. Um/nach 908 wurde die Befestigung ausgebaut, indem man eine neue Wallsektion an der Außenfront errichtete (Phase 2). In welche Zeit die Burgphasen 3 und 4 gehören, ließ sich durch fehlende Hölzer leider nicht mehr nachweisen. Mit der Burgphase 3 wurde ein neuer flacher Sohlgraben angelegt. Im Jahr 1978 wurden bei Erdarbeiten im südlichen Burggraben Hölzer gefunden, die heute keiner Burgphase mehr zugeordnet werden können. Eines dieser Hölzer erbrachte das Fälldatum 949 (+/-10). Der Burgwall von Riedebeck wurde also noch in der Mitte des 10. Jahrhunderts erneuert. Wann der Burgwall letztendlich aufgegeben wurde, muss unbeantwortet bleiben. Die Archäologen konnten allerdings nachweisen, dass die letzte Burg in einer Feuerkatastrophe untergegangen ist.

Der mittelslawische Niederungsringwall von Riedebeck war also eine mindestens drei Mal ausgebaute Befestigung, die im Endstadium sicher 7 m hoch war und einen Außendurchmesser von 60 bis 70 m erreichte. Der Burgwall war der stark befestigte Herrschaftssitz eines Lokalhäuptlings von Stamm der Lusizi. Gleich westlich der Burg lag vermutlich eine offene Vorburgsiedlung, in der vor allem Handwerker, Händler und sonstige Bedienstete ihre Wohn- und Arbeitsstätten hatten. Auf modernen Google Luftbildern sind noch zwei bogenförmige Erdverfärbungen gleich westlich des Burgwalls zu erkennen. Vermutlich war das Vorburgareal mit einem etwa 220 m langen, bogenförmigen Graben gesichert. Dieser Graben ist auch schon auf dem s/w Luftbild von 1953 deutlich zu erkennen. Das heutige Luftbild zeigt allerdings noch einen zweiten, inneren Graben. Er hat eine Länge von ca. 180 m und war nicht ganz so breit. Mit dem mehrmals nach außen erneuerten Ringwall scheint man auch die Vorburgfläche vergrößert zu haben. Das einzige Burgtor lag im Westen und ist noch heute durch eine Wallsenke zu erkennen. Vermutlich war es ein etwa 2 m breites und 2,5 m hohes Tunneltor, das durch die breite Wallmauer in den etwa 1.300 m² großen Burghof führte.

Interessant ist, dass sich in der näheren Umgebung von Riedebeck weitere Burganlagen der Lusizi befanden. Der gut erhaltene Burgwall von Langengrassau (Errichtung: um 900, mehrfacher Ausbau bis um 950) liegt etwa 3,1 Kilometer nordnordwestlich vom Riedebecker Burgwall. Etwa 4,6 Kilometer nordöstlich der Riedebecker Burg liegen die gut erhaltenen Überreste der zweigliedrigen Burg von Freesdorf (Errichtung: vor 900). Der "Freesdorfer Borchelt" besaß als einzige der Tornower Burgen eine wallbefestigte Vorburg. Etwa 4,4 Kilometer südwestlich der Riedebecker Burg lag der heute abgetragene Ringwall von Beesdau (Errichtung: um 909 und anschließend mehrfacher Ausbau). Die Burgwälle von Riedebeck, Langengrassau, Freesdorf und Beesdau haben nach den Funden zu urteilen zumindest zeitweise nebeneinander existiert. Die insgesamt 38 Ringwälle der Lusizi haben nach den archäologischen Untersuchungen also nicht zeitgleich bestanden. Einige Anlagen wurden erst durch die immer größer werdende Bedrohung durch das aufstrebende Ostfrankenreich unter Heinrich I. (Krönung: 919) errichtet. Die einzige und größte Befestigung der Lusizi, die am längsten in Nutzung blieb, war der um 886/888 errichtete Burgwall von Presenchen. Die bis zu 85 m große Burg wurde im Jahr 975 ein letztes Mal erneuert und war fast 100 Jahre lang besiedelt. Hier und da blieben die mittelslawischen Vorburgsiedlungen auch nach dem Untergang der Ringwälle bis in das 11./12. Jahrhundert in Nutzung.

Der Ringwall von Riedebeck ist bis heute sehr gut erhalten geblieben und gehört zu den besterhaltendsten Ringwällen der Niederlausitz. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Burgwall noch völlig unbewaldet. Heute ist er mit Birken und Eichen bestanden, sodass ein Besuch in den kälteren Jahreszeiten zu empfehlen ist. Das Vorburgareal wird bis heute landwirtschaftlich genutzt.

Erhaltungszustand: sehr gut


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Riewend

"Schwedenschanze"

Etwa 1,2 Kilometer nordöstlich der Riewender Dorfkirche (Gemeinde: Päwesin, Landkreis: Potsdam-Mittelmark) liegen die sehr gut erhaltenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Riewend 1) trägt die Flurnamen "Schwedenschanze" oder "Klische" und liegt ganz am Nordende des "Riewend-Sees". Der Burgwall ist noch 2,5 bis 5 m hoch erhalten geblieben und erreicht von Wallfuß zu Wallfuß einen maximalen Außendurchmesser von bis zu 110 (NW-SO) x 70 m (SW-NO). In der Fachliteratur wird für den Burgwall nur ein Durchmesser von 85 x 60 m angegeben, was nach dem modernen Laserscanbild als etwas zu klein erscheint. Das einzige Burgtor ist noch durch eine sehr schwache Wallsenke im Nordosten des Walles zu erkennen. Vermutlich handelte es sich um ein schmales Tunneltor, das in den heute etwa 2.400 m² großen Innenraum führte. Interessant ist, dass der Burgwall zur südwestlichen Seeseite hin keinen Wall besitzt. Auch im modernen Laserscanbild erscheint die u- bis hufeisenförmige Befestigung zu dieser Seite walllos. Ob die Burg an der Südwestseite nur einfachere Palisadenkonstruktionen oder unverfüllte Holzkästen besaß, muss die moderne Archäologie klären. Möglich ist auch, dass die Südwestseite durch den Seegang oder von Menschenhand im Verlauf der letzten Jahrhunderte abgetragen wurde. Meiner Meinung nach besaß die Burg zur südwestlichen Seeseite nur unverfüllte Holzkästen. Da ein feindlicher Angriff vom See her eher nicht zu erwarten war, verfüllte man die Holzkästen dort nur mit Holz, Steinen usw.. Das moderne Laserscanbild zeigt zudem noch deutlich die ehemalige Lagesituation des im Endstadium sicher nur 85 x 60 m großen Burgwalls. Die slawischen Erbauer vom Stamm der Heveller (Stodorani) errichteten die Befestigung ganz am Ende einer natürlichen Halbinsel, die gut 400 bis 500 m südöstlich in den Nordrand des Riewendsees ragte. Zu ersten archäologischen Untersuchungen kam es im Jahre 1879 unter R. Grupp. In den Jahren 1908 und 1921 untersuchte Alfred Götze den Wall und die Burginnenfläche mit mehreren Sondageschnitten. In den 1970 er Jahren kam es zu weiteren archäologischen Untersuchungen, bei denen man eine ca. 4,4 ha große, mit einem leicht bogenförmigen Abschnittswall/Graben befestigte Vorburg weit nordwestlich des Burgwalls erkannt haben wollte. Der damals vermutete Vorburggraben war nach im Jahr 2008 angelegten Bohrungen aber nur ein natürlicher Zulauf der Klinke (heute begradigter "Klinkgraben", nördlich des Burgwalls) zum Riewendsee. Eine so große wallbefestigte Vorburgsiedlung, wie sie noch in der Fachliteratur des Jahres 2000 beschrieben wurde, konnte hier nicht nachgewiesen werden! Der Burgwall von Riewend besaß nach den neueren Untersuchungen eine viel kleinere und offene Vorburgsiedlung, die sich gleich nördlich des Burgwalls befand (Fundplatz: Riewend 2). Das ovalförmige Siedlungsareal lag ganz am Südostende der Halbinsel und war etwa 85 x 65 m groß (ca. 5.000 m²). Ein stark bogenförmiger und etwa 6 bis 10 m breiter Graben trennte diese Siedlung nach Nordwesten hin ab. In der grabengeschützten Vorburgsiedlung saßen sicher Händler, Handwerker und sonstige Bedienstete, die dem jeweiligen Burgherren unterstanden. Von der kleinen Vorburgsiedlung führte vermutlich eine kurze Holzbrücke oder ein dammartiger Bohlenweg nach Süden zum Nordosttor der Burg. Der Burgwall von Riewend war sicher eine sumpfartige Niederungsburg der mittelslawischen Zeit, die vermutlich vom Ende des späten 9. bis mittleren 10. Jahrhunderts funktionierte. In der mindestens ein Mal ausgebauten Befestigung saß ein Lokalhäuptling von Stamm der "Heveller", der von hier aus die nähere Umgebung politisch und militärisch verwaltete. Der in seinem Auftrag errichtete Burgwall wurde in Rostbauweise erbaut und diente ihm und seinen Nachfolgern als Machtinstrument gegenüber von konkurrierenden Kleinherrschaften im Land "Stodor". Weitere, vermutlich mittelslawische Burganlagen lagen bei Bamme (ca. 21 km leicht nordwestlich), Knoblauch (ca. 10,4 km leicht südöstlich), Lünow (vermutete mittel- bis spätslawische Inselburg/Siedlung auf der Möveninsel Buhnenwerder im Beetzsee, ca. 6,5 km südwestlich) und auf der Dominsel in Brandenburg an der Havel (Hauptburg der Heveller, ca. 17,5 km südwestlich). Im Winter 928/929 eroberte der Ostfrankenherrscher Heinrich I. im Zuge seiner Ostexpansion zuerst die Hauptburg der Heveller (Burgwall Brandenburg an der Havel "Dominsel"). Er konnte die schwer einnehmbare Burg nach einer längeren Belagerung schließlich einnehmen und unterwarf kurz danach weitere Slawenstämme östlich der Elbe. Die von Heinrich I. tributpflichtig gemachten Slawenstämme unternahmen noch im September 929 einen Gegenschlag gegen die fränkischen Truppen. Es kam zu der "Schlacht von Lenzen" (am Burgwall Lenzen-Neuehaus in Brandenburg, etwa 98 km nordwestlich vom Riewender Burgwall), die die vereinigten Slawenstämme mit sehr hohen Verlusten verloren. Ob auch der Burgherr von Riewend an diesem Aufstand teilnahm oder seine Burg schon im fränkischen Winterfeldzug von 928/929 unterging, muss vorerst Spekulation bleiben. Eine genaue Laufzeit des Riewender Burgwalls kann erst die moderne Archäologie mittels dendrochronologisch datierbaren Hölzern endgültig bestimmen. Sicher ist jedoch, dass die mittelslawische Vorburgsiedlung vom Riewender Burgwall bis in die spätslawische Zeit des 11./12. Jahrhunderts in Nutzung blieb. Eine frühdeutsche Besiedlung hat die Riewender Vorburgsiedlung nicht mehr erlebt. Demnach dürfte der Ort spätestens zwischen 1157 und 1220 aufgegeben worden sein. Zu den archäologischen Funden vom Burgwall zählten u.a.: zahlreiche Scherben (wenig frühslawische Keramik, überwiegend mittel- und weniger spätslawische Keramik), drei Knochenpfrieme, große Mengen Tierknochen (Wildschwein, Hausschwein, Rind, Schaf, Pferd, Reh, Hirsch, Fischreste), eine Glasperle, drei eiserne Messer, Eisen- und Buntmetallschlacke, fünf Spinnwirtel (vier aus Ton, einer aus Sandstein) und drei Münzen bzw. Münzbruchstücke (1024-1039 und 1. Hälfte 11. Jhd.). Vom Vorburgareal stammen mittel- und spätslawische Keramikscherben, vier Wetzsteine, Ziegenhornzapfen, fünf Knochenpfrieme, Kalkstücke, Reibesteine und Eisenschlacken. Der mittelslawische Burgwall von Riewend wurde in der Vergangenheit immer wieder von illegalen Raubgräbern ausgesucht, ist bis heute dennoch sehr gut erhalten geblieben und einen Besuch wert. Da er nicht mit Vegetation bestanden ist, kann er zu jeder Zeit besucht werden. Je nach Jahreszeit und Grundwasserspiegel kann das Areal im Vorfeld der Burg (Graben der Vorburgsiedlung) vernässt oder trocken sein. Der Burgwall von Riewend gehört meiner Meinung nach zu den besterhaltendsten Burganlagen der Slawenzeit im Bundesland Brandenburg. Eine kleine Informationstafel befindet sich am Nordrand des Bodendenkmals (Stand: 2019).


