Slawische Burganlagen in Schleswig-Holstein (39)


Bad Segeberg, Belau, Blekendorf, Bosau, Burg-Fehmarn, Duvenseer Wall, Eutin, Eutin-Sielbek, Farchau, Fresenburg, Giekau, Grammdorf, Grube, Hammer, Hassendorf, Kasseburg, Kittlitz, Klein Gladebrügge, Klempau, Alt-Lübeck, Lübeck, Moosbruch, Neuhorst, Neustadt, Neversdorf, Nütschau, Oldenburg in Holstein, Pansdorf, Plön, Pöppendorf, Ratzeburg, Scharstorf, Sirksfelde, Stendorf, Stöfs, Strenglin, Süsel, Warder


Bad Segeberg

Auf dem Bad Segeberger Kalkberg lag einst die um 1134 erbaute deutsche "Siegesburg", von der Bad Segeberg den Namen erbte. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde diese deutsche Burg aber auf den Resten einer älteren slawischen Anlage gebaut, da der Chronist Helmold von Bosau in seiner Slawenchronik davon spricht, dass einst der slawische Obodritenkönig Knut den Berg mit seinen Truppen "besetzte". Als die slawischen Truppen 1130 von dort vertrieben wurden, erkannten die Deutschen die strategische Lage und errichteten dort eine neue Festung. Der Kalkberg war damals noch ca. 110 m hoch und bot damit einen sehr guten natürlichen Schutz. Direkt neben dem Kalkberg liegt heute die Arena der Bad Segeberger Festspiele. Der ehemalige Burgberg wird sogar mit in die Kulissen einbezogen.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Belau

Auf einer Landenge zwischen dem Belauer- und Schmalensee befinden sich die Reste eines slawischen Abschnittswalls. Er hat eine Länge von 50 m, eine Breite von 15 m und noch eine Höhe von 3 m. Hier ist sicherlich einmal der Standort einer kleineren Burg gewesen, die in einer natürlichen Schutzzone zwischen den Seen bestand. Sie hatte einst ein ovales Aussehen und lag in Grenznähe zu den Sachsen. Durch Beackerung ist von ihr nicht mehr viel übrig geblieben. Näheres ist zu dieser Anlage leider nicht überliefert. Man kann sie grob ins 8./9. Jahrhundert einordnen.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Blekendorf

Lage zur Slawenzeit, nach R. Krüger 2019

„Hochborre“

Etwa 2,6 Kilometer nördlich von Blekendorf (Gemeinde Blekendorf, Landkreis Plön) liegen die stark verschliffenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Es handelte sich um einen nahezu kreisrunden Ringwall von etwa 80 m Durchmesser, der am Nordende einer natürlichen Halbinsel angelegt wurde. Das alte Burgareal mit Flurnamen „Hochborre“ wurde im Jahre 1972 archäologisch untersucht, als eine moderne Landstrasse durch das Bodendenkmal geführt wurde. Dabei wurde festgestellt, dass der Ringwall mehrere Male erneuert und erhöht wurde. Direkt südlich schloss sich ein Vorburgareal an, das meiner Meinung nach zumindest mit einem wasserführenden Graben und hölzernen Palisaden befestigt war. Die Ausgräber konnten früh-, mittel- und wenige spätslawische Keramikscherben beobachten, die auf einen mittelslawischen Burgwall hindeuten. Die Burg „Hochborre“ lag im späten 9. bis 10./11. Jahrhundert im Stammesgebiet der Wagrier, deren große Hauptburg sich etwa 15 Kilometer weiter östlich in Oldenburg befand (Burgwall „Starigard“, Oldenburg in Holstein). Der Burgwall „Hochborre“ lag damals vermutlich unmittelbar am sogenannten „Sehlendorfer Binnensee“, der mit der nahen Ostsee verbunden war. Interessant ist, dass der slawische Ringwall im 14. bis späten 15. Jahrhundert von deutschen Siedlern reaktiviert wurde.  Ein etwa 6 x 6 m großes Steinfundament im alten Ringwall wurde als Basis eines Turmes angesprochen. Etwa 700 m südwestlich der „Hochborre“ liegen zwei weitere mittelalterliche Befestigungen in der Niederung der „Mühlenau“. Diese werden heute als „Kleiner und Großer Schlichtenberg“ bezeichnet. Es handelte sich um deutsche Burgen/Motten des 13. bis 14. Jahrhunderts.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Bosau

 

Der frühslawische Burgwall von Bosau, genannt "Bischofswarder", befand sich auf der Landzunge einer gleichnamigen Halbinsel zwischen dem "Großen Plöner See" und dem "Bischofssee". Die Wallanlage war um die 100 m groß, annähernd oval bis hufeisenförmig und von einem breiten Graben umgeben. An der Seite zum Bischofssee war der Burgwall offen und wohl nur mit einfacheren Holzkonstruktionen befestigt. Auch an anderen frühslawischen Burganlagen jener Zeit kann man beobachten, dass sich die massiven Wallsysteme nur zu den Seiten konzentrierten, die nicht durch Höhenlagen, Seen, Flüsse oder Moore auf natürliche Weise geschützt waren. Die Anfänge der Burg Bischofswarder reichen womöglich schon in das 8. Jahrhundert (um 735) zurück, die Blütezeit aber lag im 9. Jahrhundert. Die Burg diente als typische Fluchtburg für die in der näheren Umgebung befindlichen Vorburgsiedlungen. Eine dieser Siedlungen bestand etwa 400 m jenseits der Anlage auf einem Gelände namens "Möhlenkamp". Dort bestanden zeitgleich mit dem Burgwall Grubenhäuser, die zur Wohnnutzung von Bauern dienten. Diese Siedlung bestand bis in die spätslawische Zeit hinein und war zu dieser Zeit ein Handwerkerdorf. Nördlich des Burgwalls konnte ein Pfahlfeld dokumentiert werden, das kein näheres Ergebnis zu Form und Nutzung liefern konnte. Diese Stelle wird heute als "Slawendorf" bezeichnet, dessen Charakter aber recht unklar ist und in das 8. Jahrhundert zu gehören scheint. Es bestand möglicherweise schon vor dem Burgwall. In der Burg konnte man zudem Handwerker der Kammmacherei, Eisenverarbeitung und Buntmetallverarbeitung nachweisen. Wahrscheinlich wurden die ausserhalb liegenden Siedlungen mit den handwerklichen Erzeugnissen aus der Burg versorgt. Um 900 wurde die Burg bereits aufgegeben und vermutlich nach Plön verlegt. Heute ist vom alten Burgwall fast nichts mehr wahrzunehmen. Der Wall wurde im Laufe der Jahrhunderte stark verschliffen und dient noch heute zeitweise als Kuhkoppel. Der  Wasserstand des Plöner Sees hat sich in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder verändert, sodass man jetzt nicht mehr trockenen Fußes zur alten Burgstelle gelangen kann.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Burg/Fehmarn

Auf der Insel Fehmarn gibt es in der gleichnamigen Stadt den Stadtteil "Burg auf Fehmarn". Nach der Einwanderung der Slawen siedelten sie sich auch auf dieser Insel an. 1075 erwähnte der Chronist "Adam von Bremen" das Eiland erstmalig. Er erzählte in seiner Hamburgischen Kirchengeschichte von den slawischen Bewohnern und von dem Reichtum der Insel an Getreide und Feldfrüchten, doch auch von der Seefahrt der Bevölkerung und der damit verbundenen Seeräuberei. Der Slawenchronist Helmold von Bosau fügte hundert Jahre später hinzu:
"Um diese Zeit gab es für die Insel verschiedene Namen: Vemere vermorje (das heißt" im Meer ") Fembre Imbria Ymbria Ymbrie." Helmold erwähnte auch die ihm auffällige Gastfreundlichkeit der hier ansässigen Slawen. Um 1230 wird auch die Stadt Burg genannt. Sie führte den Namen : "to der Borch uppe Vemeren" (Burg im Meer), nach einer wohl ursprünglich slawischen, später dann deutschen Befestigung am Stadtrand, von der heute keine Überbleibsel bekannt sind.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Duvenseer Wall

Ungefähr 3 km südwestlich des Ortes Duvensee befindet sich der Ortsteil Duvenseer Wall. Hier gab es zur Slawenzeit im 9./10. Jahrhundert eine kleinere Wehranlage. Sie hatte einen Durchmesser von 75 m. Der Wall war 10 m breit und die Innenfläche 55 m lang. Von ihr ist heute allerdings nichts mehr zu erkennen. Sie lag auf einem heutigen Acker südlich der Landstrasse.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Eutin

