Slawische Burganlagen auf der Insel Rügen (24)


Bergen, Bobbin, Garz, Gobbin, Götemitz, Kap Arkona, Ketelshagen, Kniepow, Lauterbach, Prora, Puddemin, Putbus, Ralow, Ralswiek, Sagard, Sassnitz, Schaprode, Sellin, Stubbenkammer, Venz, Vilmnitz, Wiek, Zudar


Bergen

 

Burgwall "Rugard"

Etwa 900 m nordöstlich der St.-Marien-Kirche von Bergen (Gemeinde: Bergen auf Rügen, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die Überreste einer slawischen Höhenburg. Das bewaldete Bodendenkmal (Fundplatz: Bergen 1) wird heute auch als Burgwall "Rugard" bezeichnet und liegt am höchsten Punkt der Insel Rügen. Es handelt sich um eine zweigliedrige Höhenburg auf dem Gipfel des "Rugards", die ein Areal von gut 2 ha einnimmt. Die bis zu 190 x 155 m große Anlage hat einen spitzovalen Grundriss und besteht aus einer plateauartigen, leicht viereckigen Hauptburg und einer etwas tiefer liegenden Vorburg. Die zweigliedrige Burg wird von einem Außenwall umschlossen, der noch 5 bis 10 m hoch erhalten geblieben ist. Der Burgwall war an der gesamten Außenseite von einem breiten und trockenen Graben umgeben. Die Erde des Burggrabens hat man vermutlich in die aus Eichenholz errichteten Wallkonstruktion verfüllt. Die slawenzeitlichen Zugangstore lagen im Nordosten und Westen des Vorburgwalles. Der Name "Rugard" ist eindeutig slawischen Ursprungs und kann mit "Rujanenburg = Rügenburg" übersetzt werden. Die Burg war bis zum Jahre 1325 der bevorzugte Herrschaftssitz der ranischen Fürstenelite. Wann die erste Burganlage auf dem "Rugard" angelegt wurde, ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Mehrgliedrige slawische Höhenburgen waren auf dem Festland von Mecklenburg-Vorpommerns eher eine frühslawische Erscheinung des späten 8. bis 9. Jahrhunderts. Ob die erste Burg auf dem "Rugard" bereits auf die frühslawische Epoche der "Feldbergzeit" zurückgeht, muss die moderne Archäologie klären. Während der dänischen Eroberung Rügens im Sommer 1168 residierte der heidnische Rügenfürst "Jaromar I." im Burgwall "Rugard". Nach der Kapitulation nahm er das Christentum an und gründete im Jahre 1180 anstelle der heutigen St.-Marien-Kirche eine erste christliche Kirche. Um 1218 verstarb Jaromar I. und wurde vermutlich im Bereich seiner gegründeten Kirche beigesetzt. Noch heute befindet sich in der Westfassade der St.-Marien-Kirche der sogenannte "Jaromarstein". Es handelt sich um einen 1,2 m hohen und 0,4 m breiten Bildstein, der eine Art betenden Mönch mit slawischer Kopfbedeckung zeigt. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um den Grabstein von Jaromir I. handelt. Als Erinnerung an den letzten heidnischen Rügenfürsten hat man diesen Bildstein vermutlich in die christliche Kirche eingemauert. Der letzte christliche Rügenfürst der im Burgwall "Rugard" residierte, war Wizlaw III., der im Jahre 1325 kinderlos verstarb. Kurz nach seinem Tod hat man die Höhenburg vermutlich endgültig aufgegeben. Bis zum Jahre 1830 war der "Rugard" noch völlig unbewaldet und wurde erst danach parkartig aufgeforstet. Die Burgfläche wurde in früheren Zeiten auch landwirtschaftlich beackert. Seit dem 18./19. Jahrhundert entwickelten sich die Überreste des Höhenburgwalls zu einem beliebten Ausflugsort der einheimischen Bevölkerung. Das Vorburgareal wurde in jener Zeit sogar als "Tiergehege" genutzt. Zum 100. Geburtstag des auf Rügen geborenden Schriftstellers und Historikers "Ernst-Moritz-Arndt" entschloss man sich im Jahre 1869, auf dem Hauptburgareal einen Aussichtsturm zu seinem Andenken zu errichten. Im Jahre 1877 konnte der Aussichtsturm nach mehreren Spendenkampagnen schließlich fertiggestellt werden. Während des zweiten Weltkrieges (1944) diente der Aussichtsturm als Flakstellung. Zu DDR-Zeiten (1970) wurde auf dem Hauptburgareal eine neue Gaststätte errichtet. Damit diese besser erreichbar war, hat man erst in dieser Zeit einen modernen Zugangsweg im Südwesten des Burgwalls angelegt. Die Gaststätte im Burgwall "Rugard" ist bis heute in Betrieb (Stand: 2019) und besonders im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Der "Ernst-Moritz-Arndt-Turm" kann bis heute als Aussichtsturm bestiegen werden. Allerdings hat die Bewaldung auf dem "Rugard" eine Höhe erreicht, sodass vom Turm aus nur noch ein begrenzter Blick auf die Insel gegeben ist. Die Wallanlagen der Höhenburg sind aber besonders in den kälteren Jahreszeiten einen Besuch wert.


Erhaltungszustand: sehr gut

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Bobbin (Vermutung)

  

An der Straße von Marlow nach Bobbin befindet sich kurz vor dem Ort Bobbin auf der rechten Seite ein gebührenfreier Parkplatz. Schon von hier aus kann man den großen "Wallberg" erkennen, von dem aus sich eine hervorragene Aussicht auf die Umgebung bietet. Wie der Name des Berges schon sagt, befand sich hier möglicherweise in der slawischen Zeit eine Burganlage. Eindeutige Wallzüge sind hier aber nicht zu erkennen.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Garz

 

Etwa 600 m westlich der Sankt-Petri-Kirche (Landstadt: Garz, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die Überreste einer großen slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Garz 1) stellt einen ovalförmigen Ringwall dar, der einen Außendurchmesser von bis zu 230 x 180 m erreicht. Der Burgwall nimmt eine heutige Fläche von bis zu 3,4 ha ein. Der wallgeschützte und höher liegende Innenraum ist sehr uneben und etwa 2 ha groß. Der Wall überragt das umliegende Gelände an der Nord-, Ost- und Südseite um 10 bis 15 m! Zur Westseite war der Burgwall nicht ganz so stark ausgebaut und ist dort noch etwa 5 m hoch. Wie man im modernen Laserscanbild erkennen kann, errichteten die slawischen Erbauer den Burgwall am leicht erhöhten Ostrand einer natürlichen Geländerinne, die zur Slawenzeit einen langgestreckten See von bis zu 3 Kilometer Länge dargestellt haben könnte. Von diesem slawenzeitlichen Gewässer ist heute nur noch der "Garzer See" übrig geblieben, der gleich südlich des Burgwalls liegt. Der "Garzer See" ist heute etwa einen Kilometer lang und noch 1,0 bis 2,5 m tief. Zu ersten archäologischen Ausgrabungen kam es in den Jahren 1868 und 1928. Dabei wurde erstmals festgestellt, dass es sich im Endstadium um eine spätslawische Burganlage des 11. bis 12. Jahrhunderts handeln muss. Die Garzer Burg wurde damals voreilig mit der bei Saxo Grammaticus erwähnten Burg "Charenza" gleichgesetzt, die im Sommer 1168 nach der gewaltsamen Eroberung der Burg am Kap Arkona von den Dänen ohne Gegenwehr eingenommen werden konnte. In den Jahren 2004 und 2005 kam es zu modernen archäologischen Forschungen am Burgwall Venz (Gemeinde: Trent, Insel Rügen), die zum Ergebniss kamen, dass der Garzer Burgwall nicht identisch mit der Burg "Charenza" sein kann. Für das Jahr 1165 ist ein Kriegszug der Dänen gegen die Rügenslawen belegt, bei dem es zu einem Scharmützel vor einer als "borgar Gardz" bezeichneten Burg kam. Diese Burg ist sicher identisch mit dem Burgwall von Garz gewesen. Die Dänen konnten den Burgwall nicht einnehmen und zogen sich wieder zurück. Der Ortsname Garz leitet sich eindeutig vom slawischen Wort "Gard" ab, was soviel wie "Burg" bedeutet. Im Zuge der endgültigen Unterwerfung der Rügenslawen durch die Dänen im Sommer 1168 dürfte auch der Garzer Burgwall vorerst aufgegeben worden sein. Um 1300 soll der unter dänischer Hoheit stehende Rügenfürst Wizlaw III. den alten Garzer Wall reaktiviert haben. Er ließ im Burgareal sogar eine christliche Kapelle errichten. Als der kinderlose Rügenfürst im Jahr 1325 verstarb, wurde der Garzer Burgwall endgültig aufgegeben. Das Bodendenkmal war bis in das 19. Jahrhundert völlig unbewaldet und wurde kurz danach parkartig aufgeforstet. Auf dem Ostwall wurde nach dem 1. Weltkrieg ein Gefallenendenkmal errichtet, das bis heute erhalten geblieben ist. Seit dem Jahr 2010 hat man damit begonnen, den bis dahin stark verwucherten Burgwall besser zugänglich zu machen. Wer den noch sehr sehenswerten Burgwall heute besuchen will, sollte sich wie immer nur die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Die Wallkrone ist gut begehbar und etwa 600 m lang (Wallumfang).

