Slawische Burganlagen in Neubrandenburg (4)


Bacherswall, Fischerinsel, Hanfwerder, Ravensburg


Bacherswall in der Lieps

Seit langer Zeit wird das südliche Tollensesee-Lieps-Gebiet mit dem sagenumworbenen Slawenheiligtum "Rethra" identifiziert, auch wenn abschließende Beweise dafür leider immer noch nicht ganz erbracht sind. Sicher ist jedoch, dass der Burgwall auf der Südspitze der Halbinsel Nonnenhof, die weit in den See hinein ragt, die erste Wehranlage der Slawen im Liepsgebiet war. Man bezeichnet sie heute als "Bacherswall" (Fundplatz: Neubrandenburg 34). Erste schriftliche Hinweise auf den Wall bekommen wir aus dem Jahre 1652, wo diese Stelle als "Bacherwalde" bezeichnet wird. Um 1750 wurde die Größe der Wallburg noch mit 795 m² angegeben. Zu jener Zeit war der Burgwall schon seit langer Zeit zu sehr großen Teilen überspült, woran der mittelalterliche Aufstau durch eine Neubrandenburger Mühle, sowie ein natürlicher Grundwasseranstieg verantwortlich waren. Der slawenzeitliche Seespiegel dürfte um die 1,5 m tiefer gelegen haben. Eine erste begrenzte wissenschaftliche Untersuchung der Burg nahm der Pastor Franz Boll aus Neubrandenburg im Jahr 1850 vor. Er berichtete, dass der Rest der  Burgwallfläche und die sogenannte "Große Horst", die sich nördlich vor dem Burgwall befindet, seit geraumer Zeit als Kartoffelacker genutzt wurden. Dadurch wurde der Burgwallrest so gut wie abgetragen. 1904-1905 untersuchte der Wasserbauingenieur G. Oesten im Zuge seiner Rethrasuche auch den Bacherswall und konnte mittels Bohrungen feststellen, dass die einstige Burgfläche rundlich und ca. 10.500 m² groß war. Davon lagen 1905 aber bereits 9000 m² unter Wasser. Heute hat der kaum erkennbare Wallrest noch eine Länge von 40 m. Oesten ermittelte damals, dass der Wall einst leicht bogenförmig und um die 140 m lang gewesen sein muss. Zusätzlich entstand beim Bau der Burg ein breiter  Graben an der Nordseite des Walles. Dadurch wurde der Burgwall vermutlich zu einer künstlichen Inselburg. Auf der großen Schmettauschen Karte aus dem Jahr 1780 ist der Bacherswalll als kleine Insel eingetragen. Im August 1963 nahm das Museum für Ur- und Frühgeschichte Schwerin unter Leitung von Adolf Hollnagel einen Wallschnitt vor. Dabei stellte man fest, dass der Burgwallrest innerlich durch die frühere landwirtschaftliche Nutzung stark gestört war. Er bestand aus einer für die Slawen typischen Holz-Erde-Kastenkonstruktion mit inneren Lehmkern. Auf der nördlich gelegenen "Großen Horst" konnten vereinzelt Siedlungsspuren, wohl von der unbefestigten zeitgleichen Vorburgsiedlung, ermittelt werden. In den Jahren 1976-1981 untersuchte der Archäologe Volker Schmidt im Zuge seiner Rethraforschungen auch den überfluteten Bereich des Bacherswalls. Dabei wurden 14 Herstellen, viele Tierknochen, etliche Kilogramm Keramik und diverse Kleinfunde ermittelt. Der Bacherswall ist nach den Ergebnissen eindeutig eine frühslawische Burganlage der Wilzen, die ihren Höhepunkt im 9. Jahrhundert hatte. Sie ging vermutlich, wie alle Großraumburgen dieses Stammes, spätestens im frühen 10. Jahrhundert unter. Die Gründe dafür dürften mit den Eroberungszügen der Franken gegen die Wilzen zu tun gehabt haben. Ungefähr 40 m von der Südspitze der Halbinsel Nonnenhof in Richtung Insel Kietzwerder wurden weiterhin vereinzelt Pfähle im Seegrund festgestellt, die eine Brücke andeuten. Da auch einige mittel- und spätslawische Scherben im überfluteten Bereich der Burg gefunden wurden ist zu vermuten, dass es zumindest im 9. bis 12. Jahrhundert eine Brückenverbindung von der Insel Kietzwerder zum Bacherswall gab. Eine begrenzte spätere Nutzung des Bacherswalls als kleine Siedlung (oder Burg?) ist durch die wenigen Keramikfunde des 9. bis 12. Jahrhunderts nicht ausgeschlossen. Handelt es sich hier gar um die lang gesuchte Rethraburg? Immerhin war der Bacherswall die einzige Befestigung in der Lieps im 8. bis 10. Jahrhundert.