Im „Großen Eutiner See“ liegt die sogenannte „Fasaneninsel“, die bereits in prähistorischen Zeiten von Menschen besiedelt wurde. Der von den Slawen gegründete Ort Eutin wurde erstmals urkundlich im Jahre 1170 von Helmold von Bosau als „Utin“ erwähnt. Für das Jahr 1147 berichtet er, dass zuvor angesiedelte holländische Kolonisten nur mit Mühe einem Angriff des Obodritenfürsten Niklot entgehen konnten. Sie flüchteten zu einem „festen Platz“, der dem Angriff des Slawenfürsten widerstehen konnte. Vermutlich ist mit dem „festen Platz“ eine verlassene Siedlung auf der Fasaneninsel gemeint, die eine ältere slawische Inselburg der Wagrier gewesen sein könnte. Der aufständische Obodritenfürst Niklot versuchte im Jahr 1147 seine ehemals verloren gegangenen Ländereien im Wagrierland zurückzuerobern. Der slawische Angriff scheiterte und Niklot wurde im anschließenden Wendenkreuzzug von 1147 von Heinrich dem Löwen unterworfen. Tauchuntersuchungen des Jahres 1976 konnten in 3 bis 4 m Wassertiefe einzelne Pfähle einer slawenzeitlichen Brückenverbindung zwischen der heutigen Schlosshalbinsel und der Fasaneninsel nachweisen. Die geradlinig verlaufende hölzerne Brücke war etwa 5,5 m breit, unter 200 m lang und stammt aus der Zeit zwischen 966 und 1040. Demnach muss bereits in der mittel- bis spätslawischen Zeit eine befestigte Inselsiedlung oder Burg auf der Insel bestanden haben. Auf der Insel sind heute keinerlei Wallreste einer slawenzeitlichen Burganlage vorhanden. Vermutlich wurden die Erdanlagen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert im Zuge einer Neubesiedlung der Insel gänzlich abgetragen. Der schwedische König Adolf Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorp ließ während seiner Regentschaft (1727-1750) auf der Insel ein Lustschloss, die sogenannte „Adolphsburg“ errichten. 1771 wurde das aus Ziegeln und Feldsteinen errichtete Gebäude wieder abgerissen und auf der Insel wurde fortan eine Fasanerie betrieben, die bis in das 20. Jahrhundert bestand. Heute ist die stark bewaldete Insel in Privatbesitz und wird von den Eigentümern bewohnt. 

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Eutin/Sielbek

Zwischen dem "Ukleisee", der "Lebebenau" und dem "Lebebensee" im Bereich Eutin-Sielbek befindet sich eine slawische Wallanlage. Sie wurde geschützt durch die umliegenden Gewässer angelegt. Errichtet wurde sie im 8./9. Jahrhundert und diente sicherlich in dieser Zeit als Fluchtburg für die Bewohner des Umlandes. Der noch erhaltene Wall hat eine Länge von 105 m. Die umschlossene Innenfläche beträgt 50 mal 60 m. Wann und wodurch sie aufgegeben wurde, ist hier nicht überliefert worden.

Erhaltungszustand: gut

Lage         

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Farchau/Ratzeburg

Um das Jahr 800 herum erbauten die Slawen an der Südspitze des Küchensees eine klassische frühslawische Höhenburg. Sie lag auf einer natürlichen Anhöhe, die heute auch als "Marienhöhe" bekannt ist. Um 1160 wurde die alte Wallburg erneut als Burg befestigt. Sie diente nun den Ratzeburger Bischöfen als Hofsitz. Ob die Burg von den Slawen durchgehend bis in das 12. Jahrhundert besiedelt wurde, ist bisher nicht bekannt. Die heutigen Wallreste umschließen eine Fläche von etwa 60 m x 40 m. Im Vorfeld lag vermutlich eine befestigte Vorburgsiedlung. Durch den Umbau der Burg im 12./13. Jahrhundert lässt sich der Umfang der früheren slawischen Burg nur schwer nachvollziehen. Höhenburgen bestanden bei den Slawen überwiegend nur in der frühslawischen Zeit. Vermutlich war die spätere Inselburg in Ratzeburg die Nachfolgeburg von Farchau.

Erhaltungszustand: gut

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Fresenburg/Bad Oldesloe

Einfacher Lageplan nach R. Krüger 2017

Der Ringwall von Fresenburg gehört heute zu den besterhaltendsten slawischen Burgen in Schleswig-Holstein. Unmittelbar am Nordostufer der Trave auf einer von Niederungen umgebenen Moränenkuppe gelegen, überragt sein höchster Punkt den Wasserspiegel der Trave um 13 m. Der etwa 80 m große und noch 4 m hohe Ringwall könnte nach meiner Meinung aus der mittelslawischen Epoche stammen. Torsenken oder ein Burggraben sind leider nicht mehr erkennbar. Kleinere archäologische Untersuchungen erbrachten im nördlichen Burgbereich den Nachweis, dass noch in zwei Meter Bodentiefe Kulturschichten vorhanden sind, welche mit Tierknochen, verkohlten Rundhölzern, Keramikscherben und verziegelten Lehmbrocken durchsetzt sind. 1920 wurde am zur Trave gerichtetem Südwesthang im Bereich einer Wallrutschung das Körpergrab eines etwa acht- bis zehnjährigen Kindes festgestellt, welches ohne Beigaben in einem Holzsarg bestattet worden war. In den Jahren 1924/ 25 sollen dort drei weitere Sargbestattungen entdeckt worden sein.

Erhaltungszustand: gut

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Giekau

Direkt am Ostufer des "Selenter Sees" befinden sich Wall- und Grabenreste einer Slawenburg. Man erreicht sie über das Dorf Fresendorf. Von dort aus gelangt man über den "Waldweg" zum Bodendenkmal. Durch Funde von Keramikscherben konnte man eine Besiedlung vom 8. bis 11. Jahrhundert nachweisen. Die Umrisse der Wallburg betragen 90 mal 100 m.

Erhaltungszustand: mittel

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Grammdorf

Circa 900 m westlich des Dorfes Grammdorf befinden sich die Überreste einer einstigen slawischen Höhenburg. Die Straßen "Alter Burgweg" und "Ziegeleiweg" führen in der Nähe vorbei. Die Wehranlage bestand noch im 12. Jahrhundert und misst 80 m im Durchmesser.

Erhaltungszustand: gut

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Grube

In Grube bei Oldenburg in Holstein befand sich in der Slawenzeit ebenfalls ein Burgwall. Heute ist von ihm nichts mehr erkennbar, da er eingeebnet wurde. Er lag hinter der Gruber Kirche am früheren Gruber See, der inzwischen trockengelegt wurde. Auf alten Landkarten erkennt man aber hinter der Gruber Kirche eine kleine Halbinsel, die in den See ragte. Dort wird vermutlich der Standort der Burg gelegen haben.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Hammer/Panten

Nahe dem Ort Hammer in Schleswig-Holstein befindet sich ein Ringwall aus der slawischen Zeit. Er liegt östlich des Ortes genau am Elbe-Lübeck-Kanal auf dem "Timmermannsberg". Im Volksmund wird die Burg auch "Steinburg" genannt. Wahrscheinlich war man sich im Mittelalter nicht mehr bewusst, wer die Anlage früher errichtet hatte. Da der Kanal in vergangenen Zeiten wohl künstlich begradigt wurde, könnte es sein, dass die Burg früher in einer Art Fluss-Sumpf- Landschaft lag. Sie war mit einem Durchmesser von ungefähr 90 m eher mittelgroß. Vielleicht lebte hier ein Lokalfürst. Schriftliche Überlieferungen oder frühere Ausgrabungen gibt es hier nicht.

Erhaltungszustand: sehr gut

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Hassendorf bei Bosau

Ungefähr 1300 m östlich von Hassendorf befindet sich ein slawischer Burgwall. Die eingliedrige Burg hatte einen Durchmesser von ca. 100 m und wurde auf einer in eine feuchte Niederung hineinragenden erhöhten Fläche angelegt. Die Burg war von einem umlaufenden Wall geschützt. Im Norden und Nordwesten trennt ein Graben die Burg von einer Hochfläche ab, im Süden schirmt ein niedrigerer Wall die Burg von der Niederung ab. Anhand der gemachten Keramikfunde und der Anlage der Burg, ist von einer slawischen Burg des 9. und 10. Jahrhunderts auszugehen. Eine spätere Nutzung der Anlage erscheint unwahrscheinlich, da es keine derartigen urkundlichen Erwähnungen gibt. Die Burg ist über eine den alten Burggraben querenden Brücke heute zugänglich. 