Erhaltungszustand: sehr gut

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Gobbin

Etwa 1,2 Kilometer leicht südöstlich von Gobbin (Gemeinde: Lancken-Granitz, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die Überreste einer slawischen Höhenburg. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Gobbin 1) liegt am Ende eines ansteigenden Geländespornes, der halbinselartig in die "Having" (Naturschutzgebiet Mönchgut) ragt. Vor Ort ist noch ein etwa 130 m langer, leicht bogenförmiger Abschnittswall von bis zu einem Meter Höhe erhalten geblieben, der ein natürliches Plateau nach Westen hin abriegelte. Die "Höhenburg" nimmt eine Gesamtfläche von etwa 6.600 m² ein und hat einen maximalen Durchmesser von 120 x 80 m. Der etwa 4.400 m² große Innenraum ist sehr uneben und fällt nach Norden hin um 10 bis 15 m ab. Der heute bewaldete Geländesporn erreicht am Ostende eine Höhe von bis zu 30 m! Der Burgwall von Gobbin wurde bereits im Burgwallregister von Kunkel (1932) als wendische Höhenburg aufgeführt. Vom Burgareal stammen bisher nur keramische Oberflächenfunde, die dem "Vipperower und Teterower Typ" zugeordnet werden konnten. Der Burgwall stammt demnach aus der spätslawischen Zeit des 11./12. Jahrhunderts. Die Höhenburg hatte eine ganz ähnliche Lagesituation wie der etwa zeitgleiche Burgwall am Kap Arkona (Jaromarsburg). Allerdings war der Burgwall am Kap Arkona bedeutend größer. Beide Burgen verbindet leider das gleiche Schicksal. Infolge von Naturereignissen (Sturmfluten) sind bereits weite Teile der Höhenburgen zur Ostsee hin abgebrochen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis von den einst gewaltigen Befestigungsanlagen von Gobbin und am Kap Arkona nichts mehr erhalten geblieben ist.

Erhaltungszustand: mittel

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Götemitz (Vermutung)

Am sogenannten Karowsee bei Götemitz lag auf einer Art Halbinsel möglicherweise eine slawische Burganlage. Sie soll zu einer früheren Wüstung namens "Carow" gehört haben. Der Name des Sees leitet sich von der alten Slawensiedlung ab.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage                   

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Kap Arkona

   

Am Kap Arkona, ganz im Norden Rügens, befinden sich die Überreste der sogenannten "Jaromarsburg". Es handelt sich dabei um eine Burganlage, die bereits im 9. Jahrhundert angelegt wurde und bis in das Jahr 1168 bestand. Man vermutet, dass die Burg am Kap Arkona nach der Zerstörung der Rethra-Burg am Tollensesee bei Neubrandenburg, die Aufgabe der einstigen Kultstätte übernahm. Die Jaromarsburg war damit eine überregionale Kultburg des 11. und 12. Jahrhunderts. Bei der Eroberung im Sommer 1168 war ein dänischer Geschichtsschreiber vor Ort, der über die Belagerung und über den vor Ort betriebenen Kult folgendes berichtete:

"Die Mitte der Feste nahm eine ebene Fläche ein und in dieser erblickte man das Heiligtum; dieses war zwar nur aus Holz erbaut, aber der Ausführung nach sehr kunstvoll und nicht nur wegen der Pracht des Götzenkultes, sondern auch wegen der Majestät des in ihm aufgestellten Götzenbildes ehrwürdig. Das Äußere des Gebäudes glänzte durch sorgfälltige Darstellungen in erhabener Arbeit; es enthielt mannigfache Gestalten von Gegenständen in roher und ungeschickter Malerei. Wenn man eintreten wollte, stand nur ein einziger Zugang offen. Das eigentliche Heiligtum umschloß eine doppelte Halle; die äußere Halle, durch Wände gebildet, wurde durch einen purpurfarbenen First bedeckt, die innere Halle aber ruhte auf vier Pfosten und hatte anstatt der Wände lang herabhängende glänzende Vorhänge; sie hatte mit der äußeren Halle nichts gemein außer dem Dach und der unbedeutenden Deckentäfelung. In dem Gebäude befand sich das kolossale Götzenbild. An Größe übertraf es jegliche Gestalt eines Menschenleibes; so stand es mit seinen vier Köpfen und ebenso vielen Hälsen zum Anstaunen da, von den Gesichtern schienen zwei nach der Brust und ebenso viele nach dem Rücken gerichtet zu sein, aber von den vorwärts wie rückwärts gerichteten Gesichtern schien immer das eine nach rechts hin und das andere nach links hin zu blicken. Der Götze war mit geschorenem Bart und mit geschnittenem Haar dargestellt; man hätte meinen können, der Künstler habe sorgfältig die rügensche Art in der Pflege des Haupthaares darstellen wollen. In der Rechten trug die Bildsäule ein Horn, das aus verschiedenartigem Metall hergestellt war. Dieses pflegte der mit  den heiligen Bräuchen vertraute Priester jährlich mit Met zu füllen, um aus dem Verhalten der Flüssigkeit die Erträge des nächsten Jahres zu erkennen. Der linke Arm bildete, in die Seite gestemmt, eine Rundung. Die Gewandung fiel bis auf die Schienbeine herab. Die Schienbeine waren aus einer anderen Holzart geschaffen und an die Kniee so kunstvoll angefügt, dass man die Ansatzstelle nur bei genauerer Betrachtung ausfindig machen konnte. Die Füße sah man den Erdboden berühren, doch war ihr Stüptzpunkt auf dem Boden verborgen. In der Nähe sah man den Zaun und den Sattel des Götzen und noch andere Abzeichen seiner Göttlichkeit. Die Verwunderung über diese Dinge vermehrte noch ein Schwert von ansehnlicher Größe; Schneide und Griff waren nicht nur von kunstvoll getriebener Arbeit, sondern zeigten auch äußerlich den schönen Glanz des Silbers. Der feierliche Kult für den Götzen wurde in folgender Ordnung veranstaltet. Einmal im Jahre, nach der Ernte, feierte die buntgemischte Volksmenge von der ganzen Insel vor dem Götzentempel nach Darbringung der Opfertiere ein feierliches Mahl als Gottesverehrung. Der Götzenpriester, der abweichend von dem sonstigen Brauche mit langwachsendem Haar und Bart anzuschauen war, pflegte an dem Tage vor der Feier das Heiligtum, das er allein betreten durfte, unter Benutzung eines Besens aufs sorgfältigste zu reinigen, wobei er darauf achtete, dass er innerhalb des Gebäudes nicht atmete; vielmehr eilte er, so oft er Luft einziehen oder den Atem ausstoßen musste, jedesmal zur Pforte, damit nicht die im Heiligtum offenbar gegenwärtige Gottheit durch die Berührung mit dem menschlichen Hauche verunreinigt würde. Am folgenden Tage entnahm er dann, während die Volksmenge vor dem Eingang lagerte, dem Götzenbild das Trinkhorn und prüfte voller Mißbegierde, ob etwas von dem Maß der hineingegossenen Flüssigkeit verringert wäre; das deutete dann nach seiner Meinung auf Mangel im folgendem Jahre hin, und er ermahnte daher die Leute, die vorhandenen Früchte für die Zukunft aufzusparen; erblickte er keine Verringerung der gewohnten Flüssigkeit, so prophezeite er daraus Zeiten künftiger Fruchtbarkeit der Felder. Dieser Vorbedeutung gemäß ermahnte er bald zu sparsamerem , bald zu ausgibigerem Gebrauch der Vorräte. Dann wurde der alte Met zu Füßen des Götzen als Opferspende ausgegossen und das leere Horn mit neuem Met gefüllt. Hierauf stellte sich der Priester, als ob er dem Götzen zutrinke, bezeigte dem Götzenbild seine Ehrerbietung und erbat mit feierlichen Worten für sich und das Vaterland alles Gute und für seine Landsleute Zunahme an Reichtum und Siegen. War das Gebet zu Ende, so setzte er das Horn an den Mund und leerte es in schnellem, gewaltigem Zuge. Das abermals mit Met gefüllte Horn gab er dem Götzen wieder in die Rechte. Es wurde auch ein aus Weinmet hergestellter Opferkuchen dargebracht; er war von runder Form und von solcher Größe, dasser fast der Gestalt eines Menschen gleichkam. Diesen stellte der Priester zwischen sich und das Volk und pflegte die Leute alsdann zu fragen, ob sie ihn sehen könnten. Bejahten sie seine Frage, so sprach er den Wunsch aus, dass er im nächsten Jahre nicht von ihnen gesehen werden möchte; durch diese Art des Gebetes heischte er nicht seinen eigenen oder des Volkes Tod, sondern zukünftigen Erntesegen. Dann begrüßte er im Namen des Götzen die anwesende Volksmenge in angemessener Weise und ermahnte sie, auch ferner bei der Verehrung dieser Gottheit in emsigem Kultdienste fortzufahren, und stellte als sichere Belohnung des Kultes Sieg zu Wasser und zu Lande in Aussicht. Hierauf verbrachten sie den Rest des Tages mit einem schwelgerischen Gelage, indem sie das Opfermahl in ein Speise- und Trinkgelage umwandelten und die der Gottheit geweihten Opfertiere ihrer eigenen Unmäßigkeit dienstbar machten. Bei diesem Gelage galt es für einen Frevel, nüchtern zu bleiben; das Gegenteil galt als Zeichen von Frömmigkeit. Von jedem einzelnen Manne oder Weibe wurde jährlich zur Verehrung dieses Götzenbildes eine Geldmünze als Geschenk entrichtet. Auch wurde ihm von der heimgebrachten Beute ein Drittel überwiesen, wie wenn sie unter seinem Schutz gewonnen und behauptet wäre. Diese Gottheit hatte ferner dreihundert auserlesene Rosse und ebenso viele Diener, die auf diesen Rossen Kriegsdienste taten. Die ganze Beute dieser Leute, mochte sie durch einen Kriegszug oder durch einen Raubzug erworben sein, wurde der Bewachung des Götzenpriesters unterstellt. Dieser beschaffte aus den verschiedenartigen Beutestücken Abzeichen und mannigfache Schmuckstücke der Tempel und vertraute diese verschlossenen Kisten an, in denen außer einer Unmenge baren Geldes viel vom Alter vermodertes Purpurtuch angehäuft war. Hier erblickte man auch eine ungeheure Menge von staatlichen und privaten Geschenken, zusammengetragen durch die eifrigen Gelübde derer, die Wohltaten von dem Götzen erheischten. Dieses Götzenbild also, das durch die Abgaben des ganzen Slawenlandes verehrt wurde, bedachten auch benachbarte Könige, nicht ohne sich des Religionsfrevels schuldig zu machen, mit Geschenken; unter anderen hat auch der Dänenkönig Sweno den Götzen, um ihn sich geneigt zu machen, mit einem Becher von ausgesuchter Arbeit verehrt, indem er den Eifer für eine fremdländische Religion demjenigen für die einheimische vorzog; diesen Religionsfrevel hat er später durch seinen unglücklichen Tod gebüßt. Diese Gottheit hatte auch noch andere Heiligtümer an mehreren Orten; diese wurden durch Priester von annähernd gleicher Würde, aber geringerer Machtvollkommenheit geleitet. Außerdem besaß der Götze zu seinem eigenen Sonderbrauche ein Roß von weißer Farbe, aus dessen Mähne oder Schwanz Haare zu zupfen für frevelhaft galt. Dem Götzenpriester allein stand das Recht zu, dieses Roß zu füttern und zu besteigen, damit nicht das göttliche Tier durch häufige Benutzung entwertet würde. Nach der Meinung der Rügianer ritt Swantevit - so hieß der Götze - auf diesem Rosse zu Felde gegen die Feinde seines Heiligtums. Als augenscheinlicher Beweis hierfür galt der Umstand, dass das Roß, das zur Nachtzeit im Stalle stand, so sehr häufig frühmorgens mit Schweiß und Schmutz bedeckt erschien, wie wenn es weite Wegstrecken durcheilt hätte. Auch Orakelsprüche wurden durch ebendasselbe Roß in folgender Weise gewonnen. Wenn man einen Kriegszug gegen irgendein Gebiet beschlossen hatte, pflegten die Tempeldiener vor dem Heiligtum eine dreifache Gruppe von Lanzen aufzustellen; in jeder Gruppe waren je zwei Lanzen in schräger Lage miteinander verbunden, indem die Spitzen in die Erde gesteckt waren; die Gruppen waren in gleichem Abstande voneinander entfernt. Zur Zeit des zu unternehmenden Kriegszuges wurde das Roß nach feierlichem Gebet von dem Götzenpriester am Zügel aus dem Stalle zu den Lanzengruppen geführt, und wenn es diese zuerst mit dem rechten Fuß überschritt, so wurde das als günstiges Vorzeichen für die Kriegsführung angesehen; wenn es aber den linken Fuß auch nur einmal vor dem rechten gebraucht hatte, so wurde das Vorhaben, das fremde Gebiet anzugreifen, abgeändert. Und nicht eher wurde eine bestimmte Seefahrt beschlossen, als bis man an den Spuren gesehen hatte, dass das Roß mit dem glückverheißenden Fuß dreimal hintereinander angetreten war. Auch die Unternehmer mannigfacher Geschäfte nahmen gerne Vorbedeutung für ihre Wünsche aus dem Antreten des Pferdes: wenn dies glückverheißend gewesen war, machten sie sich freudig auf den Weg; war es unglücklich ausgefallen, so kehrten sie um und suchten ihr Heim wieder auf. Auch das Losen war ihnen nicht unbekannt. Sie warfen drei Holzstäbchen, die auf der einen Seite weiß und auf der anderen Seite schwarz waren, als Lose in den Schoß und sahen in den weißen Glück und in den dunklen Unglück. Selsbt die Frauen waren nicht unerfahren in dieser Art des Prophezeiens: neben dem Herde sitzend, zeichneten sie, ohne nachzuzählen, beliebig viele Striche in die Herdasche; ergaben diese nachher beim Nachzählen eine gerade Zahl, so galten sie als glückverheißend, andernfalls als unglückbedeutend. Das also war die Tempelburg, von der der Dänenkönig sowohl die Befestigungen, als auch die Religionsbräuche zu vernichten wünschte; denn durch deren Vernichtung meinte er, könnte zugleich der Götzendienst des ganzen Rügenlandes vernichtet werden; solange das Götzenbild stehenblieb, konnten zweifelsohne die Burgen der Rügianer leichter bezwungen werden als ihr Unglaube."

Heute ist von der einstigen Kultburg noch der gewaltige Wall erhalten, sowie eine Burginnenfläche von ca. 200 mal 170 m. Jährlich schrumpft diese Fläche, da Teile des Kreidefelsens immer wieder in die Ostsee abstürzen. Die damalige Burg dürfte fast doppelt so groß gewesen sein wie heute. Wahrscheinlich gab es im 9./10. Jahrhundert auch einmal Zeiten, in der die Burg noch einen zweiten, inneren Wall besaß.