Erhaltungszustand: sehr gut

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Röddelin



Ein wahrscheinlich frühslawischer Burgwall (8./9. Jh.) befindet sich westlich von Röddelin, genau zwischen dem großen und kleinen Mahlgastsee. Vor Ort ist ein deutlich erkennbarer regelmäßiger Hügel vorhanden, der nach Nord steil, nach Süden relativ flach abfällt. Dieser Hügel befindet sich noch nicht in der Denkmalliste, daher sind Untersuchungen vor Ort abzuwarten, bis man mehr sagen kann. Der Wald in dem der eventuelle Burghügel liegt, ist in Privatbesitz. Ein Besuch ist also nur zu Fuß möglich. Das Burgplateau liegt auf 8 m Höhe und ist insgesamt 200 m lang. Ideal wäre dieser Platz schon gewesen für die Anlage einer Fluchtburg.

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Ruben

"Alte Schanze"

Der Ortsname Ruben, slawisch: Rubyn (Gemeinde: Werben, Landkreis: Spree-Neiße) leitet sich vermutlich vom altsorbischen Wort "rubati" (hauen, fällen) ab und deutet auf die slawische Entstehung des Ortes durch Waldrodung hin. In einer Urkunde des Klosters Neuzelle findet sich der Name des Ritters "Jacobus de Rubyn", der 1317 als Zeuge der Grenzfestlegung zwischen dem Kloster und der Burg Schidlo auftrat. Die Überreste eines mittelslawischen Burgwalls liegen etwa 650 m südwestlich der Ortsmitte und deuten auf eine noch frühere Besiedlung der Gegend hin. Dieser Burgwall stammt aus dem späten 9. bis mittleren 10. Jahrhundert und wird heute als "Alte Schanze" bezeichnet. Das etwa zur Hälfte abgetragene Bodendenkmal erreicht noch einen maximalen Außendurchmesser von bis zu 40 (NW-SO) x 25 m (N-S). Das heute mit wenigen Bäumen bestandene Bodendenkmal erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 850 m² und ist noch 2 bis 3 m hoch erhalten geblieben. Es handelte sich um eine der etwa 40 Niederungsburgen der "Lusizi", die zwischen 875 und 975 bestanden. Die überwiegend auf talsandartigen Sandhorsten errichteten Niederungsburgen erreichten einen Außendurchmesser von 50 bis 80 m. Nach dendrochronologischen Untersuchungen an vielen Ringwallburgen der Lausitz bestanden diese allerdings nicht zeitgleich. Die von Lokalhäuptlingen errichteten Rundwälle dürften durch die zunehmende Bedrohung durch das aufstrebende Ostfrankenreich unter Heinrich I. entstanden sein. Aber auch gegen innerslawische Machtstreitigkeiten boten diese kleinen Ringwälle einen gewissen Schutz. Durch die stark zersplitterten Machtverhältnisse beherrschten die mitttelslawischen Burgherren nur kleinere Landstriche. Durch ihre geringe politische und militärische Macht besaßen sie auch nur kleinere Burganlagen. Die überwiegend in Rostbauweise errichteten Ringwälle wurden in ihrer Nutzungszeit mehrmals erneuert. Für einige der Lausitzer Ringwälle konnte man drei Ausbauphasen nachweisen (z.B. Burgwall Repten, Burgwall Raddusch, Burgwall Riedebeck). Die Burgwälle der "Lusizi" haben nach ihrer Errichtung sicher einige Jahrzehnte lang existiert. In der Regel verfügten die Ringwälle über offene oder wallgeschützte Vorburgareale, in denen vor allem Handwerker, Händler und sonstige Bedienstete ihre Wohnunterkünfte hatten. Ob auch der Rubener Burgwall ein Vorburgareal besaß, ist bisher unbekannt. Moderne Ausgrabungen stehen hier noch aus (Stand: 2019).

Erhaltungszustand: mittel

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Saaringen

Das kleine Dorf Saaringen an der Havel entstand aus einer slawischen Burgwallanlage der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, die um das Jahr 890 mit einer 10 m breiten und 4,5 m hohen Befestigungsanlage geschützt war und das heutige Dorf umschloss. Die Befestigungsanlage wurde aber nach relativ kurzer Zeit (10 bis 30 Jahre) durch einen Brand so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man sie einebnete und das Dorf nur noch als unbefestigte Siedlung weiter bewohnte.

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Saarmund

1.

Am Nordrand der Ortschaft Saarmund im Landkreis Potsdam-Mittelmark befand sich vom 13. bis 16. Jahrhundert eine deutsche Burganlage, von der aber bis heute keine Reste erhalten geblieben sind. Bei Bauarbeiten in den Jahren 1930 und 1947 soll man auf Feldsteinmauerwerk im Boden gestoßen sein, welches noch von der Burg stammt. Die Ersterwähnung des Ortes geht bis auf das Jahr 1217 zurück ("Preterea de burgwardis Sarmunt"). Die Burg von Saarmund stellte eine Grenzburg dar, die im Jahr 1357 zu den landesherrlichen Burgen der Mark Brandenburg gehörte. Archäologische Funde des 10. bis 12. Jahrhunderts belegen, dass der Platz bereits von den Slawen besiedelt wurde. Wahrscheinlich lag hier bereits ein Burgwall, der bis heute aber nicht nachgewiesen ist. Die deutschen Eroberer besetzten oft slawische Burganlagen und bauten sie zu Burgwarden aus.

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2. 

Lage des Burgwalls im Google Luftbild

Etwa 3,8 km südöstlich von Saarmund befand sich in den Nuthewiesen eine Niederungsburg, die bereits in der Bronzezeit entstanden ist und wohl von den Slawen reaktiviert wurde (Bodendenkmal 30568). HERRMANN beschreibt 1960 einen annähernd runden Horst in einer alten Nutheschlinge mit Steilrändern, die etwa 1-2 m abfielen. Noch 1960 ging der Weg von Gröben nach Langerwisch darüber hinweg, so wie er in der Karte der Preußischen Landesaufnahme zum Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt wird. Künstliche Befestigungsspuren wurden nach HERRMANN nicht entdeckt. In den Fundakten des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam wurde die Anlage als frühslawischer Burgwall geführt, jedoch lagen dafür 1960 keine Belege (mehr?) vor.
Heute ist die Erhöhung und der Verlauf der alten Nutheschlinge nicht nur auf Luftbildern, sondern auch noch im Gelände relativ gut erkennbar.

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Sabrodt

Östlich den Ortes Sabrodt liegen die Reste eines wohl altslawischen Burgwalls. Man errichtete ihn direkt am großen Schwielochsee. Unmittelbar südöstlich mündet heute ein begradigter Flussarm in den See. Ob dieser in der Form auch schon in der Slawenzeit bestand, bezweifel ich. Heute ist die ehemalige Burgstelle bewaldet.

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Sacrow

Am bewaldeten Ostufer des Lehnitzsees liegt eine bis zu 25 m hohe Anhöhe, auf der sich die Reste der sogenannten "Römerschanze" befinden. Der auch als "Königswall" bezeichnete Burgwall hat einen trapezförmigen Grundriss von etwa 125 m bis 175 m Durchmesser. Der umlaufende Erdwall hat an der Basis eine Breite von 10 m bis 12 m und eine bis zu 3 m breite Wallkrone. Der Wall überragt das 2 ha große Burggelände um bis zu 2 m. Nordöstlich und südlich der Anlage liegen terrassenartige Bereiche, bei denen es sich um heute zugefallene Grabenanlagen handelte. Diese Grabenanlagen konzentrierten sich vor den drei Torbereichen und dienten als zusätzliche Annäherungshindernisse. Von 1908 bis 1911 untersuchte Carl Schuchardt Bereiche der Gräben, Tore und des Burginnenraums. Er konnte feststellen, dass die Wallkonstruktion an der Vor- und Rückseite aus zwei Plankenwänden bestand, die 3,25 m auseinander standen. Durch Ankerhölzer wurden diese Plankenwände zusammen gehalten. Der entstandene Innenraum wurde anschließend mit Erde aufgefüllt und erreichte eine Höhe von etwa 6 m. Bei den Grabungen kam zutage, dass der Burgwall bereits in der Bronzezeit angelegt wurde und in jener Zeit dicht besiedelt war. Vermutlich lebten damals bis zu 1000 Menschen in der Anlage. Im 6. Jhd. v. Ch. wurde der Burgwall vorerst aufgegeben. Als die slawischen Wilzen ab dem 7./8. in die Gegend einwanderten, wurde der alte Burgwall erneut befestigt. Zusätzlich errichtete man zwei durch Gräben gesicherte Vorburgareale, die südlich der Burg lagen. Im Gegensatz zur bronzezeitlichen Besiedlung konzentrierten sich die slawischen Häuser in der Höhenburg direkt hinter dem Wall. Im Verlauf des mittleren 9. bis Anfang des 10. Jahrhunderts gaben auch die Slawen diese Burganlage auf. Vermutlich gab es bei den Wilzen politische und gesellschaftliche Veränderungen, in denen so große Burgen keinen Platz mehr hatten. Sämtliche Großraumburgen im Wilzenland wurden in jener Zeit aufgegeben. Interessanterweise blieben die beiden Vorburgareale aber bis in das 13. Jahrhundert hinein besiedelt. Man vermutet heute, dass nach Aufgabe der "Römerschanze" der Burgwall Potsdam entstand, der seine Blütezeit im 10. bis 12. Jahrundert hatte.

Literatur:

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Saßleben

Nordöstlich von Saßleben befinden sich die gut erhaltenen Überreste eines kleinen zweiphasigen Burgwalls vom „Typ Tornow“. Das bewaldete Bodendenkmal wird auch als „Schanze“ bezeichnet. Die erhaltene Wallhöhe des bis zu 60 m großen Ringwalles beträgt zwischen 3 bis 5 m. Die Innenfläche der Burg ist noch etwa 30 m groß. In den 1990 er Jahren fanden mehrere archäologische Untersuchungen statt. Die slawischen Erbauer vom Stamm der „Lusizi“ errichteten um 900 die erste Burg auf einer spornartigen Talsandzunge in der Niederung des heutigen „Mühlenfließes“. Die erste Burgphase bestand aus zwei aneinander gereihten Rostsektionen und wurde mit einem äußeren Sohlgraben umgeben. Eine aus Sand und Lehm gefertigte Berme schützte die Wallkonstruktion zum äußeren Burggraben. Im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts wurde die Burg vermutlich nach Feindeinwirkung zerstört. Die Burg wurde kurz darauf erneuert. Der alte Burggraben wurde nach außen hin verbreitert. Eine neue Wallsektion wurde dem alten Wall vorgelagert, die nun aber mit Gras- und Torfsodenpackungen verfüllt wurde. Diese Bauweise ist eher untypisch für den slawischen Burgenbau und lässt eher auf den sächsischen Burgenbau schließen! Kann es sein, dass die sächsischen Eroberer die Slawenburg erneuerten? Wir wissen es nicht! Möglich wäre auch, dass kundige Slawen den neuen Burgwall nach Art der fränkischen Burgen zu befestigen versuchten. Die zweite Burg von Saßleben ging noch vor dem Jahr 950 unter und wurde verlassen.

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Sawall

Eine wohl jungslawische Anlage befand sich östlich des Ortes Sawall ganz in der Nähe des Flusses. Sie ist heute leider abgetragen und nicht mehr zu erkennen.