Erhaltungszustand: gut

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Kasseburg

Gut einen Kilometer nordöstlich von Kasseburg im Kreis Herzogtum Lauenburg liegt ein alter slawischer Burgwall, genannt der Runwall. Seine Wälle sind leider schon stark eingeebnet, aber anhand des Baumbewuchses ist er auf Luftbildern noch sehr gut zu erkennen. Die einstigen Bewohner legten diese Burg schon in der älteren Slawenzeit des 8. Jahrhunderts in einer Niederung an. Die Burgfläche ist eingliedrig, oval und gute 80 Meter groß. Die Burg lag im Stammesgebiet der Obodriten und dürfte den Sitz eines Adligen oder einen Rückzugsort in Notzeiten dargestellt haben.

Erhaltungzustand: mittel

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Kittlitz

Die Ruinen einer slawischen Burg liegen auf einem natürlichen Geländesporn am "Dutzower See". Die Burg war einst durch offenes Wasser und sumpfiges Gelände von allen Seiten gut geschützt. Die Wälle wurden leider im Laufe der Zeit stark abgetragen und haben heute nur noch eine Höhe von 2,6 m. Die Burg ist jetzt noch 53 mal 73 m groß. Im südlichen Teil der slawischen Anlage fand man die meisten Keramikscherben aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Hier befand sich auch der Zugang in Form einer Holzbrücke oder eines Bohlenweges. Bei einer Grabung im Jahr 1960 auf der gegenüberliegenden Halbinsel im See fand man ebenfalls Keramik, die der in der Burg stark gleicht. Daher nimmt man an, dass hier eine Siedlung bestand, die zu der Burg gehörte. Vielleicht führte eine Brücke an einer Engstelle des Sees zu der Ringburg. Die Halbinsel mit der Siedlung liegt heute in Mecklenburg-Vorpommern, der Burgwall von Kittlitz in Schleswig-Holstein. Nach der Christianisierung des Gebietes entstand 1,5 km weiter südöstlich das Dorf Kneese im 12./13. Jahrhundert. Man vermutet, dass dieses Dorf aus der einstigen slawischen Siedlung samt Burg entstand, nachdem man die älteren Anlagen aufgeben musste. Einen kleinen Blog zum Burgwall findet ihr hier!

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Klein Gladebrügge

Klein Gladebrügge liegt im Landkreis Segeberg in Schleswig-Holstein. Im Jahre 1177 wurde der Ort erstmals schriftlich erwähnt, jedoch war er bereits in slawischer Zeit intensiv besiedelt wie Funde einer Slawenburg anzeigten. Diese wurde durch Ausgrabungen  Anfang der 1980 er Jahre bereits untersucht und ist demnach um das Jahr 900 herum zerstört worden. Man bezeichnet sie heute als "Ohlenborg". Von ihr ist heute nichts mehr oberirdisch erhalten. Sie lag direkt an der Tave westlich des Ortes und war so ideal auf natürliche Weise geschützt. Man kann sie zu den Burgen der slawischen Wagrier zählen.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Klempau

Etwa einen Kilometer nordnordöstlich des Ortes "Klempau Siedlung" (Landkreis: Herzogtum Lauenburg) liegen die verschliffenen Überreste einer früh- bis mittelslawischen Niederungsburg. Das bis heute beackerte Bodendenkmal wurde erst 1979 auf Luftbildern wiederentdeckt. Auch auf heutigen Google Maps Luftbildern ist der slawische Burgwall noch sehr gut zu erkennen. Demnach handelte es sich um einen gut 80 m großen Ringwall, der auf einer natürlichen Geländekuppe im "Klempauer Moor" errichtet wurde. Das moderne Luftbild lässt zudem vermuten, dass innerhalb der Befestigung ein kleiner Ringwall von etwa 40 bis 45 m Durchmesser lag. Im Nordwestareal des größeren Ringwalls zeichnet sich noch deutlich eine ring- bis ovalförmige Bodenverfärbung ab, die auf eine kleine, integrierte Hauptburg hindeuten könnte. Ob die frühslawische Burg von Klempau aber tatsächlich in der mittelslawischen Zeit mit einer kleinen Hauptburg ausgebaut wurde, muss die moderne Archäologie klären! Sicher nachweisen konnte man allerdings einen im Endstadium ca. 270 m langen und 2 m breiten Bohlenweg. Der dreiphasige Zugangsweg führte vom nördlichen Festland (östlich von Beidendorf) in gerader Linie zur Burganlage. Dieser Zugangsweg wurde im Vorfeld des Baus der Autobahn 20 im Jahre 2001 entdeckt. Bis 2002 kam es zu Rettungsgrabungen, bei denen der Zugangsweg genau datiert werden konnte. Die Archäologen konnten für die Zugangstrasse insgesamt drei Bauperioden der früh- bis mittelslawischen Zeit nachweisen.

Phase 1:

Der erste Zugangsweg bestand aus einer vierlagigen Rostkonstruktion aus Eichenholz, auf der anschließend ein 2,5 m breiter und 0,2 m hoher Sanddamm errichtet wurde. Die Hölzer, die dem Sanddamm als stabile Unterlage im Moor dienten, wurden im Sommer 760 und im Winter 760/61 gefällt. Der Sanddamm (Phase: 1a) hatte eine Länge von etwa 235 m und führte von einer Geländezunge östlich von Beidendorf zu einer natürlichen Geländekuppe im Klempauer Moor. Vermutlich lag anstelle der späteren Burg zuerst eine offene Siedlung, die über den Sanddamm mit dem nördlichen Festland verbunden war. Im Laufe der Zeit wurde der Sanddamm erneuert, indem man ihn um gut 10 cm erhöhte (Phase: 1b).

Phase 2:

Im Winter 790/91 wurde der alte Sanddamm zugunsten eines Bohlenweges aufgegeben. Zuvor erhöhte man die alte Trasse mit Sand- und Torfschichten und errichtete darauf einen gut 2 m breiten Weg aus Eichenspaltbohlen (Phase: 2 a). An den Seiten den Weges wurden ausgebeilte Holzstämme verlegt, in die die Belagbohlen eingelassen wurden. Damit der neue Zugangsweg nicht seitlich abrutschen konnte, wurden die ausgebeilten Holzstämme mit eingeschlagenen Pfosten fixiert. Diese Pfosten ragten noch bis zu 0,5 m über dem Bohlenbelag hinaus und könnten ehemals zu einem Geländer gehört haben. Im Sommer 834 wurde der Bohlenweg erneuert, indem man die Längsunterzüge und den oberen Deckbelag erneuerte (Phase: 2b). Vermutlich entstand der im Endstadium etwa 80 m große Ringwall von Klempau erst in der Zeit zwischen 790 und 834. Er gehört damit eher zu den kleineren, frühslawischen Befestigungen der "Feldbergzeit", die in den Jahrzehnten um 800 entstanden.

Phase 3:

Der dritte Zugangsweg wurde im Sommer 855 angelegt (Phase: 3 a). Über die alte Wegetrasse wurde eine dreilagige Rostkonstruktion errichtet, die mit Sand- und Torfschichten verfüllt und aufgehöht wurde. Darauf wurden bis zu 3 m lange Jochbalken aus Eichenholz errichtet, die mit über einen Meter langen, senkrecht eingeschlagenen Pfählen fixiert wurden. Auf diesen Jochbalken wurden Holzstangen aus Weichholz verlegt, die den oberen Belagbohlen einen stabilen Untergrund gaben. Der dritte Zugangsweg wurde um etwa 35 m nach Norden verlängert und ähnelte im oberen Aufbau einer slawischen Seebrücke, wie wir sie von den Burgwällen Groß Raden oder Behren-Lübchin (beide in Mecklenburg-Vorpommern) kennen. Allerdings besaß der dritte, etwa 2 bis 2,3 m breite Zugangsweg zur Klempauer Burg keine seitlichen, schräg eingelassenen Stützpfähle. Die nun über fast 100 Jahre lang genutzte und mehrmals erhöhte Zugangstrasse sank durch ihre Last immer mehr in den Moorboden ein. Zudem scheint der Grundwasserspiegel des Klempauer Moors im Verlauf des frühen 9. Jahrhunderts allmählich angestiegen zu sein. Aus diesem Grund mussten die Slawen die Zugangstrasse immer wieder aufhöhen, damit der Zugang zu ihrer Burg gewährleistet war. Um das Jahr 877 wurde der Zugangsweg ein letztes Mal erneuert (Phase: 3b). Vermutlich entstand in jener Zeit der kleine, etwa 40 bis 45 m große Ringwall innerhalb der älteren Befestigung. Die frühslawische Großburg von Klempau diente nun dem kleinen Ringwall als befestigte Vorburg (Vermutung). Da der Zugangsweg seit dem Jahr 877 nicht mehr grundlegend erneuert wurde, scheint die mittelslawische Burgsiedlung wohl schon um 900 aufgegeben worden zu sein. Erwähnenswert ist, dass die nur etwa 14 Kilometer weiter nördlich liegende Burgsiedlung von Alt-Lübeck im Jahre 817/19 errichtet wurde und damit zeitgleich mit der ersten Befestigung von Klempau bestand. Die Archäologen konnten auch in Alt-Lübeck einen Untergang am Ende des 9. bis späten 10. Jahrhunderts beobachten. Vermutlich gingen die Burgen vom Klempau und Alt-Lübeck durch ostfränkische oder innerslawische Unruhen zu Grunde. Die Alt-Lübecker Burg wurde im 11. Jahrhundert von den Slawen reaktiviert und entwickelte sich zu einer spätslawischen Burgstadt (bis 1127 Sitz des Obodritenfürsten Heinrich von Alt-Lübeck). Die früh- bis mittelslawische Klempauer Burg hat eine derartige Reaktivierung nicht mehr erlebt.


Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Lübeck/Alt-Lübeck

Der Burgwall von Alt-Lübeck war einst eine bedeutende obodritische Burganlage des 11./12. Jahrhunderts und gleichzeitig der Vorgänger der Hansestadt Lübeck. Die Anfänge dieser Burg reichen bis in die Jahre 817 bis 819 zurück, wie Dendrodaten und Keramikscherben des Sukower- und Feldberger Typs belegen. Zu dieser Zeit handelte es sich aber wahrscheinlich nur um eine normale Burganlage, die noch keinen burgstädtischen Charakter besaß. Die Wehranlage wurde strategisch günstig auf einer Halbinsel zwischen Schwartau und Trave angelegt. Westlich der Burg befand sich eine natürliche Erhebung mit einer offenen Siedlung, von der aus man über eine hölzerne Brücke zum Burgwall gelangen konnte. Am Südrand dieser Vorburgsiedlung bestand wahrscheinlich schon ein kleiner Bootshafen. Funde deuten darauf hin, dass der Burgwallort bereits im 9. Jahrhundert eine beachtliche Bedeutung im Fernhandel besessen hat. Erstaunlicherweise verlor der Ort im späten 9. bis späten 10. Jahrhundert seine Bedeutung und wurde möglicherweise sogar ganz verlassen. Erst im 11. Jahrhundert wurde der Burgwall samt den umliegenden Siedlungen wieder aufgebaut und erlebte eine neue Blütezeit. Es entstanden neue Kaufmanns- und Handwerkersiedlungen und auch christliche Institutionen konnte man durch Grabungen nachweisen. Wahrscheinlich entstand im Burgwall eine erste hölzerne Kirche unter dem christlichen Obodritenfürsten "Heinrich von Alt-Lübeck", der sich im Jahr 1093 nach der Schlacht von Schmilau die Herrschaft im Obodritenland sicherte und in dieser Burg residierte. Heinrichs Reich wuchs mit der Zeit immer weiter an. Gebiete der Lutizen, Kessiner, Zirzipanen, Pommeranen, Heveller und Sprewanen unterstanden ihm. Einen Angriff der slawischen Ranen auf Alt-Lübeck im Jahr 1100 konnte er erfolgreich abwehren. Sein Sohn Waldemar wurde 1123 von den Ranen ermordet, woraufhin Heinrich einen Winterfeldzug nach Rügen unternahm. Die Priester der Ranen kauften sich mit einer sehr hohen Summe frei. 1126 erlaubte Heinrich, dass sein Land missioniert werden darf und stellte dafür sogar die Kirche in Alt-Lübeck zur Verfügung, die mittlerweile schon aus Stein erbaut war. 1127 verstarb Heinrich, andere Quellen behaupten, dass er wegen seiner Christianisierungsversuche von aufständischen Slawen ermordet worden sei. Bald darauf wurde der Burgort an der Trave komplett aufgegeben und flussaufwärts in den Bereich der heutigen Altstadtinsel von Lübeck verlegt. Das Gelände der ehemaligen Burg Alt-Lübeck liegt heute als ausgeprägter Hügel südlich des Bahndamms in den Niederungsflächen der Trave. Sein Umfeld ist durch die vielfältigen Eingriffe in den Verlauf von Trave und Schwartau verändert worden. Der Burghügel wird als Grünland beweidet und ist sehr stark verschliffen. Kleinflächige, am Rande angesiedelte Röhrichtflächen weisen auf den einst ausgesprochen feuchten Standort hin. Der slawische Name der Burg war "Liubice", was soviel wie "die Liebliche" bedeutet. Ein Gedenkstein, sowie die wiederhergestellten Fundamentreste der einstigen Steinkirche, sind vor Ort noch vorhanden.

Erhaltungszustand: mittel

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Lübeck/Bucu

 

Die Burg "Bucu" wurde wahrscheinlich gegen Ende des 7. Jahrhunderts oder Anfang des 8. Jahrhunderts errichtet. Als der Slawenfürst "Gottschalk" 1066 in Lenzen erschlagen wurde, übernimmt "Kruto" nach harten Kämpfen die Herrschaft in "Wagrien". Er vernachlässigt den Ort "Liubice" und konzentriert sich traveaufwärts auf einen Werder zwischen Trave und Wakenitz, am Ort des späteren Burgklosters, auf die Wallburg "Bucu". Die wirtschaftlichen Funktionen werden gegen 1127 von "Liubice" auf den Stadthügel "Bucu" verlegt. 1143 gründete Adolf II. an dieser Stelle die heutige Stadt Lübeck. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Halbinsel durch den Bau des Elbe-Lübeck-Kanals und den Durchstich vor dem Burgtor mit der gesamten Lübecker Altstadt zur Insel. Die Anlage ist überbaut worden und heute nicht mehr erkennbar.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Moosbruch

Westlich von Moosbruch bei Sipsdorf-Lensahn befindet sich eine ehemalige slawische Ringburg. Sie wird heute im Volksmund "Sipsdorfer Schanze" genannt. Das wohl interessante an ihr ist, dass sie heute bewohnt wird. Die Größe der Anlage beträgt ca. 120 mal 140 m. Man vermutet, dass die Slawen hier schon vor dem Jahr 800 diese Wehrburg anlegten. Sie gehörte dann in die Zeit der großen Fluchtburgen, die bei kriegerischen Auseinandersetzungen den Menschen Schutz bot.

Erhaltungszustand: mittel

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Neuhorst

Unmittelbar östlich der heutigen Strasse nach "Neuhorst am Wall" befindet sich eine gut erhaltene frühslawische Ringwallanlage aus der frühen Slawenzeit. Sie wurde im 8. Jahrhundert vom slawischen Stamm der Polaben erbaut. Die etwa 90 m große Burg lag auf einer natürlichen Anhöhe, die von Niederungen umgeben war. Damit kann man hier von einer Höhenburg sprechen. Der Wall ist bis heute etwa 5 bis 6 m hoch erhalten geblieben. Die Befestigung überragt die ca. 60 m große innere Burgfläche um etwa 3 m. Im Volksmund nennt man den Burgwall heute auch den "Oldenburger Wall" (Olde Burg = Alte Burg). Der Durchstich an der heutigen Ostseite ist neuzeitlich, ebenso die schräge Rampe an der Südwestseite. An der Südseite des Walles wurde ein Teil abgetragen. Das ehemalige Zugangstor lag möglicherweise im Bereich einer Senke im südwestlichen Wallbereich. In den Jahren 1911 und 1949 wurde der "Oldenburger Wall" archäologisch untersucht. Nachgewiesen wurden zwei Kulturschichten, die durch eine Brandschicht voneinander getrennt waren. In zwei Abfallgruben lagen Knochen von Rind, Schwein und Ziege sowie Scherben slawischer Tongefäße des 8. bis frühen 9. Jahrhunderts. Das Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel führte geomagnetische Messungen durch. Hierbei stellte sich heraus, dass im Innenbereich der Burg keine Gebäude gestanden haben. Zwischen dem "Oldenburger Wall" und dem westlich gelegenen "Oldenburger See" lag eine unbefestigte slawische Siedlung, die mit der Burg gleichzeitig bestanden hat. In Kriegszeiten konnten ihre Bewohner Zuflucht innerhalb des Ringwalles suchen. Derartige Höhenburgen des 8./9. Jahrhunderts bestanden vor allem im Wilzengebiet in Ostmecklenburg. Diese gingen alle um/nach 850 unter. Wann der Burgwall Neuhorst "Oldenburger Wall" aufgegeben wurde ist unbekannt, dürfte aber auch in jener Zeit anzusiedeln sein. Ab dem späten 9. bis 12. Jahrhundert entstanden fast ausschließlich Niederungsburgen. Vermutlich hatte dies mit damaligen militärischen Gegebenheiten zu tun. Höhenburgen waren leichter angreifbar, daher verlegte man die neuen Burgen in schwer zugängliche Moore, Sümpfe oder auf Inseln.