Literatur: Fred Ruchhöft: "Die Burg am Kap Arkona - Götter, Macht und Mythos", von 2010, 96 Seiten

Video vom möglichen Aussehen des Arkonatempels

Erhaltungszustand: sehr gut aber stark bedroht

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Ketelshagen (Vermutung)

  

Etwa 900 m nordöstlich von Ketelshagen auf der Insel Rügen liegen die gut erhaltenen Überreste einer alten Burganlage. Bis heute ist sich die Wissenschaft nicht einig, ob es sich im Ursprung um eine bronzezeitliche oder slawische Befestigung handelte. Es könnte sich um eine vorgeschichtliche Burg gehandelt haben, die von den Slawen später reaktiviert wurde. Vor Ort ist noch ein etwa 290 m langer, stark bogenförmiger Abschnittswall zu erkennen, der einen halbinselartigen Vorsprung in einem heute verlandeten See abtrennte. Die heute verlandete Niederung wird auch als „der Serpin“ bezeichnet. Auch frühere Bezeichnungen der Niederung als „Seppin“ und „Sappin“ sind belegt. Auf dem noch etwa 1,5 bis 5 m hohen Wall wurden im 19. Jahrhundert etliche Rollsteine entnommen. Das lässt darauf schließen, dass der Wall an seiner Vorderfront eine Steinberme besaß. Diese Konstruktion ist typisch für bronzezeitliche aber auch für slawische Burgen. Die durch den Wall geschützte Burgfläche nahm nur eine Fläche von etwa 1,7 ha ein. Diese geringen Ausmaßen sind für eine vermutete bronzezeitliche Burg eher klein. Bisher stammen vom Burgareal nur Oberflächenfunde von vier unverzierten Keramikscherben, die als „vorslawisch“ angesprochen wurden. Da bisher keinerlei Grabungen stattfanden, ist eine endgültige Datierung des Burgwalles noch nicht möglich (Stand 2019).

Erhaltungszustand: sehr gut

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Kniepow

  

"Königsberg oder Himmelberg"

Etwa 1,6 Kilometer südöstlich von Bietegast (Gemeinde: Garz/Rügen, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die Überreste einer slawischen Niederungsburg mit Flurnamen "Königsberg" oder "Himmelberg". Das bewaldete Bodendenkmal (Fundplatz: Bietegast 1) wird heute auch als Burgwall Kniepow bezeichnet. Der heutige Ort Kniepow gehörte in früherer Zeit zum Gut Bietegast und war seit dem 16. Jahrhundert dessen Meierei. Im 19. Jahrhundert gab es in Kniepow eine Schule sowie eine Holzwärterei. Das slawische Bodendenkmal liegt auf einer natürlichen Halbinsel im Südteil des "Kniepower Sees". In einigen Quellen wird eine Walllänge von 280 m angegeben, was allerdings nicht den Tatsachen entspricht! Es handelt sich um einen etwa 170 m langen Abschnittswall, der die Halbinsel nach Südosten hin abriegelte. Der unregelmäßig verlaufende "Riegelwall" erreicht noch Höhen von 5 bis 12 m und besitzt einen trockenen Außengraben. Da der Außengraben bis zu den heutigen Uferbereichen verläuft, könnte er ehemals Wasser geführt haben. Der "Kniepower See" ist heute etwa 1,5 bis 3,5 m tief und befindet sich im Nahbereich der Burg im Verlandungsprozess. In der Slawenzeit war der Wasserstand sicher etwas höher. Die Niederungsburg hat eine heutige Gesamtausdehnung von etwa 16.000 m² (1,6 ha). Ein ehemaliges Zugangstor wird ganz am Südwestende des Abschnittswalles vermutet, welches man aus Schutzgründen hier errichtete. Es war einerseites durch den nahen See und auf der anderen Seite durch den Wall selbst geschützt. Angreifer konnten vor dem "Seetor" keine großen Belagerungsmaschinen in Stellung bringen. Der Burgwall wurde bereits im Burgwallregister von Kunkel (1932) als wendische Burg aufgeführt. Bisher sind nur keramische Oberflächenfunde vom Burgareal bekannt geworden, die in das 10. bis 12. Jahrhundert gehören. Die Burg wurde vom slawischen Stamm der "Ranen" errichtet und dürfte einige Jahrzehnte in Nutzung gewesen sein. Mit einer heutigen Wallhöhe von bis zu 12 m war der Burgwall bei Kniepow ähnlich stark ausgebaut wie der Burgwall am Kap Arkona (Jaromarsburg) oder der Burgwall Stubbenkammer (Herthaburg). Im Endstadium waren die mehrmals ausgebauten Wallkonstruktionen sicher 15 m hoch und gehörten zu den stärksten Burganlagen der Slawenzeit östlich der Elbe. Ob der Untergang der Niederungsburg im Zuge der dänischen Unterwerfung der Rügenslawen zwischen 1165 und 1168 in Verbindung steht, ist unbekannt. Moderne Ausgrabungen stehen hier noch aus, die eine genaue Laufzeit der Kniepower Burg offenlegen könnten. Wer den Burgwall heute besuchen will, sollte sich die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Um den "Kniepower See" führt ein etwa 7 Kilometer langer Wanderweg in das etwa 30 ha große Naturschutzgebiet "Kniepower See und Katharinensee".

Erhaltungszustand: sehr gut

Lage                   

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Lauterbach

Lauterbach wurde 1350 erstmals urkundlich erwähnt und liegt ganz in der Nähe von Putbus. Bereits in der Slawenzeit soll es hier eine Wasserburg gegeben haben. Wo diese allerdings genau lag, konnte ich noch nicht herausfinden. Das Gebiet um das Badehaus Goor kommt aber am ehesten in Frage. Lauterbach bedeutet soviel wie "Ort am kleinen, klaren Bach. Goor ist ebenfalls slawischen Ursprungs und verweist auf die Hügellage.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage                   

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Prora (Vermutung)

Westlich von Prora (Gemeinde: Binz, Landkreis: Vorpommern-Rügen) befindet sich eine weit in den kleinen Jasmunder Bodden hineinragende Halbinsel, auf der die Überreste einer vermutlich zweigliedrigen slawischen Burganlage liegen. Es handelt sich um einen etwa 520 m langen Abschnittswall, der die Halbinsel von Norden nach Süden hin abriegelte. Dieser lange "Riegelwall" (Fundplatz: Prora 2) wird in einigen Flurkarten auch als "Abschnittswall Schanze" bezeichnet. Eine weitere Befestigung lag ganz am Nordwestende der Halbinsel und trägt die Flurnamen: "Burgberg" oder "Tempelberg" (Fundplatz: Prora 1). Diese leicht erhöhte hufeisenförmige Wallanlage stellt meiner Meinung nach eine Hauptburg dar, die erstmals von A. Haas erkannt und 1932 im "Monatsblatt der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Seite 5-8" publiziert wurde. Im modernen Laserscanbild ist der gut 520 m lange "Abschnittswall" noch sehr deutlich zu erkennen. Die Befestigung des "Burg- oder Tempelberges" ist dagegen nur noch schwach auszumachen. Der lange "Riegelwall" wurde früher auch als Befestigung des 30-jährigen Krieges (1618-1648) angesprochen. Meiner Meinung nach ist es aber eher eine slawische oder gar ältere bronzezeitliche Befestigung. Moderne Ausgrabungen stehen hier noch aus, die eine endgültige Datierung der Befestigungsanlagen bestätigen können.

Erhaltungszustand: sehr gut (Vorburgwall) bis mittel (Hauptburg)

Lage                   

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Puddemin

 

In Puddemin auf Rügen lag einst eine Wallburg, die heute kaum noch zu erkennen ist, da sie teilweise überbaut wurde. Keramikfunde zeigen, dass dieser Ort auch schon vor der Slawenzeit besiedelt gewesen sein muss. Die Größe dieser Burg betrug einst ca. 100 mal 80 m. Zusätzlich wurde sie durch einen umlaufenden Wassergraben geschützt, der heute noch teilweise erhalten ist. Das Wasser für den Graben wurde aus der nahen Puddeminer Wiek gespeisst. Hier wird es auch einen zur Burg gehörenden Hafen gegeben haben.