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Schlalach (Vermutung)

Etwa 900 m west-südwestlich der Ortschaft Schlalach finden sich auf einer kleinen Erhebung die Reste eines historischen Burgwalls (Bodendenkmal 30347). Der Ortsname Schlalach ist möglicherweise slawischen Ursprungs und wird unterschiedlich als Bezeichnung eines salzigen Sumpfes oder einer sumpfigen Waldlichtung interpretiert. Diese Interpretation würde für eine slawische Ortsgründung sprechen, wofür jedoch archäologisch bisher keine Belege vorliegen. Der Burgstall von Schlalach gehört zu den ovalen Ringwallanlagen und wies einen Durchmesser von 160 bis 180 m auf. Das umliegende Wiesengelände war im 17. Jahrhundert Bruchland und wird von HERRMANN 1960 als noch sehr sumpfig beschrieben. Die Anlage wies einen umlaufenden Wall mit vorgelagertem Graben auf. Nach einer historischen Brouillonkarte ist im Südosten der Anlage ein Vorwall zu vermuten. Da im Gelände aus vordeutscher Zeit bisher nur spätbronze-früheisenzeitliche Scherben gefunden wurden, wird der Wall der Bronzezeit zugeordnet. Eine Nutzung durch die Slawen ist dennoch möglich, zumal sich der Begriff “Burgstall” bis in historische Karten der Neuzeit überliefert hat. Heute liegt die weitgehend verschliffene Anlage, die nur noch als leichte Erhöhung im Gelände erkennbar ist, in trockengelegtem Acker- und Wiesenland. 

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Schlieben

Auf dem Schlossberg in Schlieben befand sich in der slawischen Zeit ein Burgwall. Dieser Burgwall bestand in der spätslawischen Zeit und wurde im deutschen Mittelalter mit einer Burg überbaut. Der Schlossberg befindet sich 250 m nördlich von der Kirche. Der slawisch/deutsche Burgwall hatte einen Durchmesser von 60 bis 70 m. Im 17. Jahrhundert wurden Reste der zerstörten deutschen Burg endgültig abgerissen.

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Schmölln

1. "Räuberberg"

Etwa 1,2 Kilometer östlich von Schmölln (Landkreis: Uckermark) liegen die bewaldeten Überreste einer ursprünglich slawischen Höhenburg. Das sehr gut erhaltene Bodendenkmal trägt bis heute den alten Flurnamen "Räuberberg". Die im Grundriss spitzovale Höhenbefestigung erreicht einen maximalen Außendurchmesser von gut 100 m (N-S) und wurde auf einem bis zu 36 m hohen, natürlichen Geländesporn am "Randowtal" errichtet. Das hoch liegende Burgplateau hatte einen kleinen Innenraum von nur etwa 60 (N-S) x 25 (W-O) m Durchmesser. In der Nordwestecke des Burgplateaus sind noch die Überreste eines mittelalterlichen Feldsteingebäudes erhalten geblieben. Es hatte eine Ausdehnung von gut 15 x 10 m und ist heute noch bis zu 3 m hoch. Dieser Einbau stammt sicher aus dem späteren 13./14. Jahrhundert und deutet auf eine mittelalterliche Burganlage hin. Da aber auch spätslawische Keramikscherben vom Bodendenkmal vorliegen, dürfte der Ursprung der Höhenburg im 11./12. Jahrhundert anzusetzen sein. Moderne archäologische Ausgrabungen stehen hier allerdings noch aus, die eine genaue Laufzeit der stark befestigten Höhenburg offenlegen können (Stand 2019). Der Burgwallforscher Dr. Felix Biermann bezeichnete den "Räuberberg" von Schmölln als eine seiner "Lieblingsburgen" in der Uckermark.

Erhaltungszustand: sehr gut


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2. "Schmöllner See"




Die zweite Wallanlage befindet sich am Übergang zu einer lang in den Schmöllner See hineinragenden Halbinsel, direkt am nördlichen Dorfrand. Zum Festland hin war diese Burg zusätzlich mit einem breiten Graben geschützt. Man konnte nachweisen, dass diese Anlage schon in der altslawischen Zeit angelegt wurde und kontinuierlich bis ins 11./12. Jahrhundert besiedelt wurde. Am näheren Festlandbereich südlich der Burg konnte man Siedlungsreste aus der jungslawischen Zeit feststellen. Urkundliche Erwähnungen gibt es von keiner der beiden Burgen.

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Schönfeld-Calau

Luftbild von 1953 mit noch schwach erkennbarem Burgwall

Bei Schönfeld (Calau) lagen bis zum Jahre 1975 die stark verschliffenen Überreste eines kleinen mittelslawischen Ringwalles vom „Typ Tornow“. Durch den DDR-Braunkohletagebau „Seese-West“ wurde das Bodendenkmal und ein Teil des Dorfes zerstört. Zuvor kam es aber zu Rettungsgrabungen am Bodendenkmal. Dabei legte man das ganze Areal des etwa 50 m großen Ringwalles frei und konnte so die Laufzeit der Burgsiedlung bestimmen. Im äußeren Burggraben der ersten Burg konnten die Ausgräber einen älteren Kastenbrunnen dokumentieren, der um das Jahr 940 angelegt wurde. Ob dieser schon zur ersten Burgphase gehörte, ist unbekannt. Brunnen, die im Außengraben eines Burgwalls lagen, sind inzwischen auch von anderen zeitgleichen Burgen bekannt geworden. Welchen Zweck sie einst hatten, kann man nur vermuten. Vielleicht hielt man die äußere hölzerne Burgmauer feucht, um feindliche Brandanschläge zu vereiteln? Vielleicht stammte dieser Brunnen aber auch aus einer früheren Siedlungsphase, noch vor der Errichtung des ersten Ringwalles? Der Burgwall wurde in den Jahren 945 bis 948 erneuert. Um 963 kam es zu einer letzten Instandsetzung des Ringwalles. Die letzte Erneuerung dürfte auch hier mit dem Eroberungszug Geros gegen die „Lusizi“ zu tun gehabt haben. Die „Lusizi“ wurden anschließend endgültig unterworfen. 

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Schönfeld-Uckermark


 

Etwa 1,1 Kilometer südsüdwestlich von Schönfeld (Amt: Brüssow, Landkreis: Uckermark) liegen die sehr gut erhaltenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das bewaldete Bodendenkmal (Fundplatz: Schönfeld 2) trägt bis heute den alten Flurnamen "Schwedenschanze". Es handelt sich um einen ovalförmigen Rundwall, der einen Außendurchmesser von bis zu 95 x 90 m besitzt. Der nach außen noch 5 bis 6 m hohe Burgwall besaß nur ein Zugangstor (Tunneltor) im Nordosten, welches durch eine Wallsenke noch deutlich erkennbar ist. Die slawischen Erbauer errichteten die Befestigung auf einem schmalen Geländerücken, der sich nach Nordwesten in eine noch heute versumpfte Talrinne vorschob. Ob diese Niederung zur Slawenzeit noch ein seeartiges Gewässer darstellte, entzieht sich meiner Kenntnis. Vor und vermutlich auch hinter dem Burgwall lagen Grabenanlagen, die als zusätzliche Annäherungshindernisse zu verstehen sind. Im Vorfeld der Befestigung gab es vermutlich auch eine offene Vorburgsiedlung, die aber noch nicht nachgewiesen werden konnte. Bisher fanden noch keine modernen Ausgrabungen am Burgwall statt, dennoch gibt es einige interessante Oberflächenfunde, die eine ungefähre Laufzeit der Burg offenlegen konnten. Im Jahr 1970 wurden slawische Scherben als Lesefunde gemeldet, die dem "Menkendorfer Typ" angehörten. 1982 legte ein Bodendenkmalpfleger einen kleinen Schnitt hinter dem Burgwall an und konnte dort ebenfalls vier "Menkendorfer" Scherben beobachten. In der Burgmitte konnte er zudem eine spätbronze-/früheisenzeitliche Grube nachweisen, die neben Rauwandkeramik auch Tierknochen enthielt. Bei erneuten Begehungen im Jahr 2003 und 2016 konnten am inneren Nordwall mehrere Holzkohlen aus Fuchs- oder Dachsbauten geborgen werden, die die Tiere hier freigewühlt hatten. Acht dieser verkohlten Hölzer konnten dendrochronologisch bestimmt werden und erbrachten die Jahre: um/nach: 891 (letzter Jahrring: 871), nach 914 (letzter Jahrring: 893), um/nach 915 (letzter Jahrring: 895), um/nach 917 (letzter Jahrring: 897), um/nach 921 (letzter Jahrring: 901), um/nach 923 (letzter Jahrring: 903), sowie zweimal das Jahr um/nach 947 (letzter Jahrring: 927). Demnach wurde der erste Burgwall bereits im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts errichtet und bis in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts mehrmals ausgebaut. Der Burgwall von Schönfeld wurde um/nach 927 ein letztes Mal von innen her erneuert. Die Befestigung nahm bereits die gesamte natürliche Fläche des Geländerückens ein, sodass ein grundlegender finaler Ausbau nur von innen her möglich war. Seit dem Winter 928/929 konnte der Ostfrankenherrscher Heinrich I. im Zuge seiner Ostexpansion große slawische Gebiete östlich der Elbe unterwerfen. Der Burgwall von Schönfeld lag im damaligen Stammesgebiet der "Ukranen". Die "Ukranen" (Uchri) wurden erstmals im Jahre 934 urkundlich erwähnt, als diese im Zuge der Ostexpansion durch das ostfränkisch-deutsche Reich mit Gewalt unterworfen wurden. Die "Ukranen" scheinen diese Unterwerfung nicht dauerhaft akzeptiert zu haben, denn für das Jahr 954 ist ein Aufstand der "Uckerslawen" belegt. Der sächsische Markgraf Gero zog daraufhin mit starken Truppen ins Uckerland und konnte die aufständischen "Ukranen" bezwingen. Der Burgwall von Schönfeld ist also vermutlich zwischen 934 und 954 zerstört worden und wurde danach nicht wieder aufgebaut. Ob der im Endstadium 7 bis 8 m hohe Burgwall von den Ostfranken oder durch innerslawische Machtkämpfe zerstört wurde, muss reine Spekulation bleiben. Erwähnenswert sind noch folgende Funde vom Burgareal. Im Jahr 1992 barg ein illegaler Sondengänger ein ca. 94 cm langes Schwert vom Typ "Spatha", welches sich unter dem Brandschutt des Innenwalls, nahe des nordöstlichen Burgtores befand. Das zweischneidige Schwert ging vermutlich im finalen Kampf um die Burg verloren und wurde durch den in Brand gesetzten Burgwall begraben. Im Jahr 2017 kam es zu einer erneuten Begehung mit Metalldetektoren, wobei ein Messer (9,5 cm Länge), ein Hakenschlüssel (15,5 cm Länge), sowie eine eiserne Pfeilspitze (10 cm Länge) geborgen wurden. Auch ein frühpommerscher Denar (Material: Silber) aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts konnte im Nordareal des Burghofes geborgen werden. Da bisher aber keinerlei spätslawische Keramikscherben vom Burgwall vorliegen, kam diese Münze vermutlich erst in späterer Zeit in den Erdboden. Wer den noch sehenswerten Burgwall von Schönfeld heute besuchen will, sollte sich die kälteren Jahreszeiten aussuchen.

Erhaltungszustand: sehr gut

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Schwedt/Oder



In Schwedt an der Oder befand sich zur Slawenzeit eine große, eingliedrige Fluchtburg. Sie lag damals auf einer von drei nahen Inseln, die im Oderlauf bestanden. Die slawische Bevölkerung verteilte sich auf allen drei Inseln. Untereinander waren sie mit Brücken verbunden. Vom Aufbau her glich sie der "Mecklenburg" bei Wismar. Zu vermuten ist also hier in Schwedt ein Stammessitz der Ukranen. Vielleicht gab es im Bereich der Wehranlage auch eine Kultstätte. Man fand hier sogar eine kleinere bronzene Kultfigur, die einen bärtigen Mann darstellt. Auch die Ableitung der heutigen Ortsbezeichnung Schwedt vom slawischen "suet = heilig", bekräftigt diese Annahme. Heute ist die Anlage kaum noch erkennbar und sehr schwer zu erreichen, da sie von allen Seiten von Flüssen umgeben ist. Eine Pfahlbrücke führte wahrscheinlich von der Burg über die Oder an das Westufer, wo sich noch eine Handwerkersiedlung (nahe der heutigen Kietzsiedlung) befand. Bis in naher Vergangenheit war diese Stelle bei den Einheimischen auch als "Mühlenberg" und "Backofenberg" bekannt.