Erhaltungszustand: gut

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Neustadt

Lage der Burg auf der Insel "Burg", nach R. Krüger 2017

Auf der ehemaligen Insel "Burg" im Neustädter Binnenwasser befand sich einst eine slawische Ringwallanlage. Hier siedelten damals die Wagrier, die zu den Obodriten gehörten. Ihre Wallanlage war 60 mal 70 m groß und noch 1 bis 2,5 m hoch. Sie stellte einen lokalen Fürstensitz dar. Heute ist davon allerdings nichts mehr sichtbar.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Neversdorf

Im "Neversdorfer See" befindet sich eine kleinere Insel, die im 11. und 12. Jahrhundert eine slawische Burganlage trug.  Viele Sagen und Legenden ranken sich um diesen Ort. So soll sich hier einst eine alte Schule befunden haben, zu der die Kinder mittels eines Bootes gebracht wurden. Eindeutig nachgewiesen ist nur die Slawenburg durch Keramikfunde. Wallreste sind erhalten geblieben. In der Slawenzeit lag diese Burg sehr weit im Westen des Obodritenlandes.

Erhaltungszustand: mittel

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Nütschau

Nur 1,8 km weiter nordwestlich vom Altfresenburger Burgwall befindet sich die sogenannte "Nütschauer Schanze" auf einem natürlich, bewaldetem Plateau. Es handelt sich dabei um eine bogenförmige Ringwallanlage von ca. 80 m Durchmesser und 2,5 m Höhe über Innenfläche. Noch heute kann man drei Tore erkennen. Bei Ausgrabungen konnte man feststellen, dass diese Burgtore ca. 3 m breit waren und aus massiven viereckigen Pfosten bestanden. Ob die Burg sächsischen oder aber slawischen Ursprunges ist, bleibt unklar. Man traf auf wenige slawische Scherben des 7. bis 8. Jahrhunderts. Die Burg lag in unmittelbarem Grenzgebiet zwischen Slawen und Sachsen an der Trave. Es kann sich auch um eine sächsische Burg handeln, die zeitweise von Slawen besetzt war. Die Burg ging auf jeden Fall in einer Feuersbrunst unter.   mehr Infos

Erhaltungszustand: gut

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Oldenburg/Holstein

  

In Oldenburg in Holstein lag die Hauptburg des wagrischen Stammes der Obodriten. Sie war kontinuierlich bis in spätslawische Zeit (11. bis Mitte 12. Jahrhundert) besiedelt. Die Burg besaß einen günstigen Anschluss an das früh- und hochmittelalterliche Verkehrsnetz, und zwar durch Landwege. Außerdem hatte sie durch den Oldenburger Graben, eine natürliche Senke, den doppelten Zugang über Wasser nach Osten und Westen zur Ostsee. Von dieser Verkehrslage dürfte auch das Umland profitiert haben. Das Gebiet nördlich und südlich des Oldenburger Grabens zeichnet sich nach den archäologischen Funden und der Ortsnamenkunde durch die Dichte seiner Besiedlung aus. Zur Zeit werden einige offene Siedlungen der slawischen Zeit der Region archäologisch untersucht, um einen besseren Einblick in die Struktur landnahmezeitlicher und nachfolgender ländlicher Siedlungskomplexe im Umfeld früher Burgwälle zu erhalten. Von den frühen Mittelpunktorten des Obodritenlandes, das sich im Osten bis hin zur Wismarer Bucht, dem Schweriner See und der oberen Warnow erstreckte, ist Starigard/Oldenburg am besten erforscht. Der Chronist Helmold von Bosau hat in Kapitel 12 seiner Slawenchronik die Lage dieses Ortes treffend charakterisiert und zugleich eine Namensdeutung gegeben. "Jenes Oldenburg, das in slawischer Sprache Starigard heißt, nämlich die alte Burg, liegt im Wagrierlande am Westteil des Baltischen Meeres und ist der äußerste Punkt Slawiens." Die mächtige zweiteilige Befestigung liegt als unübersehbares Bodendenkmal inmitten der heutigen Stadt Oldenburg. Sie stellt zusammen mit dem Wallmuseum - dort sind Funde und Befunde der langjährigen Ausgrabungen in der Burg und in vergleichbaren Anlagen der slawischen Nachbargebiete ausgestellt - ein attraktives Besucherziel dar. In der heute restaurierten Form entspricht sie jedoch der landesherrlichen Doppelburg und dem Sitz des Vogtes im 13. Jahrhundert, also einem Baustadium nach dem Ende der slawischen Besiedlung, die bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts aufhörte. Die älteste Anlage aus der Zeit um 700 bestand aus einem einfachen Ringwall, der in den Jahren um 800 nach Osten erweitert wurde. Große Pfostenbauten des 9. und 10. Jahrhunderts im östlichen Teil werden als Herrenhof und Sitz der Obodritenfürsten interpretiert. Ihre Hofhaltung richtete sich in Bauweise, im Handwerk, in der Kultur und im Gefolgschaftswesen an karolingischem Vorbild aus. Die Holzbauten stellen Nachahmungen von Steinbauten karolingischer Pfalzen dar. Die Anlehnung an karolingisches Vorbild führte jedoch nicht sofort zur völligen Annahme des Christentums. Die Taufe des Obodritenherrschers Slavomir im Jahre 822 blieb offenbar für die Annahme des Christentums durch die Obodriten folgenlos. Erst nach 934 - dem historisch überlieferten Taufjahr eines namentlich nicht bekannten Obodritenfürsten - oder um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde das Hauptgebäude des Herrenhofes von Oldenburg in eine Kirche umgewandelt. In ihrer Nähe ließen sich die Angehörigen der Oldenburger Oberschicht als deutliches Zeichen für ihren christlichen Glauben bestatten. Die Kirche ist wohl nicht mit der bischöflichen Kirche des 972 gegründeten Bistums zu identifizieren, sondern eher als Eigenkirche des Burgherrn zu interpretieren. Das Ende von Kirche und Gräberfeld fiel in das ausgehende 10. Jahrhundert und hing mit slawischen Aufständen seit 983 zusammen, die sich gegen das Christentum und die deutsche Oberherrschaft richteten. Nach der Zerstörung wurde die Kirche durch ein heidnisches Heiligtum ersetzt, in dessen Umkreis einige Schlachtopfer dargebracht wurden. Oldenburg und Groß Raden mit seinem Tempel im westlichen Mecklenburg vermitteln aufgrund archäologischer Forschungen bislang als einzige Orte Einblicke in das religiöse Leben und die Auseinandersetzung zwischen Heidentum und Christentum. Wichtige historische Brennpunkte, wie die Mecklenburg, die Brandenburg und Havelberg im äußersten Nordwesten des Slawenlandes lieferten in dieser Hinsicht noch keine Ergebnisse. Neben -oldenburg behielten die alten obodritischen Hauptburgen Mecklenburg und Ilow, beide schon im 8. Jahrhundert vorhanden, ihre Bedeutung bis zu den sächsisch-slawischen Kämpfen im fortgeschrittenen 12. Jahrhundert. Die Handelssiedlung Reric bei Groß Strömkendorf wurde jedoch schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts durch den dänischen König Göttrik zerstört und dann aufgegeben. Heute sind die Wälle der Oldenburg alle gut sichtbar und teilweise noch bis zu 18 m hoch.