Im Jahre 2002 war ich persönlich mehrere Male mit einem Bekannten am Bacherswall. Dabei fanden wir im Schilfbereich einen bearbeiteten Stamm. Er lag ganz unter Wasser und unser Schlauchboot stieß mit ihm zusammen. Er war geschätzte vier Meter lang und an einem Ende angespitzt. Stammt dieser vielleicht aus der Slawenzeit? Bilder davon könnt ihr in der Galerie sehen.

Literatur:

Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Fischerinsel im Tollensesee bei Wustrow

Am Südende des großen Tollensesees liegt nahe des Westufers eine langgestreckte bewaldete Insel, die schon seit langer Zeit als "Fischerinsel" bezeichnet wird (Fundplatz: Neubrandenburg 35). Noch bis vor wenigen Jahrzehnten diente ein im Jahre 1729 erbautes Haus auf der Insel als Übernachtungsmöglichkeit für die Fischer aus der näheren Umgebung. Seit dem Jahre 1867 rückte die Insel in den Fokus der archäologischen Wissenschaft. Der Schweriner Archivrat Wilhelm Gottlieb Beyer vermutete damals als erster, dass die redarische Kultburg Rethra nur auf der Fischerinsel gestanden haben kann. 1887 sprach sich der Archivrat F. Schildt entschieden gegen diese Theorie aus und deutete auf der Insel das "Castrum Wustrowe". Dabei handelte es sich um eine spätslawische/pommersche Gauburg aus dem 12./13. Jahrhundert samt Vorburgsiedlung an Land, die in einer Urkunde des Klosters Broda aus dem Jahre 1170 schriftlich erwähnt wurde. Heute ist man sich sicher, dass diese Urkunde eine Fälschung war und nicht vor 1244 entstanden sein konnte. F. Schildt erwähnte weiterhin, dass im Jahre 1886 im festen Wiesengelände beim heutigen Dorf Wustrow beim Torfstechen Reste einer Pfahlbrücke gefunden wurden, die zu der einstigen Inselburg führte. Die Brücke lag 0,80 m bis 0,85 m unter der damaligen Wiesenoberfläche und war 2,25 m bis 2,75 m breit. F. Schildt meinte zudem, noch schwache Wallreste am Nordrand der Insel erkannt zu haben. In den folgenden Jahren schlossen sich langjährige Auseinandersetzungen der Gelehrten über die Deutung der mittelalterlichen Schriftquellen über Rethra in Bezug auf die Fischerinsel an, ohne zu einem übereinstimmenden Ergebnis zu kommen. Ab 1904 beschäftigte sich der Wasserbauingenieur G. Oesten, der zuvor schon im Bereich Feldbergs nach dem Kultort Rethra suchte, mit größeren Ausgrabungen auf der Fischerinsel. Dabei stellte er einen Holzrost und eine künstliche Uferbefestigung fest. Auch die 1886 entdeckte Brücke im Wiesengelände bei Wustrow untersuchte er an mehreren Stellen. Er konnte nachweisen, dass vor dem landseitigen Beginn der hölzernen Brücke eine ca. 30 m lange Dammschüttung bestand. Die Brücke verlief dann ca. 200 m geradeaus in Richtung Osten bis zum heutigen Seeufer. In diesem Bereich stellte der Ausgräber ein massives Gebäude an der Brücke fest, das Nord-Süd orientiert war und wahrscheinlich ein stark befestigtes Brückentorhaus darstellte. Hinter diesem Gebäude konnte Oesten die geradlinige Brücke noch weitere 40 m in Richtung Osten verfolgen. Mit zahlreichen Bohrungen im Inselbereich konnte er zudem nachweisen, dass die