Erhaltungszustand: mittel

Lage                   

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Putbus

An der Stelle des ehemaligen Schlosses in Putbus befand sich in der Slawenzeit bereits eine Burganlage. Sie lag direkt an einem kleineren See, der nötigen Schutz bot. Wer hier zu dieser Zeit lebte ist nicht mehr feststellbar. Es muss sich aber um eine Adelsfamilie der Ranen gehandelt haben, denn nachdem 1325 der letzte slawische Fürst ohne Nachkommen gestorben war, übernahm die jetzt hier lebende Familie die führende Rolle der Adelsgeschlechter auf Rügen. Sie erbauten sich um 1371 dann eine Burg aus Stein an gleicher Stelle. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Burg dann zum Schloss mehrfach umgebaut. 1964 wurde das Schloss abgerissen, weil man kein Geld mehr für Sanierungen aufbringen wollte und konnte. Ausserdem befand sich hier im zweiten Weltkrieg ein Fliegergeneralstab im Gebäude. Auch dieser Umstand wurde dem Gebäude zu DDR-Zeiten zum Verhängnis. Heute befindet sich hier eine Terasse am See, die an das Schloss erinnern soll.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage                   

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Ralow (Vermutung)

Auf der Insel Rügen liegt ein Gut, Namens In-Wiek. Nicht sehr weit davon hat vor ca. 800 Jahren die Burg Ralow gelegen. Die Spuren dieses alten Burgwalles lagen im Gutspark von Ralow am Kubitzer Bodden. Der Graben war im 18. Jahrhundert noch zwanzig Ellen breit und hatte eine Tiefe, wie die "höchste Tanne im Lande", so wie der Wall eine Breite von fünf und zwanzig Ellen hat. Diese Burg ist schon zu heidnischen Zeiten eine starke Festung gewesen, und es hat angeblich ein berüchtigter Seeräuber, Namens Rolwiek, seinen Rückzugsort hier gehabt, von dem sie auch den Namen erhalten hat. Der Rolwiek hat dort viele Jahre sein Unwesen getrieben, bis es endlich dem Fürsten Jaromar I., der überall im Lande die Räuber verfolgte und ausrottete, glückte, auch ihn zu fangen und seine Burg zu zerstören, so die Überlieferung.
"Derselbe Räuber Rolwiek hatte zwei Schwestern, von denen die Eine Agathe und die andere Jutta hieß. Die hatten ihren Bruder sehr lieb, und als er gefangen und seine Burg zertrümmert war, da flohen sie in die Nachbarschaft, und erhängten sich beide aus großem Herzeleid. Die eine, nämlich Jutta, ging auf einen Berg, der in der Nähe lag, die andere in ein kleines Gehölz. Davon heißt denn noch die Höhe, die nicht weit von In-Wiek, nach der Pribrowschen Wedde zu, rechts am Wege nach Landau liegt, der Jüttenberg, und das Holz, welches sich einen guten Flintenschuß weiter befindet, das Agathenholz. - Die Zerstörung der Burg soll im Jahre 1182 geschehen sein." Vom Burgwall ist heute nicht mehr als ein stark abgeflachter Wall im Park erhalten. Ob dieser allerdings den Burgwall darstellt, kann ich nicht sagen. Eine Buchquelle sagt, der Wall sei nicht mehr vorhanden.

Ganz in der Nähe liegt ein Wiese am Kubitzer Bodden, die eine auffällige Aufhellung aufweist. Stand hier einst eine alte Siedlung? Das ist aber nur meine persönliche Vermutung. Bilder der Stelle seht ihr in der Galerie.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Burgwall:

Lage                 

Vermutete Siedlung:

Lage         

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Ralswiek (Vermutung)

Etwa drei Kilometer nordöstlich von Ralswiek auf Rügen befinden sich die gut erhaltenen Überreste einer größeren Burganlage. Das heute bewaldete Bodendenkmal wird auch als „Schlossberg“ (Fundplatz: Ralswiek 2) bezeichnet. Auch hier ist sich die Wissenschaft nicht einig, ob es sich im Ursprung um eine bronzezeitliche oder slawische Befestigung handelte. Vor Ort ist noch ein etwa 300 m langer, leicht u-förmiger Burgwall zu erkennen, der eine natürliche Erhebung umschloss. Nach Norden bis Nordosten hin war das Burgareal offen, da das steil abfallende Gelände zum „Großen Jasmunder Bodden“ einen natürlichen Schutz zu dieser Seite bot. Der etwa 3,5 m breite und noch 2 bis 2,5 m hohe Wall umschloss ein Areal von etwa 1,4 bis 1,5 ha Fläche. Im Westen und Süden sind noch heute Wallsenken zu erkennen, die auf die ehemaligen Zugangstore hindeuten. Nach archäologischen Untersuchungen von Joachim Herrmann im Jahre 1983 besaß der Wall an der Außenseite auch eine etwa 4 bis 5 m breite Berme mit Böschensicherung. Bei seinen Grabungen wurde nur wenig Keramik beobachtet. Vom Burgareal liegen bisher bronzezeitliche aber auch mittelslawische Scherben vom „Typ Menkendorf“ vor. Die Slawen haben diese große Burg sicher nicht errichtet, zumindest aber im 10. Jahrhundert besiedelt. Ob der reaktivierte Burgort noch mit dem früh- bis mittelslawischen Handelsort von Ralswiek in Verbindung stand, muss vorerst Spekulation bleiben. 

Erhaltungszustand: gut

Lage                  

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Sagard

Luftbild von 1953 mit Markierung des Burgwalls

"Burgwall Capelle" oder "Töpferberg"

Etwa 350 m leicht südwestlich der Sagarder "St. Michaelis" Kirche (Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die stark verschliffenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal wird heute als Gartenanlage genutzt und trägt die Flurnamen "Burgwall" oder "Töpferberg". In den 1950 er Jahren wurde das Burgareal landwirtschaftlich beackert. Dabei wurde der Burgwall stark breitgepflügt und zu großen Teilen eingeebnet. Im modernen Laserscanbild sind die Überreste der Wallburg aber noch schwach zu erkennen. Demnach handelte es sich um eine hufeisenförmige Burganlage, die einen Außendurchmesser von etwa 125 x 125 m besaß. Die verschliffenen Überreste erstrecken sich heute über 12.000 m² (1,2 ha). In der Burgmitte scheint eine schwache kreisrunde Erhöhung zu liegen, die einen Durchmesser von etwa 50 m besitzt. Ob der Burgwall eine zweigliedrige Befestigung war oder die kreisrunde Erhöhung einen natürlichen Ursprung hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Die slawischen Erbauer errichteten die Befestigung am Südrand einer natürlichen Geländerinne, die heute vom "Sagarder Bach" durchflossen wird. Der Burgwall wurde bereits von O. Kunkel im Burgwallregister von 1932 als wendische Burganlage erwähnt. Er vermutete, dass der Burgwall identisch mit der in der Knytlingasage erwähnten slawischen Burg "Asund" sein muss, die von den Dänen im Sommer 1164 eingenommen wurde. Die Sage berichtet, dass in dieser Burg der slawische Gott "Pizamar" von den Ranen (Rügenslawen) verehrt wurde. Der Gott war eine Art Friedensbeschützer und soll in der Burg eine eigene Tempelstätte in Form einer hölzernen Kulthalle besessen haben. Diese Tempelstätte könnte auf der kreisrunden Erhöhung innerhalb des Burgwalls gestanden haben. Leider erzählt uns die Sage nichts über das Aussehen des Gottes "Pizamar". Vermutlich war er aus Eichenholz errichtet und stellte ein kolossales, mehrköpfiges Götzenbild dar. Nach der dänischen Eroberung wurde die heidnische Tempelstätte zerstört und an gleicher Stelle eine christliche Kapelle errichtet. Diese Kapelle soll noch 1250 bestanden haben und wurde als "ecclesia de Yasmund" urkundlich erwähnt. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts verlor der Burgort an Bedeutung und wurde spätestens nach dem Tod des kinderlosen Rügenfürsten Wizlaw III. im Jahre 1325 aufgegeben. Aus der nahen Vorburgsiedlung entwickelte sich der heutige Ort Sagard. Im Ursprung schrieb sich der slawische Ort "Zagarde" oder "Zagharde", was übersetzt etwa "unterhalb der Burg" bedeutet. Der heutige Flurname "Töpferberg" ist sicher auf die keramischen Hinterlassenschaften vom Burgareal zurückzuführen. Der Flurname "Burgwall Capelle" leitet sich von der christlichen Kapelle ab, die innerhalb des slawischen Burgwalls errichtet wurde. Noch heute erinnert die "Capellerstraße" in Sagard an die einstige slawische Burgsiedlung.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage                  

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Sassnitz

1. "Burgwall "Hengst"

Circa 1,5 km nordöstlich von der Ortsmitte Sassnitz befindet sich am Rand des Kreidefelsens eine sehr alte Wallanlage. Der Burgwall wird auch "der Hengst" genannt. Mit einem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, etwa 200 Meter langen Erdwall, ist die Burg relativ groß. Funde beweisen bereits eine Besiedlung in der Bronzezeit. Damit gehört diese Wallanlage zu den ältesten auf Rügen. Eine Wiederbesiedlung erfuhr die Anlage in der Slawenzeit. Man kann davon ausgehen, dass hier ein Rückzugsort für die Bevölkerung in Notzeiten bestand. Wann genau und unter welchen Umständen der endgültige Untergang der Burg bewirkt wurde, ist nicht bekannt. Die alte Burgfläche ist schon größtenteils der Erosion zum Opfer gefallen. 