Erhaltungszustand: sehr gut

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Wallmuseum:

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Pansdorf

Auf der östlichen Seite der Schwartau wurde vor etwa 1200 Jahren von den Slawen ein mächtiger Burgwall errichtet, der zum Schutz der Bewohner diente. Er erhebt sich ca. 20 m über das Flusstal und bietet besonders in den kälteren, vegetationsärmeren Zeiten eine eindrucksvolle Erscheinung. Wie die meisten anderen slawischen Burgwälle dieser Zeitepoche hat er einen Durchmesser von etwas mehr als 100 m. Die Wallhöhe beträgt noch 5-8 m über dem umgebenden Gelände. Im südlichen Teil befand sich ein Tor, durch welches man in den Innenbereich eintreten konnte. Im Süden lag auch die Vorburgsiedlung, worauf der alte Flurname „Ohlborg“ hinweist. In den Jahren 1927 bis 1929 führte eine Gruppe junger Lehrer unter der Anleitung von C. Rothmann Ausgrabungen durch, zu denen jedoch Teile der Dokumentation fehlen. Auch die Lage der Schnitte ist nicht genau gesichert. Das aufgefundene Material, vor allem Scherben von Keramikgefäßen, stützt jedoch die Annahme, dass es sich um eine slawische Burg handelt und lässt eine genauere Datierung in das 8. und 9. Jahrhundert zu. Dieser Burgwall ist also eine klassische Fluchtburg der altslawischen Zeit. Wer sich diesen Wall gerne mal näher ansehen möchte, muss leider zu Fuß aus von Pansdorf seine Erkundung starten. Der ehemalige Siedlungsplatz ist nicht mit dem Auto zu erreichen, wird aber durch Hinweisschilder vom Dorf aus begleitet. Die Luftlinie von Pansdorf zum Burgwall beträgt ca. einen Kilometer in westliche Richtung.

Erhaltungszustand: sehr gut

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Plön

„Olsborg“

Im bis zu 60 m tiefen „Großen Plöner See“ befindet sich die sogenannte Insel „Olsborg“. Die heute bewaldelte Insel liegt etwa 150 m vom Ufer entfernt und erreicht eine Ausdehnung von 2600 m². Mit hoher Wahrscheinlichkeit lag auf diesem Eiland das von „Adam von Bremen“ und „Helmold von Bosau“ erwähnte „Castrum Plune“. Es handelte sich dabei um eine stark befestigte Inselburg der slawischen Wagrier samt einem Heiligtum. Diese Inselburg wurde vermutlich bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet. Die Burg gehörte später zum Einflussbereich des bereits christlichen Obodritenherrschers „Gottschalk“. Im Jahre 1066 kam es zu einem slawischen Aufstand, in dessen Verlauf „Gottschalk“ in der Burg Lenzen an der Elbe (Burgwall Lenzen „Burgberg“ in Brandenburg) erschlagen wurde. Der heidnische Fürst „Kruto“ übernahm nun das Obodritenland und ließ alle von Gottschalk errichteten Kirchen im Land zerstören. Im Jahre 1075 wollte der vertriebene Sohn Gottschalks „Budivoj“ das Land seines Vaters zurückgewinnen und zog mit einem kleinen bardischen Heer in das Obodritenland. „Kruto“ wusste von diesem Unternehmen und lockte „Budivoj“ in einen Hinterhalt. Als „Budivoj“ nach Plön kam, fand er die dortige Inselburg verlassen vor und ließ sie besetzen. In der Burg soll sich laut der Überlieferung eine deutsche Frau befunden haben, die von „Krutos“ Plänen wusste. Sie berichtete „Budivoj“, dass er in eine Falle getappt war und am nächsten Morgen mit einem großen Angriff der heidnischen Slawen unter „Kruto“ zu rechnen sei. „Budivoj“ beruhigte die Frau und sagte, dass er doch ein großes bardisches Heer bei sich hätte. Tatsächlich erschienen am nächsten Morgen tausende Slawen unter der Führung des „Kruto“, die bald darauf begannen, die Inselburg zu belagern. Nachdem die Vorräte in der Burg zuneige gingen, kam es zu Verhandlungen mit den heidnischen Belagerern. „Budivoj“ versprach unbewaffnet die Burg gegen ein Lösegeld zu verlassen, wenn man ihm und seinen Leuten das Leben schenken würde. „Kruto“ versprach dies und das Burgtor wurde geöffnet. Die Unterlegenen kamen unbewaffnet über die Brücke zum Festland und versammelten sich vor „Kruto“. Plötzlich kam eine sehr angesehene Frau aus der Burg geeilt, die „Kruto“ berichtete, dass sie und weitere Frauen von den Eingeschlossenen missbraucht worden seien. „Kruto“ war darauf so erzürnt, dass er „Budivoj“ samt seinen Mannen töten ließ.  Die Inselburg „Plune“ war nach diesen überlieferten Begebenheiten noch bis 1139 in Nutzung, bis sie endgültig zerstört wurde. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen zeigen an, dass die heutige Insel zur Slawenzeit bedeutend größer war. Anscheinend wurde die Insel schon ab der Mitte des 10. Jahrhunderts als einfache Inselsiedlung genutzt. Die Besiedlung der Insel scheint sich in allen Phasen aber immer nur auf die Inselmitte konzertiert zu haben! Bereits in der Slawenzeit gab es natürliche Schwankungen des Seespiegels, die Teile der Insel immer wieder überflutet haben. Die nachgewiesene 120 bis 130 m lange Brücke verlief von der Insel nach Norden zum Festland und überquerte dabei eine Wassertiefe von etwa 10 bis 12 m. Die Untersuchungen auf der Insel haben allerdings bis heute keine eindeutigen Wallbefestigungen feststellen können. Da die Insel durch einen früheren hohen Wasserspiegel zeitweise völlig unter Wasser lag, dürften einstige Erdwälle so abgetragen worden sein. Der Name der Insel „Olsborg“ stammt übrigens aus der Neuzeit. Im Mittelalter wurde die Insel als „Alesborch“ oder „Aelsborch“ bezeichnet.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Pöppendorf

"Pöppendorfer Ringwall"

Etwa 150 m westlich von Pöppendorf (Hansestadt Lübeck, Ortsteil: Kücknitz) liegen die sehr gut erhaltenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das Bodendenkmal trägt heute den Flurnamen "Pöppendorfer Ringwall". Es handelt sich um einen leicht ovalförmigen Burgwall, der noch einen maximalen Außendurchmesser von bis zu 120 m erreicht. Nach außen ist die Befestigung noch 8 bis 12 m hoch erhalten geblieben. Der baumbestandene Ringwall überragt den höher liegenden Burginnenraum um 3 bis 6 m. Das einzige Zugangstor lag im Nordosten und ist noch heute durch eine markante Wallsenke erkennbar. Die slawischen Erbauer vom Stamm der "Wagrier" suchten sich für die Burg einen flachen Höhenrücken aus, der im Norden, Westen und Osten von einer sumpfartigen Niederung umgeben war. Ganz am Nordende dieses Höhenrückens lag eine natürliche Geländekuppe, die von den Slawen mit einem Ringwall befestigt wurde. Im Norden zur schützenden Niederung war der Burgwall geringer aufgeschüttet gewesen. Ein feindlicher Angriff war durch die Geländesituation auch eher von Süden über den natürlichen Höhenrücken zu erwarten. Zu dieser Seite war der Burgwall am stärksten befestigt und ist dort nach außen noch bis zu 12 m hoch. Interessanterweise konnte man bis heute keinen äußeren Burggraben nachweisen. Ob es einen solchen gab, muss die moderne Archäologie klären! Direkt südwestlich der Burg scheint eine offene Vorburgsiedlung gelegen zu haben. Hier lagen sicher die Wohn- und Arbeitsstätten von Handwerkern, Händlern und sonstigen Bediensteten, die dem Burgherren unterstanden. Der Burgwall von Pöppendorf war der stark befestigte Sitz eines slawischen Lokalherren, der die nähere Umgebung politisch und militärisch verwaltete. Leider wurde der Ringwall in der Neuzeit im Westen teilweise abgetragen. Die dabei vorgefundenen Keramikscherben konnten der mittelslawischen Zeit zugeordnet werden. Der Burgwall ist demnach eine Befestigung des 10. Jahrhunderts gewesen. Etwa sieben Kilometer südwestlich des "Pöppendorfer Ringwalls" liegt der abgetragene Burgwall von Alt-Lübeck (Burgwall "Liubice"). Nach Dendrodaten zu urteilen, entstand der erste Burgwall von Alt-Lübeck um 817/819 und wurde um 900 vorerst aufgegeben. Es ist möglich, dass der um 900 angelegte "Pöppendorfer Ringwall" eine mittelslawische Nachfolgeburg vom frühslawischen Burgwall "Liubice" war. Eine weitere, vermutlich mittelslawische Niederungsburg lag etwa 10 Kilometer leicht nordöstlich von Pöppendorf bei Feldhusen in Mecklenburg-Vorpommern (Burgwall Feldhusen "Schlossberg" bzw. "Harkenwall", Landkreis: Nordwestmecklenburg). Der gut 90 m große Burgwall von Feldhusen hatte eine auffallend ähnliche Lagesituation wie der "Pöppendorfer Ringwall". Auch er lag ganz am Nordende eines natürlichen, halbinselartigen Geländerückens, der von einer seeartigen Niederung umgeben war. Ob der Burgwall von Feldhusen ebenfalls noch zum Stammesgebiet der "Wagrier" gehörte, entzieht sich meiner Kenntnis. Heute geht man davon aus, dass der mehrmals erneuerte "Pöppendorfer Ringwall" das Jahr 1000 nicht mehr erlebt hat. Interessanterweise wurde der verlassene Burgwall von Alt-Lübeck (Liubice) im frühen 11. Jahrhundert reaktiviert. "Liubice" entwickelte sich ab dem späten 11. Jahrhundert zu einer bedeutenden spätslawischen Burgstadt. Der bereits christliche Obodritenfürst "Heinrich von Alt-Lübeck" residierte dort von 1093 bis zu seinem Tod im Jahre 1127. Wer den noch sehr sehenswerten "Pöppendorfer Ringwall" heute besuchen will, sollte sich die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Gleich südlich des Bodendenkmals führt heute die moderne Strasse "Am Ringwall" entlang. Von dort aus ist der Ringwall über einen hölzernen Treppenweg aus gut begehbar.