Inselfläche vor dem mittelalterlichen Anstau des Tollensesees weitaus größer war. Nach seinen Aussagen erstreckte sich die Insel in der Slawenzeit noch 150 m weiter nach Norden und erreichte dort eine Breite von 30 bis 40 m. Heute ist die feste Inselfläche ca. 4.100 m² groß, hatte ursprünglich aber eine Ausdehnung von 14.000 m². An der überspülten Westseite der Fischerinsel entdeckte Oesten eine 12 m lange Reihe von starken Holzpfählen und Langhölzern parallel zum 7 m entfernt liegenden damaligen Inselufer, die dann rechtwinklig zur Insel einbog. Dort konnte er einen gut 25 m² großen Holzfußboden freilegen. Oesten glaubte, hier ein größeres Gebäude mit drei Räumen erkannt zu haben. In einem dieser Räume lag ein ganzes Pferdeskelett, so dass der Ausgräber sicher war, nun "seinen" lang gesuchten Rethratempel gefunden zu haben. Aus heutiger Sicht war dieses Gebäude wahrscheinlich eher ein massives Eingangstor in die Inselburg, ähnlich dem der Inselburg bei Behren-Lübchin, wo auch die Brücke anlandete. Das Pferdeskelett könnte ein Bauopfer gewesen sein, wie es typisch für die heidnischen Slawen war. Ähnliche Tieropfer wurden auch unter den Bohlen einer östlichen Toreinfahrt in die Inselburg auf dem "Hanfwerder" in der nahen Lieps angetroffen, die dem 12. Jahrhundert angehörten. Derartige Tieropfer sollten den Eingangstoren einer Burg womöglich einen besonderen kultischen Schutz geben. Erst 1968 kam es zu einer weiteren einwöchigen Grabung auf der Fischerinsel, die der  damalige  Direktor des Neubrandenburger Museums, Paul Schumacher, leitete. Angeregt duch diese und alle bisherigen Grabungen entschloss sich das Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, in Zusammenarbeit mit dem Museum für Ur- und Frühgeschichte Schwerin, eine weitere intensive Untersuchung auf dem Eiland vorzunehmen. 1969 wurde schließlich eine sechswöchige Grabung unter der Leitung von Adolf Hollnagel und E. Gringmuth-Dallmer durchgeführt. Dabei wurden auf dem begehbaren Teil der Insel mehrere Schnitte mit einer Gesamtfläche von 200 m² angelegt. Man stiess bei den Untersuchungen auf fünf angeschnittene Häuser, drei vermutete Hausteile, dem schon bekannten Holzrost, Reste eines Bohlenweges sowie auf eine Reihe von Holzpfählen im Südbereich der Insel, die wahrscheinlich die südliche Befestigung der Inselburg andeuten. Der Höhepunkt der Grabungen war der Fund von gleich zwei hölzernen lebensgroßen Götterbildern. Eines war grob ausgeführt und stellte wahrscheinlich eine weibliche Götterfigur dar. Das zweite war besser erhalten, 1,75 m hoch und hatte zwei menschliche Gesichter mit langen Bärten. Damit konnte man erstmals die schriftlichen Überlieferungen der mittelalterlichen Chronisten bestätigen, nachdem die Slawen mehrköpfige Götterbilder verehrten. Die Ausgräber von 1969 sahen in den Befunden auf der Insel lediglich eine normale befestigte spätslawische/pommersche Inselsiedlung des 11. bis 13. Jahrhunderts, die einen Marktplatzcharakter besaß und den Mittelpunkt der schriftlich erwähnten "Terra Wusztrowe" darstellte. Genommene Holzproben des Doppelkopfbildes ergaben eine ungenaue Zeitspanne von 1220 +/- 60 Jahre. 