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Sellessen/Spremberger Stausee (Vermutung)

Mit hoher Wahrscheinlichkeit befand sich im heutigen Spremberger Stausee auf Höhe der Ortschaft Sellessen (Bungalowsiedlung am "Weißen Berg") ein kleiner mittelslawischer Burgwall. Bei einem Niedrigwasser wurde er am 22. Juli 2010 von Hans-Dieter Sommer aus Spremberg sozusagen wiederentdeckt. Er bemerkte am Abend einen ungewöhnlichen Kreis, der nach seiner Meinung wie ein alter slawischer Burgwall aussah. Er machte davon ein Bild und meldete dies dem Museum in Spremberg. Dort begann man gleich damit, dem mysteriösen Kreis auf den Grund zu gehen. Leider war der Wasserstand des ab 1958 errichteten Stausees zwei Tage nach der Entdeckung wieder so hoch, dass das Gebilde im See verschwand. Also machte man sich daran, alte Meßtischkarten aus dem 19./20. Jahrhundert auszuwerten, als der Stausee noch nicht existierte. Auf einer Karte von 1939 war der Wall eingezeichnet. Früher lag er in einer sumpfigen Gegend, direkt in einer Flussschleife eines früheren Spreeverlaufs. Untersuchungen haben bisher noch keine stattgefunden, aber einiges spricht für eine Slawenburg. Der Durchmesser des Kreises betrug um die 50 m, typisch für brandenburgische Anlagen aus der Zeit des 9./10. Jahrhunderts. Im Jahr 2014 wurde der Stausee erneut abgelassen, dabei traten die Überreste wieder ans Tageslicht. Annett Schulz erkundete die Stelle und konnte dort eine vorslawische Scherbe und Flintabschläge dokumentieren. Sie stellte mir freundlicherweise ihre Bilder zur freien Verfügung. Eine kleine archäologische Grabung im Oktober 2014 erbrachte allerdings keinerlei Hinweise auf einen Burgwall. Vermutlich ist der mysteriöse Kreis natürlichen Ursprungs. Ich habe dennoch die vermutete Burgsiedlung als Modell nachgebaut, siehe unter "Eigene Modelle".

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Sielow

Eine mittelslawische Burganlage vom "Typ Tornow" mit einem Außendurchmesser von ca. 65m und einem Innendurchmesser von 45m befindet sich in Sielow, einem Ortsteil von Cottbus. Teile des Burgwalls wurden durch den Bau der Spreewaldbahn 1897 zerstört. Beim Bau eines Gehöftes 1931 wurde der Wall weitestgehend eingeebnet und der Innenraum planiert. Der Wall ist in einer Höhe von ca. 1,0m bis 1,5m vorhanden. Der ehemalige Burggraben ist an 3 Seiten erkennbar.

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Sonnewalde

Sonnewalde wurde 1255 erstmals in einer Verkaufsurkunde zwischen "Johannes von Sunnenwalde" und dem Kloster "Dobrilugk" erwähnt. Die Stadt dürfte jedoch als wendische Sumpfburg, ähnlich der Slawenburg Raddusch, weitaus älter sein. Auch die deutsche Besiedlung und der Ausbau zum Burgwardium fanden sicherlich noch weit vor der Ersterwähnung statt. Die Herkunft derer von Sunnenwalde ist nicht mehr klärbar.

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Steckelsdorf (Rathenow)

"Burgwall Alt Rathenow"

Etwa 3,5 Kilometer südöstlich der Steckelsdorfer Kirche (Ortsteil der Stadt Rathenow, Landkreis: Havelland) liegen die Überreste einer im Ursprung slawischen Niederungsburg. Das heute etwa 80 m westlich der begradigten Havel liegende Bodendenkmal (Nr. 50158) trägt die Flurnamen "Alt Rathenow", "Alte Hofstelle" oder einfach nur "Ringwall". Es handelte sich um einen ovalförmigen Burgwall von heute etwa 100 x 80 m Außendurchmesser, der auf einer natürlichen Talsandfläche am Fluss Havel errichtet wurde. Leider wurde das Bodendenkmal im 19./20. Jahrhundert landwirtschaftlich beackert. Auch der Deichbau hat den Burgwall in jener Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor Ort ist daher nur noch ein leicht erhöhtes Plateau zu erkennen, das am Ostrand zur Havel hin mit alten Stieleichen und Buschwerk bestanden ist. An der Südwest- bis Westseite sind noch geringe Wallreste mit einem vorgelagerten Außengraben erhalten geblieben. Vermutlich war der Burgwall an der Nord-, West- und Südseite von einem Außengraben umgeben, der vom nahen Fluss Havel gespeist wurde. Die Ostsseite hatte keinen Burggraben, da der Fluss hier einen natürlichen Schutz zu dieser Seite bot. Im Jahre 1929 wurde der Burgwall erstmals beschrieben und oberirdisch abgesucht. Dabei wurden slawische Keramikscherben und ein Spinnwirtel aus Ton dokumentiert. Die Slawen waren aber nicht die ersten Bewohner, die auf der Talsandinsel siedelten. Nach Oberflächenfunden zu urteilen, lag anstelle der späteren Burg bereits im Neolithikum eine offene Vorgängersiedlung. Die erste slawische Besiedlung der Talsandfläche könnte schon im Verlauf des 9. Jahrhunderts erfolgt sein. Ob hier zuerst eine mittelslawische Siedlung bestand, muss reine Spekulation bleiben. Die erste Burganlage entstand wahrscheinlich in den Jahrzehnten um das Jahr 900. Da bisher noch keine Hölzer aus der Burg gefunden und dendrochronologisch datiert werden konnten, ist die Nutzungszeit mit mittels der Keramikscherben möglich (Stand: 2019). Eine im Jahr 2018 gefundene Scherbe vom Burgareal ist eindeutig dem "Menkendorfer Typ" zuzuordnen und deutet auf eine mittelslawische Kleinburg hin. Mit einem heutigen Außendurchmesser von etwa 100 x 80 m war sie für jene Epoche allerdings auffallend groß. Auch die mittelslawische Niederungsburg "Schwedenschanze" von Schönfeld (Landkreis: Uckermark, Brandenburg) erreicht heute einen Außendurchmesser von 95 x 90 m und konnte anhand von gefundenen Hölzern auf das späte 9. bis mittlere 10. Jahrhundert datiert werden (um 891 bis um/nach 927). Zu den ungewöhnlich großen Burgen der mittelslawischen Zeit kann man auch die devastierte (durch Braunkohletagebau zerstörte) Niederungsburg von Presenchen (Landkreis: Dahme-Spreewald, Brandenburg) zählen. Dieser Burgwall war am Ende bis zu 85 m groß und bestand von um 886/888 bis um 970/975. Der relativ große Niederungsburgwall von Steckelsdorf "Alt Rathenow" war nach den Funden zu urteilen also eine im Ursprung mittelslawische Befestigung, in der ein lokaler Häuptling vom Stamm der "Heveller" residierte. Gleich nördlich und auch westlich der Befestigung lagen Vorburgareale, in denen vor allem Handwerker, Händler und sonstige Bedienstete ihre Wohnunterkünfte hatten. Im Winter 928/929 dürfte die Burgsiedlung von ostfränkischen Truppen angegriffen worden sein. Der deutsche König Heinrich I. konnte in dieser Zeit die Hauptburg der Heveller (Burgwall Brandenburg an der Havel, Dominsel) nach einer längeren Belagerung einnehmen. Der Burgwall von Steckelsdorf dürfte bei diesem Unternehmen; sofern er schon zu dieser Zeit bestand; eingenommen worden sein. Da auch spätslawische und frühdeutsche Keramikscherben vom Burgareal vorliegen, hat der Burgwall auch noch das 11. bis frühe 13. Jahrhundert erlebt. Er wurde vermutlich von späteren Generationen erneut als Burgwall befestigt. Man geht heute davon aus, dass die Burgsiedlung einen alten Havelübergang überwachte, der vom 10. bis frühen 13. Jahrhundert nahe der Burg bestand. Im Bereich der heutigen Altstadt von Rathenow entwickelte sich neben der strategisch wichtigen Havelfurt eine frühdeutsche Ansiedlung, die ab dem 13. Jahrhundert zur Stadt Rathenow ausgebaut wurde. Die alte Burgsiedlung "Alt Rathenow" konnte aufgrund ihrer unzugänglichen Lage auf einer kleinen Talsandfläche in der Havleniederung nicht zu einer deutschen Stadt ausgebaut werden. Zugunsten der am gegenüberliegenden, östlichen Ufer neu entstandenen Stadt Rathenow wurde "Alt Rathenow" aufgegeben. Über die Überreste des Bodendenkmals führt heute ein Wander- und Radweg.

Erhaltungszustand: mittel

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Stolpe an der Oder

Das Dorf existierte als slawische Siedlung der Ukraner bereits vom 8. bis ins 12. Jahrhundert einige Meter weiter nördlich, zu Fuße des ab 1170 errichteten Stolper Turms. Die slawische Siedlung bestand aus zwei Siedlungsflächen, welche jeweils durch einen Abschnittswall mit davor gelagertem Graben geschützt waren. Später wurde die Anlage von den Deutschen in Besitz genommen und mit einer frühdeutschen Burg überbaut. Noch heute sind Teile des sogenannten "Grützpotts" erhalten. Es handelt sich dabei um die Reste eines steinernden Wehrturms.

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Storkow

Die genaue Entstehungszeit der Burg Storkow ist heute nicht mehr feststellbar. Wahrscheinlich bestand sie schon im 10. Jahrhundert als slawische Sumpfburg aus einem Feldsteinsockel auf Pfählen sowie mit Holzpalisaden verkleidet, die später durch Ziegelsteinmauern ersetzt wurden. Urkundlich erwähnt wurde die Anlage erstmals 1209 im Zusammenhang mit der Stadtgründung Storkows.

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Stradow

Lage des Burgwalls auf der Flurkarte des Deutschen Reiches

"Ringwall"

Etwa 850 m nordöstlich vom Stradower Gemeindehaus (Stadt: Vetschau, Landkreis: Spreewald) liegen die noch erkennbaren Überreste eines mittelslawischen Ringwalls vom "Typ Tornow". Es handelt sich um eine nahezu kreisförmige Anlage mit einem maximalen Außendurchmesser von bis zu 75 m. Insgesamt erscheint das Bodendenkmal aber stark abgetragen. Ursprünglich lag der Ringwall auf einer natürlichen Talsandinsel am Ostufer eines kleinen Baches, der heute als "Mühlenfließ" oder "Vetschauer Mühlenfließ" bezeichnet wird. Die ehemalige Niederung gleich nördlich der Burg wurde um1900 geflutet. Die so entstandenen "Stradower Teiche" werden bis heute zur Fischzucht genutzt. Das slawische Bodendenkmal liegt heute unmittelbar am Südufer dieser künstlich angelegten Teiche. Vermutlich wurde ein Großteil der Erde des Burgwalls für die Eindeichung der "Stradower Teiche" verwendet. Aus diesem Grund ist vor Ort nur noch ein leicht erhöhtes, kreisrundes Plateau übrig geblieben. Der Burgwall dürfte vom letzten Drittel des 9. bis mittleren 10. Jahrhundert funktioniert haben und stellte einen von etwa 40 Herrschaftssitzen der "Lusizi" dar. Eine genaue Laufzeit der Burg ist bisher unbekannt, da noch keine modernen Ausgrabungen vor Ort stattgefunden haben (Stand: 2019). Interessant ist, dass nur etwa 3,5 Kilometer westsüdwestlich ein weiterer Ringwall der "Lusizi" lag (Burgwall Raddusch). Der "Radduscher Ringwall" wurde umfangreich untersucht und bestand zwischen 880 und 960. Demnach kann davon ausgegangen werden, dass die Burgwälle von Raddusch und Stradow zumindest zeitweise nebeneinander existierten. Die gringe Entfernung zwischen den beiden Burgen zeigt an, dass die jeweiligen Burgherren nur einen kleinen Landstrich beherrschten.