 

Erhaltungszustand: sehr gut

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Ratzeburg

 

Die Stadt Ratzeburg leitet ihren Namen von der slawischen "Racesburg" des Polabenfürsten "Ratibor", genannt "Ratse", ab. Dieser Fürst residierte hier im frühen 11. Jahrhundert in der wahrscheinlich von ihm in Auftrag gegebenen Inselburg. Diese Burg wurde erstmals in einer in Worms ausgestellten Urkunde im Jahre 1062 erwähnt. Darin wird erwähnt, dass "Ratse" die Burg dem Billungerherzog "Ordulf" schenkte. Die slawische Göttin "Siwa" soll in der Burg verehrt worden sein. Auch Adam von Bremen erwähnt 1076 das damals slawische Ratzeburg bei seiner Beschreibung des Todes von Ansverus am 15. Juli 1066 auf dem Rinsberg bei Einhaus über dem Ratzeburger See. 1066 gab es nämlich einen großen Slawenaufstand gegen die Sachsen, bei dem viele schon bestehenden christlichen Kirchen teilweise zerstört und viele Geistliche getötet wurden, wie eben auch der 28 jährige Ansverus. In drei Anläufen erfolgte dann die Christianisierung. Die Stadtgründung und endgültige Etablierung des Bistums erfolgte 1154 durch Heinrich den Löwen. An Heinrich von Bodewide, den ersten Grafen von Ratzeburg, erinnert ein Gedenkstein, der nach 1163 aufgestellt wurde. Der Stein befindet sich auf der Dominsel, auf der sich auch die einstige Slawenburg befand.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Scharstorf

"Wallwiese"

Etwa 500 m südsüdöstlich von Scharstorf (Kreis Plön) liegen die Überreste einer zweigliedrigen mittelslawischen Niederungsburg. Das auf einer gabelförmigen Landzunge liegende Bodendenkmal trägt seit langer Zeit den Flurnamen "Wallwiese". Es handelt sich um einen gut 160 m langen, leicht bogenförmigen Abschnittswall, der eine im Scharsee liegende, gut 400 m lange Halbinsel nach Osten hin abriegelte. Etwa 175 m leicht südwestlich des Abschnittswalles lag ein etwa 75 x 55 m großer Ringwall, der die eigentliche Hauptburg darstellt. Damit war die Niederungsburg von Scharstorf im Endstadium zweigliedrig. Im Jahre 1886 fand ein Dorflehrer mit seiner Schulklasse zahlreiche Keramikscherben und Tierknochen auf der Halbinsel. In den Jahren 1890, 1959 und 1972 kam es zu größeren archäologischen Ausgrabungen, die zu folgenden Erkenntnissen kamen (Stand: 2019):

Phase 1:

Die slawische Besiedlung der Halbinsel geht vermutlich schon auf die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts zurück. Die Archäologen fanden im späteren Vorburgareal allerdings ein Bauholz, das auf das Jahr 770 datiert werden konnte. Diese frühe Datierung wird heute allerdings eher kritisch angesehen, da die dendrochronologischen Untersuchungsmethoden in den frühen 1970 er Jahren noch sehr ungenau waren. Es ist auch möglich, dass dieses Bauholz aus einer älteren Siedlung stammte und später sekundär verwendet wurde. Die wahrscheinlich schon zum Stamm der "Wagrier" gehörenden Einwohner befestigten die natürliche Halbinsel zur Ostseite zuerst nur mit einem einfacheren Flechtwerkzaun. Die erste Siedlung war ein nur leicht befestigtes mittelslawisches Dorf in natürlicher Schutzlage am bis zu 36 ha großen Scharsee. Vermutlich erfolgte der Zugang zur Siedlung über einen langen aufgeschütteten Erddamm.

Phase 2:

Im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts wurde der einfache Flechtwerkzaun durch einen gut 160 m langen Abschnittswall ersetzt. Dieser leicht bogenförmige "Riegelwall" war mindestens 4 m hoch, 8 m breit und besaß an der Außenseite einen wasserführenden Graben. Der mächtige Vorburgwall schützte ein Areal von etwa 1,1 ha Fläche. Zeitgleich oder kurz nach der Fertigstellung des Vorburgwalles errichtete man am Südende der Halbinsel einen kleinen rundovalen Ringwall von etwa 75 x 55 m Außendurchmesser. Ein geschotteter Dammweg führte durch das Vorburggelände zum kleinen Burgwall. Die Seeseiten des Vorburgareals waren anscheinend mit hölzernen Flankenbefestigungen gesichert. Diese Konstruktion sollte sicher feindliche Angriffe vom See her abhalten. Das tunnelartige Tor der kleinen Hauptburg lag an der Südseite zum See hin. Zum Schutz des Burgtores errichteten die Slawen am Südrand der Hauptburg eine bogenförmige Uferpalisade. Diese Konstruktion sollte ebenfalls einen feindlichen Angriff gegen vom See her kommende Feinde abhalten. Man kann vermuten, dass die Burgsiedlung in den wärmeren Jahreszeiten ausreichend durch das Gewässer geschützt war. In harten Wintern konnte der nur 2,9 m tiefe Scharsee zufrieren, sodass ein feindlicher Angriff auch vom See zu erwarten war. Aus diesem Grund musste man das Burgtor zusätzlich sichern. Eine bermenartige Uferbefestigung konnte auch am Burgtor des mittelslawischen Burgwalls von Groß Raden in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet werden. In der kleinen Hauptburg von Scharstorf residierte sicher ein lokaler Häuptling von Stamm der Wagrier. In der Vorburgsiedlung lagen kleine Wohnhäuser in Blockbautechnik, rechteckige Grubenhäuser, Freiluftherde und Speicherbauten. Die Bewohner bearbeiteten Eisen, Geweihe und Knochen. Man ging auch Textil- und Töpferarbeiten nach. Auch der Fischfang scheint eine wichtige Rolle zur Nahrungsmittelversorgung gespielt zu haben. Ein kleines Holzidol mit eingeschnitztem Kopf deutet auf religiöse Kulthandlungen in der Burgsiedlung hin. Neben mittelslawischen Keramikscherben wurde auch ein Holzspaten, ein Reitersporn und Eisengerät zur Holzbearbeitung geborgen. Die Erzeugnisse der Handwerker aus der Vorburgsiedlung scheinen nicht für einen überregionalen Handel produziert worden zu sein. Die angefertigten Produkte wurden vermutlich überwiegend für den Eigenbedarf hergestellt. Nach Dendrodaten zu urteilen, existierte der kleine Ringwall von 875 bis um 900. Ob die Befestigungen der Vor- und Hauptburg nach ihrer Errichtung noch einen finalen Ausbau erlebten, bleibt fraglich.