1974 und 1975 suchte der Bodendenkmalpfleger und Hobbyforscher Hartmut Boeck aus Neubrandenburg eigenständig auch die überspülten Uferbereiche der Fischerinsel ab und stiess dabei auf verhältnismäßig viele Kleinfunde. Dadurch angeregt, kam es von 1976 bis 1977 zu Unterwassergrabungen in diesen Bereichen. In bis zu 120 cm Wassertiefe wurde dabei eine Fläche von 44 m² untersucht. Geborgen wurden Messer, Nägel, Sicheln, Spinnwirtel und sehr viel Keramikscherben. Auch der von G. Oesten entdeckte Holzrost wurde angetroffen, unter dem sich eine einlagige Steinpackung befand. Auch wenige vorslawische Keramikstücke wurden geborgen, die eine Besiedlung der Insel schon vor der slawischen Einwanderung belegen. Weitere Pfähle im Südbereich der Insel deutete man als Spundwand, die zum Schutz eines kleinen Bootshafens gedient haben könnten. An der überspülten Ostseite der Insel konnten Taucher zudem eine hölzerne Kastenkonstruktion erkennen, die wahrscheinlich einmal zu einer Befestigungsanlage gehörte, deren Zeitstellung aber nicht ermittelt werden konnte. Im Sommer 1977 konnte Hartmut Boek zufällig von seinem Kutter "Riedegost" aus, auf dem sogenannten "Ruhrbarg", einer der Insel nördlich vorgelagerten Erhebung, ein rechteckiges ca. 40 m x 14 m großes "Loch" im Schilf fotografieren. Nach seiner Vermutung deutete es ein größeres Gebäude an, das hier einmal der Insel vorgelagert im See gestanden haben muss. Es orientiert sich im Grundriss auffällig nach Nordosten. Er sprach dieses Gebäude als Tempel an, da auch die nachgewiesenen Tempel von Ralswiek auf Rügen und Groß Raden bei Sternberg eine ähnliche Ausrichtung in diese Himmelsrichtung hatten. Seine durchgeführten Grabungen auf dem Ruhrbarg musste er nach kurzer Zeit wieder aufgeben, da der Seegrund dort so stark zugewachsen war, dass die eingesetzten Spaten förmlich zerbrachen. Bis heute steht nicht fest, was einst auf dem Ruhrbarg gestanden hat und zu welcher Zeit dieses mögliche Gebäude gehörte. Lediglich die urkundlich erwähnte spätslawische/pommersche Burg "Wustrowe" ist bisher archäologisch sicher nachgewiesen, die bis um/nach 1250 auf der Insel bestand, ehe sie durch das Wasser des aufgestauten Tollensesees unbrauchbar wurde. Durch die undatierte Kastenkonstruktion am überspülten Ostufer ist aber nicht ausgeschlossen, dass bereits vor dieser Burg eine ältere Befestigung auf der Insel bestand, zu dem der mögliche vorgelagerte Tempel auf dem Ruhrbarg gehörte. Diese ältere Burg könnte dem 10. bis 12. Jahrhundert angehört haben und ist mit Vorbehalt wahrscheinlich die lang gesuchte Rethraburg gewesen. Die drei überlieferten Tore aus der Rethraüberlieferung des Thietmar von Merseburg ließen sich dann mit dem massiven Brückentorhaus im Verlauf der Brücke, dem massiven Tor an der Westseite der Insel und einem vermuteten, aber bisher noch nicht archäologisch nachgewiesenen, kleineren Tor an der Ostseite der Insel, von welchem eine kleine Brücke zum Tempel auf dem Ruhrbarg führte, erklären.