Erhaltungszustand: mittel

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Stücken

Etwa 2,1 Kilometer südsüdöstlich der Dorfkirche von Stücken (Gemeinde: Michendorf, Landkreis: Potsdam-Mittelmark) liegen die noch erkennbaren Überreste einer mittelslawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal trägt heute den Flurnamen "Ringwall" und besteht aus einem ovalförmigen Ringwall von bis zu 80 x 70 m Außendurchmesser. Der noch bis zu 2 m hohe Burgwall ist heute mit Büschen und auf der Wallkrone mit wenigen Bäumen bestanden. Es handelte sich vermutlich um einen stark befestigten Herrschaftssitz eines Lokalhäuptlings, der infolge seiner gringen Macht auch nur einen kleineren Landstrich beherrschte. Die Burg kann bisher nur grob dem späten 9. bis mittleren 10. Jahrhundert zugeordnet werden. Die Burg lag in ihrer Nutzungszeit in einer nur schwer zugänglichen Niederung nahe des "Blankensees".

Erhaltungszustand: mittel

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Teupitz

Anstelle des heutigen Wasserschlosses von Teupitz lag schon im 12. Jahrhundert eine slawische Inselburg. In welche Zeit ihre Errichtung zurückreicht, ist noch unbekannt. Die Slawen fingen in der Zeit um 1000 vermehrt an, ihre Burgen auf Inseln zu errichten. Nachdem die Inselburg in deutsche Hände kam diente sie weiter als Burg und wurde im Laufe der Zeit in Stein ersetzt. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg zum Schloss umgebaut, dass sich heute in Privatbesitz befindet.

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Tietzow



Etwa 1 km nord-nordwestlich der Ortschaft Tietzow liegt in den Flatower Dammwiesen ein historischer rundovaler Burgwall. Der Ortsname Tietzow stammt aus dem Slawischen und bedeutet etwa "Ort an dem es Eiben gibt". Die gesamte Anlage hat eine Größe von etwa 120 x 80 m, wobei auf der Fläche vermutlich eine kleinere Kernburg bestanden hatte. Eine Innenbesiedlung der Fläche konnte nachgewiesen werden. Der Wall hebt sich vom Umland vor allem durch einen Gehölzkranz aus Eichen und Haselsträuchern ab, auch erscheint die Fläche gegenüber dem Umland leicht erhöht. Der Innenraum wird von Grasfluren eingenommen und anscheinend gelegentlich beweidet. Ein umlaufender Graben ist nicht sicher erkennbar, deutet sich bereichsweise aber an. Die Anlage ist durch jahrhundertelange Landwirtschaft stark verschliffen.

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Tornow


 

"Schanze, Borchelt" (devastiert, zerstört)

Gleich südwestlich des Ortes Tornow (bis 1968 Gemeinde: Kittlitz heute Gemeinde: Lübbenau, Landkreis: Oberspreewald/Lausitz) lag bis zum Jahr 1968 ein gut erhaltener Ringwall der "Lusizi". Das Bodendenkmal trug die Flurnamen "Schanze" oder "Borchelt" und war noch als vegetationsfreier Ringwall von bis zu 60 m Außendurchmesser erhalten geblieben. Die Burgwallruine war 4 bis 5 Meter hoch und besaß einen deutlichen Wallkessel von 30 bis 35 m Durchmesser. Bevor der Ort Tornow samt dem slawischen Bodendenkmal durch den DDR-Braunkohletagebau "Schlabendorf-Nord" zerstört wurde, kam es zu umfangreichen archäologischen Untersuchungen. Der damalige Ausgräber Joachim Herrmann interpretierte die slawische Burgsiedlung in vier Phasen,  die er als Tornow A bis D bezeichnete. Er vermutete, dass der erste Ringwall bereits im 7./8. Jahrhundert als "Fliehburg" angelegt wurde und bis in das 9. Jahrhundert bestand. Inzwischen liegen von mehreren zeitgleichen Ringwällen der "Lusizi" Dendrodaten vor, die eine Existenz derartiger Burgen vom letzten Drittel des 9. bis mittleren 10. Jahrhunderts bezeugen. Leider ist vom Burgwall Tornow nur ein sicher bestimmbares Holz eines Pfahles erhalten geblieben, der um das Jahr 913 im äußeren Burggraben der ersten Burg eingeschlagen wurde. Die heutige Wissenschaft geht daher davon aus, dass der erste, etwa 47 m große und bis zu 6 m hohe Burgwall von Tornow erst im ersten Viertel des 10. Jahrhunderts entstand. Dies ist aus heutiger Sicht auch plausibel, da der Ringwall nach einer Brandzerstörung nur noch ein Mal grundlegend erneuert wurde. Der Wall der zerstörten Burg wurde erneuert und hatte in etwa die gleiche Dimension wie der erste Burgwall. Er war etwa 50 m groß und besaß einen 7 bis 10 m breiten Wassergraben. Allerdings kam es zu einigen Veränderungen. Der südliche Tortunnel führte nun nicht mehr ebenerdig in den kleinen Burghof, sondern überwand eine Höhe von 2 m! Die Innenfläche der Burg "Tornow B" lag also 2 m höher als der äußere Toreingang an der Holzbrücke. Die Innenbebauung des Burgwalls "Tornow B" bestand aus 19, vermutlich zweistöckigen Einbauten, die wieder ringartig am Innenwall lagen. Die oberen Stockwerke dieser Einbauten konnten vom Wehrgang auf dem Wall aus betreten werden. Der zweiphasige Ringwall (Tornow A und B) war vermutlich der stark befestigte Herrschaftssitz eines Lokalhäuptlings vom Stamm der "Lusizi". Durch seine geringe politische Macht verwaltete der jeweilige Burgherr auch nur einen kleineren Landstrich. Wann genau die letzte Burg von Tornow aufgegeben wurde, kann nur vermutet werden. Sie ging vermutlich zwischen 929 bis 960 im Zuge der Ostexpansion durch das ostfränkische Reich unter Heinrich I. und seinem Nachfolger Otto I. unter. Die von Joachim Herrmann publizierten Phasen "Tornow C und D" bestanden dann nur noch aus der etwa 19.000 m² bis 20.000 m² großen Vorburgsiedlung südwestlich des verlassenen Ringwalls. Diese Siedlung hat nach Funden zu urteilen noch bis in das 12. bis 13. Jahrhundert existiert. Da auch kaiserzeitliche und frühslawische Funde vom Vorburgareal vorliegen, hat diese Siedlung schon lange vor dem mittelslawischen Burgwall bestanden.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Trebbus

Trebbus ist mit großer Sicherheit der älteste urkundlich genannte Ort im Altkreis Finsterwalde. Etwa 1,5 km südöstlich der Dorfmitte befindet sich eine Erhebung mit dem Flurnamen "Altes Dorf". Vereinzelt finden sich dort noch slawische Gefäßscherben. Mit großer Wahrscheinlichkeit war hier die slawische Siedlung "Triebus civitas", die urkundlich am 8.8.1004 genannt wird. Später standen an diesem Ort Windmühlen, so werden 1864 drei Stück genannt. Eine Sage erzählt, dass in dem Dorf ein Schatz von unermesslichem Reichtum vergraben sein soll. Den Schatz findet nur derjenige, der dreimal um das "Alte Dorf" läuft, ohne einmal Atem zu holen.
Der Ortsname kommt aus dem slawischen "trebez = Rodung" und bedeutet, wie bei vielen Orten in der Umgebung die auf ...hain enden, dass Trebbus einst als Rodungssiedlung angelegt wurde. Aber schon früher zur Bronzezeit war die heutige Feldflur um Trebbus bewohnt. Davon zeugt ein Urnengräberfeld der sogenannten "Lausitzer Kultur" am Weg nach Dübrichen im Gebiet mit dem alten Flurnamen "Leprinen". Das heutige Trebbus ist als Angerdorf einst von deutschen Siedlern angelegt worden und befand sich im Besitz Rudolf I. von Sachsen.
Wo sich nun hier die überlieferte slawische Burganlage befand, ist heute nicht mehr festzustellen.
An der besagten Stelle 1,5 km südöstlich von Trebbus fliesst heute ein kleiner Landgraben. Heute ist der Lauf dieses Flüsschens begradigt worden. Mit Sicherheit lag die einstige Burg an diesem Bach.

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Treuenbrietzen

1.

Am Nordostrand der Stadt Treuenbrietzen, unmittelbar an der alten Nieplitz gelegen, finden sich die Reste eines slawischen Burgwalls (Bodendenkmal 30362). Es handelte sich um eine mittelslawische ovale Ringwallanlage (9./10. Jh.) von ursprünglich 70 m Durchmesser. Der Gesamtdurchmesser am äußeren Wallfuß lag bei etwa 90 m. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Großteil der Wallanlage weitgehend zerstört und eingeebnet. Lediglich auf der Südwestseite ist ein kleiner Wallrest von bis zu 6 m Höhe erhalten, der von einem grabenartigen Nebenarm der Nieplitz umflossen wird. Als Funde im Burgwallbereich dokumentiert sind mittelslawische und frühdeutsche Keramik, Spinnwirtel, Hüttenlehm, Eisenmesser, zwei Bronzegegenstände, Knochenpfrieme, ein Mahlstein, verkohltes Getreide und Tierknochen. Urkundlich erwähnt wird die Burg als Burgwalrd "Bricene" erstmals 1209 und 1216, als sie bereits in askanisch-deutscher Hand war und als südlichste brandenburgische Grenzbefestigung gegenüber Sachsen und Magdeburg von großer strategischer Bedeutung war. Bei Grabungen im Jahr 1992, die aufgrund einer illegalen Bebauung durchgeführt wurden, wurde südlich des Walles eine bis dahin unbekannte, unter dem mittelalterlichen Befestigungssystem liegende slawische Vorburgsiedlung entdeckt. Trotz der fortgeschrittenen Zerstörung konnten noch wichtige Erkenntnisse über den Aufbau der Vorburgsiedlung gewonnen werden. Diese Siedlung konnte aufgrund der gefundenen Keramikreste in das 9./10. Jahrhundert datiert werden. Der nordwestliche Teil war zusätzlich von einer Palisadenwand begrenzt, die beiderseits von Gräben umgeben war. Über die Bebauung der Innenfläche ist kaum noch eine Aussage möglich. Wie aber ein im Profil erhaltenes Grubenhaus zeigt, ist mit zahlreichen, vermutlich 20 bis 30 weiteren Häusern in diesem Bereich zu rechnen. Das Grubenhaus enthielt große Mengen gut erhaltener Keramik und zeichnete sich durch einen aus Birkenreisern bestehenden, vor Feuchtigkeit schützenden Bodenbelag aus. Unmittelbar unterhalb des Burgberges stellt ein Doppelgraben-System mit einer erhaltenen Tiefe von etwa 1,25 m je Graben einen zusätzlichen Schutz des Burgwalles dar. Wie dieses Grabensystem ausgesehen hat und welchen Verlauf es nahm, war nicht mehr zu rekonstruieren, auch seine Zeitstellung ist ungeklärt. Einige frühdeutsche, blaugraue Scherben sowie ein gefundener Rechteck-Pfosten, der aus einem 1210 gefällten Eichenstamm bestand, belegen eine Weiternutzung des Geländes bis in das 12./13. Jahrhundert.

Lage 

2.