Heute ist vor allem noch der 160 m lange Vorburgwall gut erhalten geblieben. Er ist noch bis zu 2,5 m hoch und 20 bis 25 m breit. Der kleine Ringwall ist durch die landwirtschaftliche Nutzung des Areals stark niedergeackert worden. Bis heute dient das gesamte Burgareal als Weideland.

Erhaltungszustand: Vorburgwall: gut, Ringwall: mittel

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Sirksfelde

Die Burganlage "Wallberg" auch "Sirksfelder Schanze" genannt ist ein slawischer Ringwall aus dem 8./9. Jahrhundert. Mit etwa hundert Meter Durchmesser liegt dieses archäologische Denkmal etwa einen Kilometer südlich des Ortes, westlich neben der L200. Auf Grund archäologischer Funde wurde festgestellt, dass die Grenzburg wohl nur kurz genutzt wurde. Unklar ist, ob mit der Grenzfestlegung des Limes Saxoniae um 810 die Burg an Bedeutung verlor.

Erhaltungszustand: sehr gut

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Stendorf

Ungefähr 600 m nordwestlich vom kleinen Dorf Stendorf liegen die Überreste einer wahrscheinlich slawischen Burganlage. Zeitlich konnte man sie bisher nicht einordnen, da noch keine Untersuchungen vor Ort stattgefunden haben. Sie wurde auf einen kleinen natürlichen Berg angelegt und kann nicht sehr groß gewesen sein. Heute ist der gesamte Hügel bewaldet.

Erhaltungszustand: mittel

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Stöfs

1. Alte Burg

Auf einem bewaldeten Höhenzug am südwestlichen Ufer des großen Binnensees befinden sich die Reste einer großen Wallburg. Dieser Höhenzug ist auf der einen Seite durch den See umgeben, auf der anderen Seite umspült ihn der Fluss Kossau, der dann auch in den See mündet. Damit war diese einstige Burg sehr gut geschützt. Ausgrabungen haben hier nie stattgefunden und es ist auch nicht bekannt, wer diese Anlage einst errichtete. Zu vermuten ist aber eine ganz alte slawische Fluchtburg, die kurz nach der Einwanderungszeit im 7./8. Jahrhundert angelegt worden ist und nicht über das 9. Jahrhundert hinaus bestand. Die Burg verfügt über halbkreisförmige Doppelwallanlagen. Der Gesamtdurchmesser beträgt ca. 210 m zwischen den äußersten Wallbefestigungen. Am südwestlichen Ende des Burgwalles befinden sich Hügelgräber, die wahrscheinlich in die Burgzeit gehören.

Erhaltungszustand: gut

Lage

2. Abschnittswall

Auf dem gleichen Höhenrücken befindet sich gute 700 m weiter nordöstlich eine weitere Burganlage. Sie ist allerdings nicht so groß und hat nur einen Abschnittswall von noch 1,5 m Höhe mit davor liegendem Graben vorzuweisen. Allerdings wurden hier schon mittelslawische Scherben des 9./10. Jahrhunderts gefunden. Somit bestand diese Wallburg nach Aufgabe der "Alten Burg". Interessant ist die Lage der Burg. Sie befindet sich ganz am nordöstlichen Ende des Höhenrückens. Hier fällt das Gelände zum See hin stark ab. Ähnliche Anlagen findet man am Kap Arkona auf Rügen, oder in Feldberg, ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern. Möglich ist hier also eine Art Kultburg, die oft nach Nordost bis Ost ausgerichtet waren.

Erhaltungszustand: gut

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Strenglin

Ungefähr 1600 m west-süd-westlich des Dorfes Strenglin befinden sich die Reste einer slawischen Burg aus dem 9. Jahrhundert. Sie ist auf dem Luftbild deutlich zu erkennen. Sie hat heute noch einen ovalen Durchmesser von 110 bis 140 m. Diese Anlage dürfe zum Stamm der "Wagrier "gehört haben, die wiederum zu den Obodriten gehörten.

Erhaltungszustand: mittel

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Süsel

Der Burgwall liegt am Nordufer des "Süseler Sees". Die Hauptburg misst etwa 70 bis 95 m Durchmesser. Der Wall wurde allerdings im 19. Jahrhundert größtenteils abgetragen, sodass er heute nicht so eindrucksvoll wirkt wie zur Slawenzeit. Damals war er ca. 8 m hoch. 60 m von der Hauptburg entfernt liegt ein bogenförmiger, jedoch ebenfalls stark abgeflachter Vorwall, der die Vorburg gegen das nördlich anschließende flache Gelände schützt. Ausgedehnte Untersuchungen haben innerhalb der Burg noch nicht stattgefunden, Lesefunde stammen aber aus allen slawischen Besiedlungsphasen. Spätslawische Keramik (11./12. Jahrhundert) ist dabei nur spärlich vertreten. Der Burgwall wurde vermutlich im 9./10. Jahrhundert angelegt und stellte einen Herrschaftssitz eines lokalen Fürsten dar. Für kurze Zeit tritt der Burgwall im 12. Jahrhundert noch einmal ins Licht der Geschichte: Helmold von Bosau berichtet in seiner Slawenchronik von einem Überfall der Slawen auf friesische Kolonisten, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts von Graf Adolf II. von Schauenburg zur Besiedlung ins Land geholt worden waren. Der verlassene mittelslawische Burgwall wurde vermutlich von den Friesen kurzzeitig als Burg reaktiviert und neu befestigt.

„Als die Slawen das Land Wagrien nach Belieben mißhandelt hatten, kamen sie zuletzt in den Bezirk Süsel, um die dortige Friesensiedlung zu verheeren, die man auf mehr als 400 Männer anschlug. Bei Ankunft der Slawen fanden sich aber kaum hundert in der kleinen Befestigung, da die übrigen in die Heimat zurückgekehrt waren, ihr dort hinterlassenes Vermögen zu ordnen. Nachdem nun in Brand gesteckt war, was außerhalb lag, drohte denen innerhalb der Feste eine erbitterte Belagerung: 3000 Slawen bedrängten sie hart den ganzen Tag über, den sicheren Sieg vor Augen, während sie ihre letzte Hoffnung darauf setzten, den Kampf hinzuziehen. Sobald die Slawen aber sahen, daß ihnen kein unblutiger Sieg winkte, versprachen sie den Friesen Leben und Gesundheit, wenn sie aus der Feste kämen und die Waffen ablieferten. Da begannen einige der Belagerten nach Übergabe zu verlangen, um ihr Leben zu retten. Ihnen trat der wackere Priester entgegen und sagte: ‚Was wollt ihr tun, Männer? Meint ihr durch Übergaben das Leben zu retten? Meint ihr, die Barbaren halten Wort? Landsleute, ihr irrt, das ist ein törichter Gedanke! Wißt ihr nicht, daß unter allen Einwanderern kein Stamm den Slawen verhaßter ist als die Friesen? Wirklich, unser Geruch ist ihnen Gestank! […] Stoßt eure Schwerter, die sie von euch fordern, zuvor in ihr eigenes Mark und seid die Rächer eures Blutes. Euren Todesmut sollen sie schmecken und nicht ohne Blutzoll siegreich heimkehren!’ Mit diesen Worten zeigte er ihnen sein unverzagtes Herz, warf sich vor das Tor und schlug mit einem einzigen Gefährten Scharen von Feinden zurück. […] Das erfuhr der Graf, er sammelte ein Heer, um die Slawen zu bekämpfen und aus seinem Lande zu vertreiben. Auf die Kunde hiervon kehrten die Slawen zu ihren Schiffen zurück und fuhren mit den Gefangenen und der reichen Habe davon, die sie im Lande der Wagrier erbeutet hatten.“

Erhaltungszustand: gut

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Warder

Im "Wardsee", etwa 150 m südöstlich der Kirche in Warder, liegt eine sehr kleine, mit Eschen bestandene Insel. In slawischer Zeit befand sich hier eine noch sichtbare Wallbefestigung. Mit einem Innendurchmesser von 30 mal 42 m war sie auffallend klein. Man vermutet daher eine besondere Aufgabe in der Anlage, z.B. eines Herrensitzes. Später lag auf der Insel vielleicht das von Helmold von Bosau überlieferte "Nezenna". Dabei handelte es sich um einen von zwei Edelhöfen des damaligen Bischofs Wago aus dem 10. Jahrhundert. Slawisch "Nincina" bedeutet Insel und entspricht dem deutschen Wort "Warder" für Insel.

Erhaltungszustand: mittel

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