Literatur:

​Erhaltungszustand: nicht erhalten

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Insel Hanfwerder in der Lieps

   

Im Ostteil der Lieps liegt eine bewaldete, ca. 24.700 m² große Insel, die heute als "Hanfwerder" bezeichnet wird (Fundplatz: Neubrandenburg 36). In der Mitte des 19. Jahrhunderts traten bei der landwirtschaftlichen Beackerung einer runden Horst an der Westseite der Insel erstmals slawenzeitliche Funde auf. Gefunden wurden damals Messer, ein Eiskrebs, Scheren, Hufeisen, Lanzenspitzen, ein Steinpflaster und zahlreiche Hirschgeweihe. Im Jahr 1882 erkundete der Neubrandenburger Museumsverein den Hanfwerder und barg bei Sondierungen zahlreiche Keramikscherben, Tierknochen und einen durchbohrten Mittelfußknochen. Der Wasserbauingenieur G. Oesten untersuchte 1904 ebenfalls die Insel und vermutete, dass die Horst auf der Insel einst von einem Wall samt Graben umgeben gewesen sei. Er stellte weiterhin eine slawenzeitliche Uferbefestigung fest, die damals etwa 1,0 m unter dem Seespiegel lag und den ursprünglichen Uferbereich anzeigte. 1951 barg Adolf Hollnagel bei einer kleinen Grabung weitere slawenzeitliche Fundstücke. Von 1974 bis 1981 legte der Neubrandenburger Archäologe Volker Schmidt mit Unterstützung des Jugendclubs "Heinrich Schliemann" insgesamt 18 Schnitte mit einer Gesamtfläche von 696 m² auf der Insel an, bei denen ein sehr umfangreiches Material an das Tageslicht kam. Der Ausgräber stieß dabei auf 38 Siedlungsgruben, zwei Kuppelöfen, sechs Herdstellen und acht Hausgrundrisse. Auch Teile einer hölzernen Befestigungsanlage und eine südöstliche Toreinfahrt wurden bei den sehr mühseligen Grabungen dokumentiert. Unter den Bohlen dieser Toreinfahrt lagen einige Tierskelette, darunter ein ganzes Hausschwein, die hintere Hälfte einer Kuh, zwei Rinder- und ein Pferdeschädel, die vom Ausgräber als Bauopfer gedeutet wurden. Das schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts festgestellte Steinpflaster wurde auch bei Schmidt´s Grabungen erneut beobachtet und diente zum Teil als feste Unterlagen für die jeweiligen Häuser. Die Ausgrabungen ergaben weiterhin, dass die rundliche Horst damals erheblich größer war und bis zu 2,5 m aus dem damaligen Seespiegel ragte. Durch den ca. 1,5 - 2,0 m hohen mittelalterlichen Aufstau des nördlichen Tollensesees und der Lieps ist der Westteil dieser Horst im Laufe der Zeit überflutet worden. Volker Schmidt deutete die Besiedlung des Hanfwerders nach Abschluss seiner Grabungen in drei spätslawische Phasen. Leider wurden die damals vorgefundenen Holzreste nicht dendrochronologisch untersucht, so dass die zeitliche Einordnung des Ausgräbers vorerst Spekulation bleiben muss! Nach Volker Schmidt bestand zuerst etwa vom Beginn des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts eine einfache Siedlung auf der Insel. Wie diese gesichert war muss vorerst offen bleiben. Sie brannte aber nachweislich ab. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde diese Siedlung mit einer leichten Befestigungsanlage burgartig ausgebaut. Vermutlich entstand diese Burg bereits unter pommerscher Herrschaft. Der Schutz der Burg bestand teilweise aus einer ca. 1,0 m breiten Rostkonstruktion in Blockbautechnik, an deren Rückfront sich kasemattenähnliche Gebäude anschlossen. Die Fläche dieser Burg hatte eine rundliche Ausdehnung von ca. 16.700 m². Diese erste Anlage bestand bis in den Anfang des 13. Jahrhunderts und wurde danach erneuert. Die letzte