Erhaltungszustand: sehr gut aber bedroht

Lage                    

2. "Burgwall Stubnitz bei Werder"

  

Eine zweite slawische Anlage befindet sich ebenfalls nördlich von Sassnitz an der Straße nach Buddenhagen. Sie liegt auf dem sogenannten Schlossberg. Sie ist heute teilweise abgetragen worden, dennoch ist sie eindeutig erkennbar. Auch hier sind die genauen Gründe für den Untergang nicht bekannt.

Erhaltungszustand: gut aber bedroht

Lage

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Schaprode

 

An der Stelle der heutigen Kirche befand sich einst eine Slawenburg, die heute leider nicht mehr erkennbar ist. Hier landeten 1168 die Dänen an, um Rügen endgültig zu christianisieren. Wahrscheinlich wurde der Burgwall abgetragen oder planiert.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage                   

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Sellin

  

Gute drei Kilometer nordwestlich von Sellin auf Rügen befinden sich die gut erhaltenen Reste eine slawischen Wallanlage. Der Wall soll noch bis zu 3 m hoch sein. Die Gesamtmaßen der hufeisenförmigen Burg betragen 200 mal 150 m. Die einstigen Bewohner gehörten zum Stamm der Ranen. Die Burg lag direkt am Steilufer zur Ostsee, ähnlich wie die Burg am Kap Arkona.

Erhaltungszustand: sehr gut

Lage               

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Stubbenkammer

   

"Herthaburg"

Etwa 750 m südwestlich des Nationalpark-Zentrums Königsstuhl "Stubbenkammer" (Stadt: Sassnitz, Ortsteil: Stubbenkammer, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die bewaldeten Überreste einer slawischen Burganlage. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Stubnitz 2) wird heute als "Herthaburg" bezeichnet und liegt direkt am erhöhten Nordufer des bis zu 11 m tiefen "Herthasees". Nördlich des Sees verlief ein plateauartiger Höhenrücken, den die Slawen mit einem viereck- bis bogenförmigen Wall umschlossen. Zur südlichen Seeseite war die Burgfläche ohne Wallanlagen befestigt, da das Gewässer zu dieser Seite einen natürlichen Schutz bot. Der erhaltene Burgwall erreicht heute eine maximale Ausdehnung von bis zu 170 (W-O) x 60 m (N-S) und schloss eine Burgfläche von etwa 4.200 m² ein. Der Burgwall ist nach außen noch bis zu 17 m hoch und überragt die Burginnenfläche um bis zu 8 m. Der breite Walleinschnitt im Süden des Ostwalles wurde vermutlich erst in der Neuzeit angelegt. Ob hier auch das ehemalige Burgtor lag, entzieht sich meiner Kenntnis. Archäologische Ausgrabungen zu DDR-Zeiten konnten nachweisen, dass die am Ende gewaltige Burg bis in die spätslawische Zeit des 11./12. Jahrhunderts bestand. Der heutige Name "Herthaburg" leitet sich von der sogenannten Herthasage ab, die vermutlich auf das 17. Jahrhundert zurückzuführen ist. Angeblich sollen die heidnischen Burgbewohner Menschen in kulturellen Zeremonien geopfert haben, deren Körper man anschließend im See versenkte. Noch heute soll die germanische Göttin "Hertha" im Burgwall ihr Unwesen treiben. Diese Sage kann man sicher in das Reich der Fabeln verweisen. Der Burgwall ist eindeutig eine slawische Burganlage gewesen, in der ein hoher Ranenhäuptling seinen Herrschaftssitz hatte. Der heutige "Herthasee" wurde früher auch als der "schwarze See" bezeichnet. Erwähnenswert ist noch, dass sich der Name Stubbenkammer von den slawischen Wörtern "Stopin kamen" ableiten soll, was übersetzt etwa "Stufenfels" bedeutet. Damit ist sicher der nahe Kreidefelsen "Königsstuhl" gemeint gewesen, den auch schon die alten Rügenslawen kannten. 

Erhaltungszustand: sehr gut

Lage                   

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Venz

"Der Wall"

Etwa einen Kilometer nordöstlich von Venz "Hof" (Gemeinde: Trent, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal (Fundplatz: Venz 1) wird heute als "Der Wall" bezeichnet. Es handelt sich um ein viereckförmiges Burgareal, das nur an der Süd- und Ostseite mit einem bogenförmigen Erdwall geschützt wurde. Die Nord- und Westseite der Burgfläche ist heute völlig walllos. Die Niederungsburg erreicht eine maximale Ausdehnung von bis zu 225 x 190 m und nimmt ein Areal von gut 4 ha ein. Wie man noch im modernen Laserscanbild erkennen kann, errichteten die slawischen Erbauer die große Befestigung am Westende einer natürlichen Talsandfläche, die von allen Seiten vom Sumpf und Moor umgeben war. Je nach Jahreszeit könnte die umgebene Niederung völlig überflutet oder in harten Wintern auch leichter zugänglich gewesen sein. Die slawischen Erbauer errichteten den bogenförmigen Burgwall nur an den ehemaligen Zugangsseiten. Ein feindlicher Angriff wurde von ihnen also nur aus östlicher Richtung erwartet. Heute sind noch zwei Wallsenken im Süd- und Ostwall zu erkennen. Das slawenzeitliche Zugangstor lag strategisch gut geschützt in der Mitte des Südwalles. Es war vermutlich nur über einen schmalen Weg aus zu erreichen, der unmittelbar südlich der Befestigung in Richtung Osten verlief. Der tiefe Einschnitt im Ostwall ist erst in der Neuzeit entstanden, als man das Burgareal landwirtschaftlich nutzte. Der heute bis zu 10 m hohe Burgwall hatte zwei Wallphasen. Er wurde nach seiner Errichtung also mindestens ein Mal grundlegend erneuert. Auf eine Wallbefestigung der Nord- und Westseite haben die slawischen Erbauer bewusst verzichtet, da diese Seiten durch Sümpfe und Moore auf natürliche Weise geschützt waren. Hier können aber unverfüllte Holzkästen oder Holzpalisaden angenommen werden, die die große Burgfläche zu diesen Seiten absicherten. Vom Burgareal liegen neben spätslawischen auch frühdeutsche Keramikscherben vor, die eine Laufzeit der Burg vom späten 11./12. bis mittleren 13. Jahrhundert andeuten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Burgwall von Venz mit der überlieferten Burg "Charenza" identisch, die kurz nach der gewaltsamen Eroberung der Burg am Kap Arkona im Sommer 1168 von den Dänen friedlich eingenommen werden konnte. In der Burg "Charenza" verehrten die heidnischen Rügenslawen ihre Gottheiten "Rugievit", "Porevit" und "Porenut". Die drei überlebensgroß dargestellten Götterbilder waren aus Eichenholz errichtet und standen in drei benachbarten Holztempeln, die jeweils nur mit Vorhängen voneinander abgetrennt waren. Die drei Gottheiten waren wohl die Kriegsgötter der Rügenslawen, die im Burgwall Venz verehrt wurden. Der Venzer Burgwall ist demnach in erster Linie eine stark befestigte militärische Burganlage der Ranen (Rügenslawen) gewesen. Nachdem die Dänen diesen Burgwall nach zuvor stattfindenden Verhandlungen ohne Gegenwähr einnehmen konnten, wurden die heidnischen Götterbilder zerstört. Der Burgort wurde danach anscheinend noch bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts weiter genutzt. In der Burg "Charenza" wurde im Jahre 1234 eine Urkunde erstellt, die dem Ort Stralsund das Stadtrecht aussprach. Kurz darauf dürfte der Venzer Burgwall aber aufgegeben worden sein und verfiel. Wer die Überreste des Venzer Burgwalls heute besuchen will, sollte sich wie immer die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Der heute mit Bäumen und Vegetation bestandene Burgwall ist sehr gut erhalten geblieben und bis zu 10 m hoch! Die Burginnenfläche ist heute unbewaldet und frei begehbar. Zum Abschluss möchte ich noch die schriftliche Überlieferung des "Saxo Grammaticus" vorstellen. Der dänische Geschichtsschreiber beschrieb nach der Eroberung der Burg am Kap Arkona auch die friedliche Übergabe der Burg "Charenza".   