Etwa 4,5 km ost-südöstlich der Stadt Treuenbrietzen befindet sich auf einem kleinen Höhenrücken am Bardenitzer Fließ im Osten der Zarth-Heide bzw. östlich des NSG Zarth, auf einem Acker am Rande zum Wald, der Standort eines historischen Burgwalls (Bodendenkmal 30365). HERRMANN 1960 beschreibt einen bereits stark verschliffenen historischen Ringwall von 50-60 m Durchmesser, der damals im Osten am Bardenitzer Fließ noch einen Abfall von bis zu 2,5 m aufwies. Inzwischen ist das Fließ verlegt und begradigt worden, weshalb auch dieser Bereich nicht mehr erkennbar ist. Heute ist von der Anlage im Gelände, außer der leicht erhöhten Lage, nichts mehr erkennbar, auch auf den vorliegenden Luftbildern finden sich keine eindeutigen Spuren. Nach HERMMAN 1960 fanden sich im Bereich mittelslawische Scherben, die eine Zuordnung der Anlage ins 9./10. Jh ermöglicht. Da in der Denkmalliste des Kreises Potsdam-Mittelmark für dieses Bodendenkmal als Schutzgegenstand auch ein deutscher Burgwall aufgeführt wird, ist davon auszugehen, dass nach 1960 entsprechende Funde gemacht wurden, die auf eine frühdeutsche Nachnutzung der Anlage hinweisen. Der Begriff Zarth wird auf die slawischen Wörter “Tschert” und “Tschort” mit der Bedeutung Teufelswald zurückgeführt, was vermutlich auf den moorigen Charakter des Gebietes verweist. In alten Flurkarten findet sich hier die Bezeichnung Burgwall, noch in der aktuellen Liegenschaftskarte ist ein Flurstück “Burgwallacker” verzeichnet. Durch den Teufelswald (Zarth) war die Anlage im Norden und Westen und durch die Niederung des Bardenitzer Fließes im Osten gut geschützt. Sicherlich war die Burg Teil eines kleineren slawischen Landes, das zum Bereich der Ploni oder Heveller gehörte.

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Uckro


Foto: Denny Neumann

Nördlich von Uckro befinden sich die stark gestörten Überreste eines mittelslawischen Burgwalls vom „Typ Tornow“. Durch frühere Erdeingriffe ist das heute baumbestandene Bodendenkmal leider stark verändert worden. Es handelte sich um einen befestigten Ringwall in Niederungslage mit einem Durchmesser von etwa 50 m. Im Jahre 1993 wurden zwei Sondageschnitte angelegt. Der Burgwall bestand aus einer etwa 7 m breiten Wallkonstruktion in Rostbauweise, die von einem sehr flachen Sohlgraben umgeben war. Am Außenwall wurde eine Berme angelegt, die ein Abrutschen der Wallkonstruktion in den Außengraben verhindern sollte. Nach Dendrodaten von gefundenen Hölzern zu urteilen wurde der erste Burgwall um/nach 932 errichtet und gegen 958 erneuert. Der letzte Burgwall ging in einer großen Feuerkatastrophe unter und wurde aufgegeben.


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Vehlefanz



Circa 10 km nordwestlich von Berlin liegt der Ort Vehlefanz. Der Name Vehlefanz könnte sich aus den slawischen Wörtern "velij“ = groß und "vas“ = Bart ableiten. Im westlichen Teil des Ortes befinden sich in der Nähe der Perwenitzer Chaussee ein künstlich aufgeschütteter Hügel, sowie die Reste eines alten Rittersitzes. Die Straße nennt sich in der Nähe der Anlagen "Burgwall". Heute ist nur noch die Ruine eines Turmes mit einem kleinen Mauerstück aus Backsteinen von der ehemaligen Wasserburg des 14. Jahrhunderts vorhanden. Der kleine Burgberg weiter nördlich wird im Volksmund auch "Bosselberg" genannt. Die Geschichte dieses Burgberges geht allerdings auf die slawische Zeit zurück. Inmitten von überfluteten Wiesen errichteten sie wohl im 9./10. Jahrhundert eine Burganlage. In der frühdeutschen Zeit wurde er erneut als Burg ausgebaut, diesmal als Motte. Heute erkennt man am Fuße der Motte noch deutlich einen umlaufenden Graben, der beim Bau des Hügels entstand. Eine Treppe führt  zu dem Bodendenkmal. Die Ausmaßen des Hügels betragen 60 m Durchmesser auf Erdhöhe. Das höherliegende Plateau ist 34 m groß. Nördlich schloss sich direkt eine kleine Vorburgsiedlung an. Überliefert ist noch, dass im Jahre 1931 ein östlicher Vorwall der Anlage abgetragen wurde. Dieser gehörte vermutlich schon zu der älteren Slawenburg. Ein Informationsschild informiert heute am Burgberg über die einstige Geschichte der Umgebung.

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Vehlin

"Hilgenwall"

Etwa 750 m nordwestlich der Dorfkirche von Vehlin (Gemeinde: Gumtow, Landkreis: Prignitz) liegen die noch erkennbaren Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal trägt den Flurnamen "Hilgenwall" und ist noch als etwa 2,5 m hoher Wiesenhügel von bis zu 90 m Außendurchmesser erhalten geblieben. Auf einigen Luftbildern und im modernen Laserscanbild ist zu erkennen, dass der Ringwall am Südostrand einer ehemaligen Talsandfläche errichtet wurde. Diese Talsandfläche lag zur Slawenzeit innerhalb einer versumpften Niederung, die heute vom Fluss "Karthane" (ein Nebenarm der Stepenitz) durchflossen wird. Die Niederung wird heute auch als "Vehliner Luch" bezeichnet. Nach Funden zu urteilen, handelt es sich um eine früh- bis mittelslawische Niederungsburg des 9. bis 10. Jahrhunderts. Interessant ist sicher die Frage, ob auch der nordwestliche Vorburgbereich mit einem Wall befestigt war. Das Vorburgareal scheint die gesamte Talsandfläche in Anspruch genommen zu haben und war mit etwa 18.000 m² bis 20.000 m² ungewöhnlich groß. Die große Vorburgfläche scheint zumindest mit einem Außengraben befestigt gewesen zu sein. Ob wir es hier mit einer bereits frühslawischen Großraumburg mit später integrierter Hauptburg, oder mit einer rein mittelslawischen Burgsiedlung zu tun haben, kann nur die moderne Archäologie klären! Da vom Fundplatz auch frühdeutsche Keramikscherben vorliegen, ist mit einer Besiedlung bis in das 13. Jahrhundert zu rechnen. Ob der slawische Ringwall in jener Zeit noch als Burg funktionierte, ist fraglich. Erwähnenswert ist noch, dass der Flurname "Hilgenwall" übersetzt etwa "der heilige Wall" bedeutet. Ob es in der slawischen Burgsiedlung eine heidnische Kultstätte gab, konnte bis heute weder ausgeschlossen noch bewiesen werden.

Erhaltungszustand: mittel

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Vorberg

Bei Vorberg im Kreis Calau lag ebenfalls eine kleine Adelsburg vom "Typ Tornow". Leider ist der Burgwall samt Ort dem Braunkohletagebau Seese-West 1964 zum Opfer gefallen. Vor dem Abbruch wurde das Bodendenkmal aber untersucht. Man stellte fest, dass die Burg der in Tornow sehr ähnlich war. Es handelte sich um eine etwa 50 m große kreisrunde Anlage der "Lusizi", in deren Vorfeld eine Handwerkersiedlung bestand. Der kleine Ort Vorberg lag 7 Kilometer südlich von Lübbenau. Vor der Zwangsräumung lebten noch 99 Personen im Ort.

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Waldow

Südwestlich von Waldow befindet sich ein gut erhaltener Burgwall der Lusizi. Er wurde in der vergangenen Zeit als Friedhof genutzt und ist am Rand mit Bäumen bestanden. Der Burgwall hat heute noch einen Durchmesser von ca. 65 m. Die relativ kleinen Burgen der Lusizi entstanden am Ende des 9. Jahrhunderts, als eine Bedrohung durch die Deutschen immer absehbarer wurde. Die Blütezeit dieses Burgentyps und auch seine Untergangszeit liegt in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Die Burg diente als Rückzugsort für die Bevölkerung , mitunter aber auch als Machtmittelpunkt eines lokalen Slawenadels. Zu solchen Burgen gehörten immer Wirtschaftsgebäude, die direkt vor der Burg lagen.

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Waldsieversdorf



  

Etwa 600 m südwestlich vom Waldsieversdorfer Strandbad (Landkreis: Märkisch-Oderland) liegt eine große bewaldete Halbinsel, die den "Großen" vom "Kleinen" Däbersee abtrennt. Auf dem erhöhten Halbinselareal liegen die Überreste einer vermutlich frühslawischen Höhenburg. Das Bodendenkmal wird seit langer Zeit als "Schwedenschanze" bezeichnet und besteht aus zwei langen Abschnittswällen, die eine plateauartige Burgfläche schützten. Der westliche Wall ist etwa 90 m lang und der östliche erreicht eine Länge von etwa 120 m. Der ehemalige Zugang zur Höhenburg erfolgte vermutlich aus westlicher Richtung. Im Jahre 1870 kam es zu einer kleineren Grabung, bei der slawische Keramikscherben, eine eiserne Sichel, sowie Mahl- und Wetzsteine geborgen wurden. Die vorgefundenen Tierknochen konnten Schafen, Pferden, Rindern, Ziegen, Hunden, Hirschen und Wildschweinen zugeordnet werden. Moderne archäologische Ausgrabungen stehen hier noch aus, die eine genaue Laufzeit der vermutlich frühslawischen Höhenburg des 9. Jahrhunderts bestätigen könnten. Der heutige Flurname "Schwedenschanze" geht wahrscheinlich auf eine Fehldeutung des 17./18. Jahrhunderts zurück, als man die Wallruinen als Befestigung des 30. jährigen Krieges interpretierte.

Erhaltungszustand: gut

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Werben

Nördlich von Werben liegen mitten auf dem Acker die Wallreste einer einstigen kleineren Slawenburg. Auch hier ist der Wall infolge jahrelanger Ackerbewirtschaftung stark verschliffen. Errichtet wurde die Wallburg im 9./.10. Jahrhundert vom Stamm der Lusizi.

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Werder/Havel (Vermutung)

Die bereits in der Bronzezeit besiedelte ca. 900 x 450 m große Insel wurde im 9./10. Jahrhundert erneut von Slawen besiedelt. Die Gegend der heutigen Fischerstraße im Südosten des Werders wird als historischer Standort der alten Fischersiedlung angenommen. Aufgrund der strategischen Lage im Havel-Nuthe-Gebiet, das für längere Zeit die Ostgrenze der askanischen Mark bildete, wird auf der Insel eine slawische Burg vermutet, die ab Mitte des 12. Jahrhunderts von den Askaniern übernommen wurde. Für den zeitweiligen Bestand einer askanischen Burg spricht auch, dass Werder noch Anfang des 14. Jahrhunderts im Besitz eines markgräflichen Hofbeamten, eines Ritters Sloteke war, der 1317 vom damaligen Markgrafen Waldemar zum Verkauf seiner Besitzungen an das Kloster Lehnin gedrängt wurde. Der Burgstandort wird im Süden der Insel vermutet, konnte archäologisch bisher jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Trotzdem wird im Bodendenkmal 31227 des Landkreises Potsdam-Mittelmark neben der Altstadt von Werder auch ein Burgwall des slawischen Mittelalters aufgeführt. Im Bereich des heutigen Mühlenberges im Südwesten der Insel konnten auch slawische Scherben entdeckt werden. Möglicherweise befand sich hier die vermutete befestigte Anlage, aber auch eine Niederungsburg ganz im Süden des Werders wäre denkbar.