"Als Absalon (Anführer des dänischen Heeres) in der nächsten Nacht der Ruhe pflegte, ließ ein slawischer Barbar in Arkona seine gewaltige Stimme ertönen und verlangte den Guthskalk zu sprechen, den Absalon als Dolmetscher im Verkehr mit den Slawen gebrauchte. Guthskalk fragte, was der Barbar brächte. Dieser verlangte Zutritt zu Absalon, und als ihm solcher gestattet war, redete ihn Absalon außerhalb seines Zeltes durch Vermittlung des Dolmetschers an. Jener bat inständig, es möge ihm gestattet sein, den "Charenzern" (Bewohner des Burgwalls Venz) Nachricht vom Schicksal Arkonas zu bringen und ihnen zu raten, dass sie unter ähnlichen Bedingungen ihrem Verderben zuvorkämen und die Rettung ihres Lebens und ihrer Burg nicht hinausschöben; am darauf folgenden Tag werde er ihre Willensäußerung zurückmelden. Außerdem versicherte er, dass er in der Burg "Charenza" als Littogs Sohn geboren sei und Granza heiße. Er gehöre nicht zu den Burgmännern Arkonas, sondern sei mit dem Hilfskorps dorthin geschickt worden. Und damit er nicht für einen Betrüger gehalten würde, zeigte er seinen verwundeten Arm, ohne dessen Gebrauch er seinen slawischen Genossen ja doch keine Hilfe bringen könnte. Absalon meinte, ein Verwundeter könne den Feind nur wenig verstärken, und im Übrigen sei es belanglos, ob er zum Kampfe oder zur Übergabe rate. Darum ließ er sogleich den dänischen König Waldemar wecken und legte diesem die Bitte des Slawen vor. Der dänische König überließ Absalon die Regelung der Angelegenheit. Da antwortete Absalon dem wartenden Granza, der König habe alles bewilligt außer dem dreitägigen Waffenstillstand; er wollte den Feinden keine Zeit zur Befestigung der Burg "Charenza" lassen. Aber eine eintägige Waffenruhe sagte er ihm zu und drohte ihm, wenn er sich nicht an dem seiner Heimatburg zunächst gelegenen Gestade mit den angesehendsten Leuten Rügens zur verabredeten Zeit eingefunden hätte, werde der Vertrag keine weitere Geltung haben. Den "Charenzern" hatte die Nachricht von der Eroberung Arkonas einen solchen Schrecken eingeflößt, dass sie sich an dem von Absalon bestimmten Ort schon vor dem verabredeten Zeitpunkt einfanden. Dort fragte der Slawe Granza, hoch zu Rosse sitzend, schon von weitem, wer die dänische Flotte befehligte. Als er hörte, dass sie von Absalon geführt werde, gab er sich als Granza zu erkennen und erklärte, dass der slawische König Tetislaw mit seinem Bruder Jaromar und allen Vornehmsten des rügenschen Adels zur Stelle sei. Absalon ließ sie unter Zusicherung freien Geleites auf sein Schiff kommen und verabredete mit ihnen die Übergabe "Charenzas" ganz nach dem Beispiel von Arkona und hielt sie auf diese Weise bis zur Ankunft des Dänenkönigs hin. Als der Dänenkönig den Abmachungen in allen Punkten zugestimmt hatte, nahm Absalon aus der Zahl der vornehmsten Ranen allein den Slawenfürsten Jaromar zu sich und ging, von Sven von Arhus begleitet, zur Burg "Charenza". Um desto sicherer die Burg aufsuchen zu können, ließ er die übrigen slawischen Adligen durch seinen Bruder Esbern mit einem leckeren Mahle bewirten und sorgte dafür, dass sie nicht vor seiner eigenen Rückkehr entlassen würden. Nur dreißig dänische Krieger hatte er bei sich, und von diesen ließ er auch noch auf Bitten der "Charenzer" die Mehrzahl zurück, damit durch seine Begleiter in der Burg kein Streit erregt würde. So eilte er, reicher an Zuversicht als an Begleitung, vor den Burgwall. Der Burgwall "Charenza" ist ringsherum durch Moräste und Lachen geschützt und hat nur einen einzigen Zugang auf einer durch den Sumpf führenden schwierigen Furt. Wer hier aus Unvorsichtigkeit vom Wege abkommt, versinkt unfehlbar im tiefen Sumpfe. Hat man die Furt durchschritten, so bietet sich vor der Burg ein Fußpfad, der zum Tore führt; er liegt zwischen dem Sumpfe und dem Walle. Um die Übergabe sicherer zu machen, strömten die "Charenzer" bewaffnet, volle 6000 an der Zahl, aus dem Tor heraus und begannen, die Speerspitzen zu Boden gesenkt, in zwei Reihen Aufstellung zu nehmen an dem Wege, der das Näherkommen der Dänen gestattete. Sven, der über diesen Anblick bestürzt war, fragte, was das Heraustreten der Feinde zu bedeuten hätte; aber Absalon bat ihn, keine Furcht zu haben, und belehrte ihn, dass ihr Herauskommen nur dem Eifer, sich gehorsam zu zeigen, entsprungen sei; wenn sie etwas Böses im Schilde führten, hätten sie solches leichter in der Burg ausführen können. Wie großes Vertrauen muss der Mann besessen haben, der kein Bedenken trug, seinen Kopf der zwiespältigen Willkür eines bewaffneten Feindes so leichthin anzuvertrauen! Aber auch die Krieger bewahrten, durch sein Beispiel ermutigt, die gleiche Entschlossenheit im Vorrücken, ohne ihren Gesichtsausdruck oder ihre Ordnung zu verändern; das Vertrauen auf den Schutz des einen Absalon war größer als die Furcht vor der Menge der slawischen Feinde. Als die Dänen die Furt durchschritten und den Weg diesseits des Walles betreten hatten, warfen sich die Burgleute, die sich bald hier, bald dort zusammengeschart hatten, mit ihren Leibern auf den Erdboden nieder und bewiesen jenen ihre Ehrfurcht, nicht anders, als wenn sie höhere Wesen anbeteten. Als sie sich dann wieder erhoben, begannen sie, den Fußspuren der Dänen willig und eifrig zu folgen. So wurde der Eintritt Absalons in die Burg "Charenza" dem nach dem Austritt aus dem Heidentum begierigen Volke angenehm; denn nicht wie ein Abgesandter in einer Privatsache, sondern wie ein staatlicher Friedensbote wurde er aufgenommen. Bemerkenswert war diese Burgsiedlung durch die Bauten drei hervorragender Kulte, geschmückt in der landesüblichen Kunst. Hier hatte die Würde von Lokalgöttern fast ebensoviel Verehrung gewonnen, wie sie in der Burg Arkona die große Landesgottheit "Swantevit" besaß. Aber wenn auch der Burgort "Charenza" in Friedenszeiten leer war, so zeigte er sich jetzt mit dichtgedrängten Wohnhäusern gefüllt. Drei Stockwerke (!) waren sie hoch, so dass das untere immer die Last des mittleren und obersten mittragen musste. Ja so enge war das Gedränge, dass, wenn man mit Wurfmaschinen Steine in die Burg geschleudert hätte, sie kaum eine nackte Bodenstelle zum Niederfallen gefunden hätten. Überdies war der aus Unsauberkeit entsprungene Gestank (Fäkalien) überall in das Innere der Wohnungen gedrungen, und dadurch wurden die Slawen ebenso gepeinigt wie ihre Seelen von Furcht. So wurde es den Dänen klar, warum die "Charenzer" einer Belagerung nicht Widerstand hätten leisten können; und deshalb wollten sie sich nicht länger über die so bereitwillige Übergabe von Leuten wundern, deren so dringende Not sie deutlich vor Augen sahen. Das größere Heiligtum lag in der Mitte seines Umganges, aber beide waren statt durch Wände durch Vorhänge abgeschlossen, das spitze Dach ruhte nur auf Säulen. Die dänischen Beauftragten konnten daher nach dem Herunterreißen des Vorhallenschmuckes gleich zu den Vorhängen des inneren Heiligtums greifen. Als auch diese gefallen waren, zeigte sich das eichene Götzenbild, das den Namen Rugievit führte, von allen Seiten in ganz abscheulicher Entstellung. Denn von den Schwalben, die unter dem Rande des Kopfes ihre Nester gebaut hatten, war der Kot immerfort auf die Brust des Götterbildes heruntergeträufelt. Eine schöne Gottheit, deren Bild so greulich von den Vögeln geschändet wird! Im übrigen hatte der Kopf sieben menschliche Gesichter, die alle von einem Scheitel überdeckt wurden. Ebensoviele richtige Schwerter, in Scheiden an einem Gürtel hängend, hatte der slawische Künstler an seine Seite getan. Das achte Schwert hielt der Götze gezückt in seiner Rechten. Dies war durch einen eisernen Nagel so fest vernietet, dass es nur durch Abhauen der Hand entfernt werden konnte. So wurde die Hand zertrümmert. Die Maße des Götterbildes gingen über Menschenmaß hinaus. Es war so hoch, dass Absalon sich auf die Zehen stellend, das Kinn des Götzen mit dem Beile, das er in der Hand zu führen pflegte, nur mit Mühe erreichen konnte. Diese Gottheit dachte man sich mit Kräften wie Mars ausgestattet, als Lenker der Kriege. Schön war das Bild nicht, es erschien ungehobelt und widerte durch wunderliche Formen an. Nun legten die dänischen Krieger unter größter Spannung der ganzen Burginsassen die Äxte an die Beine des Bildes. Als sie durchgehauen waren, fiel der Holzklotz mit lautem Krach zu Boden. Bei diesem Anblick verspotteten die slawischen Burgleute die Kräfte ihres Götzen und verwandelten ihren Glauben in Verachtung. Die Hände der dänischen Krieger aber, nicht zufrieden mit der Vernichtung, streckten sich gleich gierig nach dem Bilde des Porevit, das im nächsten Heiligtume verehrt wurde. Das war mit fünf Köpfen, aber ohne Waffen gebildet. Als es gefällt war, ging es gleich nach dem Tempel des Porenut. Dessen Bildsäule, vier Gesichter aufweisend, fiel ebenfalls unter den Streichen der Dänen. Die slawischen Burgleute sollten diese Holzbilder nach dem Befehl Absalons innerhalb des Burgwalles verbrennen. Sie baten aber unter Hinweis auf die vollgepferchte Burg, von dem Befehle abzusehen; wollte man schon ihre Kehlen schonen, sollte man sie nicht einer Feuersbrunst aussetzen. Als sie dann die Bilder aus der Burg schleifen sollten, widersetzten sie sich lange Zeit; sie fürchteten, durch die Rache der Götzen den Gebrauch der Glieder zu verlieren, die sie zur Ausführung des Befehls verwenden mussten. Um den heidnischen Slawen die Verächtlichkeit ihrer Götzenbilder noch deutlicher zu zeigen, stellte sich Sven oben auf sie, als sie von den "Charenzern" hinausgeschleift wurden. Diese Abgötter taten so große Wunder, dass, sobald ein Mann dort in der Stadt etwas mit einem Weibe zu tun hatte, sie dieselben wie Hunde zusammenkoppelten, und sie kamen nicht eher voneinander los, bis sie außerhalb der Burg waren. Während dieser Vorgänge weihte Absalon auf der zur Burg gehörenden Vororte drei Friedhöfe und kam am Abend zum Burgwall "Charenza" zurück. Nach Zerstörung der Götzenbilder kehrte er mit dem Ranenfürsten Jaromar in tiefer Nacht zu den dänischen Schiffen zurück und nötigte den slawischen Fürsten, mit ihm zu speisen. Absalon hatte schon drei Nächte hintereinander ohne Schlaf zugebracht, und das Wachen hatte seine Augen so geschwächt, dass er sie kaum noch gebrauchen konnte. Am folgenden Morgen gingen die Schreiber und die Beichtväter der Fürsten daran - mit priesterlichem Schmuck angetan - die heidnischen Bewohner Rügens durch die Taufe zu Christen zu machen. Ebenso errichteten sie an mehreren Orten christliche Gotteshäuser und vertauschten die Hütten des örtlichen Aberglaubens mit den Wohnstätten der allgemeinen Religion. An eben demselben Tage wurde auch der Rest der Geiseln von den Dänen in Empfang genommen."

 
Erhaltungszustand: sehr gut

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Vilmnitz

In Vilmnitz auf Rügen gab es mit einiger Wahrscheinlichkeit in der Slawenzeit eine Burgwallanlage. Stoislaw, der Bruder vom Rügenfürst Jaromar I. soll der Eigentümer gegen Ende des 12. Jahrhunderts gewesen sein. Von einer typischen Wallanlage ist im Ort nichts mehr zu erkennen, allerdings gibt es den alten Flurnamen "Burgwall" südwestlich der Dorfkirche. Hier wird die Burg vermutet. Ausserdem befindet sich hier ein kleines Gewässer, das den Standort einer Burg als Schutzfunktion begünstigte.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage?

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Wiek

Der Ort Wiek wurde erstmals 1165 als "Vikr" schriftlich erwähnt. Dabei war auch die Rede von einem slawischen Burgwall. 1314 und 1318 wurde der Ort wieder schriftlich erwähnt. Demnach bestand  hier früher eine Honigaue, also das Züchten von Bienen für die Honigverarbeitung, in Wiek. Nach 1168 wurde auch das Gebiet von Wiek christianisiert. Es siedelten sich dann im Laufe der Zeit immer mehr Deutsche in dem Ort an und die slawische Bevölkerung wurde assimiliert. 1875 errichtete man einen Friedhof auf dem slawischen Burgwall im Ort. Die Burgwallanlage stammt aus dem 11. und 12. Jahrhundert und wird vor Ort "Borgwall" genannt.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Zudar

"Wallberg"

Etwa 150 m östlich der Sankt Laurentius Kirche von Zudar (Gemeinde: Garz/Rügen, Landkreis: Vorpommern-Rügen) liegen die Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das bewaldete Bodendenkmal (Fundplatz: Zudar 1) wird heute als "Wallberg" bezeichnet. Es handelte sich vermutlich um eine ehemalige Inselburg, die einen ovalen Durchmesser von etwa 90 x 75 m erreichte. Das etwa 6.500 m² große Burgareal war ursprünglich von einem geschlossenen Wall umgeben, der eine Höhe von bis zu 5 m erreichte. Leider ist der Wall heute zur Südwestseite völlig abgetragen worden. Vermutlich wurde das Burgareal in früheren Zeiten landwirtschaftlich genutzt, wobei die Erde des Walles an dieser Seite abgetragen wurde. Vielleicht verwendete man die Erde des Südwestwalls auch für den heutigen Erddamm, der zum Burgwall führt? Die ehemalige Inselburg lag etwa 100 m vom westlichen Festland entfernt und war wohl nur über eine Holzbrücke zu erreichen. Heute ist der "Wallberg" mit einem breiten Schilfgürtel halbinselartig mit dem Festland  verbunden. Vom Burgareal liegen fast ausschließlich spätslawische Keramikscherben vor. Demnach dürfte die Inselburg  im 11./12. Jahrhundert bestanden haben und war vermutlich der stark befestigte Herrschaftssitz eines lokalen Ranenhäuptlings. Bereits im Burgwallregister von O. Kunkel (1932) wurde der Burgwall von Zudar als slawische Burg erwähnt. Er berichtete damals auch von steinzeitlichen Hinterlassenschaften vom Burgareal. Der Ort Zudar wurde bereits im Jahre 1166 urkundlich erwähnt. Ob die Burg in jener Zeit noch bestand, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Burgareal ist heute stark mit Büschen und Bäumen bestanden. Ein Besuch ist daher nur in den kälteren Jahreszeiten zu empfehlen. Ein einspuriger Plattenweg führt heute vom Festland aus zum Bodendenkmal. Vom "Wallberg" hat sich bis heute eine alte Sage erhalten. Demnach soll der Seeräuber "Störtebeker" hier einen seiner Rückzugsorte gehabt haben, von wo aus er immer wieder Handelsschiffe der "Hanse" auf der nahen Ostsee angriff.


Erhaltungszustand: mittel

Lage                   

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