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Wiesenau

Vermutete Lage zur Slawenzeit, nach R. Krüger 2019

 

"Grodisch"


Etwa 2,3 Kilometer südöstlich der Wiesenauer Dorfkirche (Amt: Brieskow-Finkenheerd) liegen die völlig abgetragenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das in der Oderniederung (Ziltendorfer Niederung) liegende Bodendenkmal trägt den Flurnamen "Grodisch" (Burgstätte). Die Wallruine war bis zu ihrer vollständigen Zerstörung im frühen 20. Jahrhundert (um 1930) noch 1,5 m hoch und besaß einen Außendurchmesser von 65 x 50 m. Im Jahre 1969 führte das Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam eine Notgrabung im Bereich des "Grodisch" durch. Die Grabungen ergaben überraschende Erkenntnisse, sodass die Untersuchungen bis 1972 auf den gesamten Burginnenraum und Teile der südlichen Vorburgsiedlung ausgeweitet wurden. Die Ausgrabungen kamen zu folgenden Erkenntnissen (Stand: 2019):

Die Slawen suchten sich im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts eine strategisch gut geschützte Stelle im Urstromtal der Oder für ihre Burgsiedlung aus. Es handelte sich um eine etwa 80 x 50 m große Kuppe, auf welcher eine erste offene Siedlung von etwa 1.200 m² Fläche angelegt wurde. Die flache, ovalförmige Geländekuppe ragte nach Norden halbinselartig in einen versumpften oder wasserführenden Mäander (flacher Nebenarm der Oder). Gleich nördlich der kleinen Siedlung lag eine weitere Geländeerhöhung im Mäander, die sich ideal für die Errichtung eines kleinen Ringwalls anbot. Um 890/92 wurde dort der erste Ringwall errichtet, der einen Außendurchmesser von 40 bis 50 m erreicht haben dürfte. Eine etwa 45 m lange Brücke verband die südliche Vorburgsiedlung mit dem nördlichen Ringwall. Nach Dendrodaten zu urteilen, wurde die erste Brücke bereits um/nach 870 angelegt. Man muss daher vermuten, dass die erste Brücke schon kurz vor dem Burgwall existierte. Vielleicht diente die kurze Brücke zum Heranschaffen des Baumaterials, das man zum Bau der Burg benötigte? Die Brücke war etwa 2 m breit und besaß keine seitlichen Stützpfähle. Daher kann man vermuten, dass der sumpf- oder wasserführende Mäander im Bereich zwischen Vorburgsiedlung und Burgwall nicht sehr tief gewesen sein kann. In dem Burgwall saß sicher ein Lokalhäuptling, der die nähere Umgebung politisch und militärisch überwachte. Infolge seiner geringen Macht besaß er auch nur eine kleinere Burg. Da die Befestigung gerade in den wärmeren Jahreszeiten eine sehr gute Schutzlage besaß, war man hier relativ gut gegen feindliche Angriffe geschützt. In harten Wintern aber konnte das Urstromtal der Oder schnell zufrieren. Aus diesem Grund wurde der Ringwall zusätzlich mit einem breiten und flachen Burggraben umgeben. Diesen konnte man auch im Winter freihalten, indem man das Eis mit Feldsteinen zerschlug. Um 931 (+/-10) wurde der Ringwall ein letztes Mal erneuert. Auch die Brückenverbindung wurde um/nach 928 ein letztes Mal ausgebessert. Interessanterweise fanden diese letzten Erneuerungen von Burgwall und Brücke um das Jahr 928/29 statt. In jenen Jahren begann der Ostfrankenherrscher Heinrich I. seine Ostexpansion gegen die Slawengebiete östlich der Elbe. Die finalen Erneuerungen der Wiesenauer Burg hatten sicherlich mit den bevorstehenden Kriegszügen durch das aufstrebende Ostfrankenreich zu tun. Da der Ringwall und die Brücke danach nicht mehr erneuert wurden, ist die Burgsiedlung wohl einem feindlichen Angriff zum Opfer gefallen. Interessanterweise blieb die offene Vorburgsiedlung bis in die spätslawische Zeit (11./12. Jahrhundert) in Nutzung.

Zu den archäologischen Funden zählten Stein- und Tonspinnwirtel, Tierknochen, Knochenpfrieme, eiserne Messer und ein Geweihkamm. Im Burggraben konnte man zudem hölzerne Stielpflugschare und ein Hakenpflugfragment bergen, die wohl von Bauern aus der Vorburgsiedlung stammen. Die keramischen Hinterlassenschaften gehören überwiegend zum "Typ Tornow" und in geringerer Zahl zum "Typ Menkendorf". Zahlreiche Teller, Lehmwannen und kleine napfartige Pokale stammen aus der Produktion von Handwerkern aus der Vorburgsiedlung.

Heute ist vom mittelslawischen Burgwall "Grodisch" und der bis in das 11./12. Jahrhundert genutzten Vorburgsiedlung leider nichts mehr erhalten geblieben. Vor Ort ist nur noch ein viereckiges Brachland zu erkennen, das mit Büschen und Wildwuchs bestanden ist.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

 

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Wiesenburg

Anstelle des heutigen Schlosses in Wiesenburg befand sich schon eine slawische Burganlage. Sie wurde stategisch günstig auf einer natürlichen Anhöhe errichtet. Wann die Slawen dort mit dem Bau begannen, ist nicht bekannt. Möglicherweise bestand sie bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts, als Albrecht der Bär endgültig die Slawen hier unterwarf. 1161 wurde für Wiesenburg ein deutscher Burgward erwähnt. Die Deutschen müssen also die strategische Bedeutung der alten Burgstelle erkannt haben und errichteten an gleicher Stelle neue kleine Burganlage.

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Wildberg
 

"Ringwall"

Etwa 450 m nordöstlich der Wildberger Kirche (Gemeinde: Temnitztal, Landkreis: Ostprignitz-Ruppin) liegen die noch gut erhaltenen Überreste einer im Ursprung früh- bis mittelslawischen Niederungsburg. Es handelt sich um einen ovalen Ringwall von bis zu 90 m Außendurchmesser, der heute mit Bäumen bestanden ist. Der erhöht liegende Innenraum erreicht noch einen Durchmesser von 70 x 50 m. Das am leicht erhöhten Ostufer der Temnitz liegende Bodendenkmal ist von einem schmalen Außengraben umgeben, der je nach Jahreszeit trocken oder mit Wasser gefüllt ist. Bis heute ist nicht ganz sicher, aus welcher Zeit dieser Ringwall im Ursprung stammt. Schon auf älteren Luftbildern ist zu erkennen, dass der Ringwall innerhalb einer viel größeren Burganlage lag, die durch die Landwirtschaft völlig eingeebnet wurde. Vermutlich lag hier im 9. Jahrhundert eine der größten frühslawischen Großburgen im heutigen Bundesland Brandenburg. Im modernen Laserscanbild ist noch deutlich ein bogenförmiger Graben zu erkennen, der eine Länge von mindestens 400 bis 500 m besaß. Wie lang dieser Außengraben tatsächlich war, kann man heute nur grob schätzen. Im Norden wurde das Areal durch eine Bahntrasse teilweise zerstört. In der bis zu 340 (N-S) x 260 m (W-O) großen Fläche lag ein innerer bogenförmiger Graben, der eine Länge von mindestens 200 m hatte. Meiner Meinung nach stellen die beiden Grabenbefestigungen die Überreste einer großen Feldberger Burg dar, die in Haupt- und Vorburg unterteilt war. Zur heutigen Temnitz war das gesamte Burgareal offen. Eine ganz ähnliche frühslawische Burganlage lag auf dem Werderberg bei Potzlow in Brandenburg (Landkreis: Uckermark). Die große Feldberger Burg von Wildberg hatte im Gegensatz zum Burgwall Potzlow "Werderberg" allerdings eine Niederungslage. Der heute noch erhaltene Ringwall von Wildberg scheint eine im Ursprung mittelslawische Befestigung zu sein, die man im alten Hauptburgareal der frühslawischen Großburg angelegt hat. Da der Ringwall nicht das gesamte Areal der älteren Hauptburg in Anspruch nahm, diente die Restfläche als Vorburgareal der mittelslawischen Nachfolgeburg. Den sehr langen Vorburgwall der frühslawischen Vorgängerburg hat man in der mittelslawischen Zeit aufgegeben und nicht mehr erneuert. Dessen Wallruine dürfte der mittelslawischen Burgsiedlung aber weiterhin einen sekundären Schutz gegeben haben. Die mittelslawische Kleinburg (heutiger Ringwall) entstand vermutlich noch im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts (nach 875) und wurde danach mehrmals ausgebaut. Seit dem Winter 928/929 eroberte der Ostfrankenherrscher Heinrich I. die slawischen Gebiete östlich der Elbe. Ob bei diesen Kriegszügen auch die Wildberger Burg direkt angegriffen und unterworfen wurde, kann man ohne die moderne Archäologie nicht mehr feststellen. Sicher ist jedoch, dass der verlassene mittelslawische Ringwall nach dem Jahr 1157 zu einer deutschen Burg umgebaut wurde. Der Burgwall wurde nach der Reaktivierung auf der Wallkrone sicher mit Steinmauern befestigt. Im Burginnenraum lag zudem ein aus Feldsteinen errichteter Burgturm, dessen Fundamente im Jahre 1898 entdeckt werden konnten. Im Jahre 1326 wurde die deutsche Burg erstmals als "Huse tho Wildberg" urkundlich erwähnt. Im Jahre 1525 wird die Burg als "verödet" bezeichnet und dürfte ihre Funktion als Herrschaftssitz endgültig verloren haben. Bis in das 18. Jahrhundert (1713-1800) sollen noch Mauerreste vorhanden gewesen sein, die "mannshoch" waren. Zu den Funden gehören früh- bis mittelslawische Keramikscherben, Hufeisen, Armbrustbolzen und eine eiserne Schere.

Erwähnenswert ist noch, dass der Schriftsteller "Theodor Fontane" den Burgwall von Wildberg im Sommer des Jahres 1864 besuchte. Zu seiner Zeit war vor Ort nur noch der Ringwall erhalten, den Fontane als "aufgeschütteten Erdhügel" beschrieb. Er fertigte während seiner Erkundung auch eine einfache Bleistiftskizze der Niederungsburg an. Wer den gut erhaltenen Ringwall von Wildberg heute besuchen will, sollte sich die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Das mit Laubbäumen bestandene Bodendenkmal ist nach außen noch bis zu 6 m hoch erhalten geblieben. Den Innenraum überragt der Ringwall noch um bis zu 2 m. Von der sehr großen frühslawischen Vorgängerburg des 9. Jahrhunderts ist leider nichts mehr zu erkennen. Deren Wall- und Grabenanlagen sind vermutlich schon in der mittelslawischen Zeit zugefüllt und später abgetragen worden. Bis heute wird das Areal östlich und südlich des Ringwalls landwirtschaftlich beackert.

Erhaltungszustand: Ringwall: gut; frühslawische Vorgängerburg: nicht erhalten

Panoramabild vom Burgwall


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2.

Eine zweite mögliche slawische Burg befindet sich mitten im Ort Wildberg. Sie liegt heute in der Nähe des Fussballplatzes am "Werdersteg". Die Burg stammt aus der jungslawischen Zeit des 11. bis 12. Jahrhunderts. Einige Wissenschaftler gehen hier auch nur vor einer normalen slawischen Siedlung aus, da Befestigungsspuren fehlen. Auffallend ist die nordöstliche Ausrichtung des Siedlungsplatzes. Häufig waren kultische Anlagen in diese Himmelsrichtung ausgerichtet.

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Wittstock-Dosse

Anstelle der heutigen "Bischofsburg" in Wittstock/Dosse lag bereits im 10. Jahrhundert eine slawische Burganlage. Möglicherweise kam diese im Jahr 929 durch die Eroberungszüge Heinrich I. in deutsche Hände. 946 wurde der Ort erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit war die alte Burg sicher schon eine Art deutscher Burgward. 983 eroberten die Slawen die Gegend zurück und vertrieben die Deutschen bis über die Elbe. Was in dieser Zeit mit der Wittstocker Burg passierte wissen wir nicht. Spätestens um 1150 dürfte die Anlage wieder in deutschem Besitz gewesen sein. Auf den Resten des Burgwalles wurde ab 1244 eine deutsche Steinburg errichtet, auf der ab 1271 die Bischöfe von Havelberg lebten. Im 30 jährigen Krieg wurde die Burg schwer zerstört. Direkt vor der Stadt kam es am 4. Oktober 1636 zur "Schlacht bei Wittstock", die die kaiserlichen Truppen gegen die Schweden verloren.

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Wollschow

Etwa 2,5 Kilometer östlich von Wollschow befinden sich die sehr gut erhaltenen Überreste einer kleinen slawischen Niederungsburg am „Randowtal“. Das heute mit Bäumen bestandene Bodendenkmal wird auch als „Wollschower Burgwall“ bezeichnet. Es handelte sich um eine typische Kleinburg der mittelslawischen Zeit, in der ein lokaler Häuptling einer kleinen slawischen Siedlungskammer residierte. Der Burgwall erreicht heute noch eine Ausdehnung von gut 70 m, hat allerdings keinen kreisrunden Grundriss. Die erhaltene Burgform ist eher hufeisenförmig und stellt ein geschlossenes U dar. Eine Wallsenke ist noch im Südwesten erkennbar und deutet auf das ehemalige Burgtor hin. Im Vorfeld der Burganlage muss es eine leicht befestigte Vorburgsiedlung gegeben haben, in der vor allem Handwerker und Bedienstete ihre Wohn- und Arbeitsstätten hatten. Am Burgwall befindet sich eine alte Informationstafel von der zu entnehmen ist, dass der Wall vor Jahren zugänglich gemacht wurde. Er wurde damals von der üppigen Vegetation befreit, die sich heute aber wieder ausgebreitet hat. Ein einfacher Feldweg führt heute von Wollschow aus zu dem noch sehr sehenswerten Bodendenkmal.

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Wulfersdorf

Bei Wulfersdorf, in der Nähe von Schwenow, befand sich am Nordende des "Großen Kossenblatter Sees" eine slawische Niederungsburg. Heute kann man von ihr leider kaum noch was erkennen, da der See für die Fischzucht angestaut wurde, und so weite Teile der Burganlage überflutet wurden. In sehr trockenen Jahren ist der Wasserstand des Sees aber niedriger, sodass ein Teil der Anlage sichtbar wird und wie eine kleine Halbinsel in den See ragt. Um 1923 beschrieb sie ein Heimatforscher als fast abgetragen und kaum noch erkennbar auf einer Wiese liegend. Nach seinen Informationen soll der Wall sehr viel früher noch 3 m hoch und mit Bäumen bestanden gewesen sein. Im Volksmund hiess die Anlage "Borchelberg" oder auch "Lüttchenberg".

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Wulkow-Schönberg

Eine slawische Niederungsburg mit deutschem Nachfolger befand sich nahe des Ortes Wulkow an dem Fluss Dosse. 1967 wurden die Burgreste durch die Dossebegradigung weitgehend eingeebnet. Heute sind noch zwei flache rundliche Hügel von ca. 50 m Durchmesser erhalten, die von einem umlaufenden Wall umgeben waren. Die gefundenen Scherben der Slawenzeit stammen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. Bei Begehungen wurden aber auch frühdeutsche Keramikstücke, Mauerreste, sowie urgeschichtliche Funde beobachtet.

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Wusterhausen

1. "Großer Burgwall"

In Wusterhausen konnte man schon sehr alte Besiedlungspuren aus der Steinzeit nachweisen. Konkreter wurde die Besiedlung allerdings in der Slawenzeit. Die zwei Flurnamen "Kleiner Burgwall" und "Großer Burgwall" deuten es an. Spätestens 1157 wurde die größere Slawenburg des Stammes der Dossanen von Deutschen eingenommen und eingeebnet. Daher erinnert heute nur noch die Straße "Burgwall" an die einstigen Wehranlagen. Im Zuge der Altstadtsanierung im Jahre 2006 stieß man im Bereich der Pfarrkirche St. Peter und Paul auf ein ausgedehntes Gräberfeld der jüngeren Slawenzeit. Insgesamt wurden 103 Gräber dokumentiert. Bei den Toten handelte es sich um Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie lagen im Schnitt einen Meter tief unter der heutigen Oberfläche. Die meisten Toten wurden in hölzernen Särgen oder Baumsärgen beerdigt. Zwei Männergräber waren größer dimensioniert und hatten jeweils ihr Schwert und weitere Gegendstände als Beigaben bekommen. Zwei weitere Gräber enthielten jeweils eine Münze als Beigabe, die zwischen den Zähnen und der Oberlippe platziert wurden. Weitere Gräber enthielten Hohlschläfenringe und Messerbeigaben.

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2. "Kleiner Burgwall"

Der kleinere Burgwall befand sich ganz in der Nähe des größeren Burgwalles. Auch er lag an der Dosse und besaß eine Vorburgsiedlung. Ob es sich allerdings um einen eigenständigen Wall handelte, oder er ein Teil des "großen Burgwalls" war, muss vorerst offen bleiben.

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Wustermark

Laut Denkmalliste des Havellandkreises beinhaltet das den alten Dorfkern von Wustermark umfassende Bodendenkmal 50566 neben einer slawischen Siedlung u.a. auch einen slawischen Burgwall. Besagter Burgwall lag/liegt östlich der Dorfkirche, direkt am Rand zur Niederung, durch die heute der Havelkanal führt. Um 1890 soll der Wall in Wustermark, in dessen Kern das einstige Gut Wustermark - als Nachfolger einer frühdeutschen Burg - hineingebaut worden ist, stellenweise noch mehrere Meter hoch gewesen sein. Um 1900 wurde die Anlage eingeebnet. Heute weisen nur noch schwache Spuren auf dessen einstige Ausdehnung hin. Durch Funde mittelslawischer Keramik ist eine Zuordnung ins 9./10. Jahrhundert möglich. Die Existenz einer frühdeutschen Burg ist überliefert. Da 1273 die Markgrafen in Wustermark Urkunden ausstellten, ist eine damals noch bestehende Burg oder burgähnliche Anlage zu vermuten. Wegen der Lage nahe der alten Handels- und Heerstraße von Brandenburg nach Spandau kam der Burg sicherlich eine gewisse strategische Bedeutung zu. Eine urkundliche Erwähnung der “Burgk” im Jahr 1434 bezieht sich möglicherweise aber nur noch auf eine Flur diesen Namens (eine funktionsfähige Burg muss zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bestanden haben).

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Zahsow



Im Ort Zahsow befindet sich der Rest eines alten slawischen Burgwalls. Er wird im Volksmund auch "Schwedenschanze" genannt.  Mit den Schweden hat der Burgrest allerdings nichts zu tun. Er stammt aus dem 8. bis 9. Jahrhundert und gehört somit in die altslawische Zeit. Viel ist von ihm allerdings nicht übrig geblieben. In den vergangenen Jahrhunderten wurde er immer wieder zur Erdentnahme genutzt, um die feuchten Wiesen in der Umgebung künstlich zu erhöhen. Im Ort führt heute die Straße "An der Schanze" am Bodendenkmal vorbei.

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Zeckerin

Nördlich von Zeckerin liegen mitten auf dem Acker die Reste eines kleinen slawischen Burgwalls. Er ist durch die Landwirtschaft stark verschliffen. Er datiert in das späte 9. bis 10. Jahrhundert und wurde vom Volksstamm der Lusizi errichtet. Es handelte sich um eine ca. 50 m runde Burg, deren reine Innenfläche um die 30 m betrug. Die Reste des Bodendenkmals wurden nach 1902 stark abgetragen um das umliegende Feld besser nutzbar zu machen. Die Dorfbewohner nennen die Burgstelle auch "Töpferberg".

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Zehdenick

 

Anstelle des heutigen Havelschlosses in Zehdenick befand sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schon in der Slawenzeit eine Wallanlage. Sie wurde auf einer heutigen Halbinsel angelegt, die in die Havel hineinragte. Damals lag die Burgwallanlage  noch auf einer Insel. Somit konnte man von hier aus genau beobachten, was sich damals auf dem Fluss tat. Sehr wahrscheinlich befanden sich in Nähe der Burg auch wichtige Handelsstraßen, die über dem Fluss führten. In der Slawenzeit war die Havel eine natürliche Grenze zwischen den Stämmen der Sprewanen und Heveller.

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Zieckau

Etwa 600 m westlich vom Gutshof in Zieckau befinden sich die Überreste einer kleinen slawischen Wallanlage vom „Typ Tornow“. Der erhaltene Durchmesser beträgt etwa 44 m und die Höhe noch 3 m. Es handelte sich um eine typische Niederungsburg der „Lusizi“. Das Bodendenkmal wird heute als "Borchelt" bezeichnet. 1994 wurden im Rahmen eines Projektes zur zeitlichen Einordnung der slawischen Ringwälle der Lausitz zwei Sondageschnitte angelegt. Dabei zeigte sich, dass der Burgwall vierphasig war. Er wurde vor 880 errichtet und in den folgenden Jahrzehnten noch dreimal ausgebaut. Der Wall bestand aus den typischen hölzernen Rostsektionen, wie wir sie vom Burgwall Raddusch kennen. Bei den Ausbauten des Burgwalls wurden vor den alten Außenwall neue Rostsektionen gesetzt. Um den Burgwall lag in jeder Burgphase ein flacher Sohlgaben, der bei den Erneuerungen der Burg immer wieder nach außen verbreitert wurde. Der letzte Ausbau des Burgwalls erfolgte zwischen 911 und 924. Wie lange die Burg danach noch bestanden hat, ist unbekannt. Das Jahr 950 hat sie sicher nicht mehr erlebt. Die Ausgräber erkannten, dass die letzte Burg in einer großen Feuerkatastrophe unterging und danach aufgegeben wurde


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Ziesar

Die Burg Ziesar wurde erstmals in der Stiftungsurkunde des Bistums Brandenburg (948 oder 965) als civitas „Ezeri“ erwähnt und dem Bischof von Brandenburg als Grundbesitz übertragen. Der slawische Name Zi-e-sar, der frei übersetzt „Ort hinter dem See“ bedeutet, spielt auf die natürlichen Gegebenheiten an: Die Burg lag auf einem Höhenrücken zwischen Seen und dem Feuchtgebiet des Fiener Bruchs und deckte die wichtige Verbindung zwischen den wichtigen Städten Magdeburg und Brandenburg. Der Sage nach eine „Burg mit sieben Türmen und ebenso vielen Brücken, Mauern und Gräben“. Die Wehranlage, deren älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen, geht aber auf eine slawische Befestigung zurück.

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Zöllmersdorf



1,5 Kilometer nördlich von Zöllmersdorf liegen die Wallreste einer kleinen Slawenburg. Es handelte sich um eine Niederungsburg von 57 mal 44 m Durchmesser. Sie wird heute als "Borchelt" bezeichnet.

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Zützen (Vermutung)


 

Etwa 1,6 Kilometer nördlich von Zützen (Landkreis: Dahme-Spreewald) liegen die verschliffenen Überreste eines großen Burgwalls. Durch die bis heute andauernde landwirtschaftliche Beackerung ist das Bodendenkmal schon stark breitgepflügt worden. Vor Ort ist daher nur noch ein leicht erhöhtes Areal von etwa 180 m Durchmesser erhalten geblieben. Deutlich erkennbar ist der einst ovalförmige Ringwall aber auf Luftbildern und besonders im modernen Laserscanbild. Nach Funden zu urteilen, handelte es sich im Ursprung um eine bronzezeitliche Befestigung, die von ihren Erbauern am Ende eines natürlichen Geländespornes angelegt wurde. Da vom Bodendenkmal auch wenige slawische Scherben beobachtet wurden ist zu vermuten, dass der verlassene Ort von ihnen später als Siedlung reaktiviert wurde. Eine so große slawenzeitliche Burg kann hier meines Erachtens nicht gelegen haben, denn die ersten slawischen Burgen waren eher kleine Ringwälle aus der Zeit des späten 9. bis 10. Jahrhunderts. Derartige mittelslawische Kleinburgen von 50 bis 60 m Durchmesser lagen im nahen Golssen, Altgolssen und bei Kasel-Golzig.

Im Jahre 1844 beschrieb der Forscher C. R. Schumann das Bodendenkmal folgendermaßen:

„Im Goersdorfer Bruch bei Zützen befindet sich eine Anhöhe, ebenfalls Horst genannt, welche circa 2000 Schritt im Umfang hat, rund und gänzlich vom Sumpf umgeben ist, auch, wie ersichtlich, durch Menschenhände entstanden ist. Der Boden auf derselben sieht wie Asche aus, ist mit kleinen Kohlen vermischt und enthält viele Knochen von Thieren, besonders von Hirschen, welche von solcher Größe sind, daß Jäger schon Kronen von mehreren Zollen im Durchmesser dort gefunden haben. Auch sind dort Urnen und Instrumente gefunden, jedoch nicht beachtet und zerstört worden. Ebenfalls befinden sich sehr alte Eichen darauf, welche rund herum gestanden.“

Erhaltungszustand: nicht erhalten


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