Burganlage bestand dann bis um 1270 und ist auch urkundlich erwähnt worden. Die einstigen pommerschen Burgherren auf dem Hanfwerder gingen auch der Jagd nach. Immerhin stammen etwa 30 % der gefundenen Tierknochen von Wildtieren! Diese hohe Konzentration ist sehr auffällig. Volker Schmidt deutete zudem ein nach Nordosten ausgerichtetes Haus in der Burg als Kultbau. In diesem Haus, das ebenfalls in Blockbautechnik ausgeführt war, fand man eine Ansammlung von Tiertrophäen. Dazu zählten fünf Hornzapfen vom Ur, starke Rothirschgeweihe, ein Pferdeschädel und eine große Rehgeweihstange. Diese Stücke befanden sich zum Großteil am Fuße von Pfosten, an denen sie wohl einst auch befestigt waren. Der Tempel hatte eine Innenausdehnung von 4,8 m x 4,0 m,  besaß eine Lehmdiele und einen Eingang an der Westseite. Der Tempel konnte der ersten Burgphase des 12./13. Jahrhunderts zugewiesen werden. Durch zehn Sporenfunde ist zudem nachgewiesen, dass in dieser Inselburg der hohe Adel des 12. bis 13. Jahrhunderts aus der Liepsgegend ansässig war. Ein ausführendes Handwerk konnte man in der Anlage nicht nachweisen. Diese Inselburg war vermutlich mit dem östlichen Uferbereich der Lieps durch eine hölzerne Brücke verbunden, wo sich bereits seit der frühslawischen Zeit eine Siedlung befand. Eine weitere westliche Brückenverbindung zur "Kleinen Horst" auf der Halbinsel Nonnenhof wurde vom Ausgräber vermutet. Da auch ältere Keramikstücke vom Hanfwerder vorliegen ist zu vermuten, dass die Insel bereits vor dem 11. Jahrhundert von den Slawen genutzt wurde. 1980 wurde auf einer Hanglage, nahe der mit einer Brücke vom Hanfwerder verbundenen Siedlung am Ostufer der Lieps, ein spätslawisches Körpergräberfeld entdeckt. Im Laufe der Zeit konnten hier insgesamt 129 Gräber festgestellt werden, die nach Deutung von Volker Schmidt dem Adel von der Inselburg auf dem Hanfwerder zugewiesen werden können. Eines der Gräber beinhaltete ein verziertes Schwert mit einer nicht deutbaren Pseudoinschrift. Im Neubrandenburger Museum im Treptower Tor befindet sich heute ein Nachbau des Fundes. Auch ein kleines Modell der Hanfwerderburg kann man dort besichtigen. Durch den nachgewiesenen Tempel innerhalb der Burg vermutete man auf dem Hanfwerder sogar schon die lang gesuchte Kultburg Rethra. Allerdings passt die Hanfwerderburg zeitlich nicht, da Rethra schon im 10. Jahrhundert bestand. Zudem soll in der Kultburg laut der Überlieferung nur ein Tempel gestanden haben. Die Hanfwerderburg hatte zwar einen Tempel, war aber sonst sehr dicht bebaut. Möglich wäre, dass nach dem politischen Untergang der Priesterschaft von Rethra wieder ein Adel im Liepsgebiet die Führung des redarischen Stammes übernahm, der seinen befestigten Wohnsitz nun auf dem Hanfwerder hatte. Dieser Adel stand aber nachweislich unter pommerscher Herrschaft.

Literatur:

​Erhaltungszustand: nicht erhalten

Lage                  

Gräberfeld:

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Ravensburg in Neubrandenburg (Stadteil Monckeshof)

  

Etwa vier Kilometer nordöstlich der historischen Stadtmitte von Neubrandenburg (Kreisstadt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte) liegen die sehr gut erhaltenen Überreste einer slawischen Niederungsburg. Das im "Burgholz" liegende Bodendenkmal wird seit dem Jahr 1558 als "Ravensborch bzw. Ravensburg" bezeichnet (Fundplatz: Neubrandenburg 7). Es handelt sich um einen dreigliedrigen Burgwall, der eine heutige Gesamtfläche von gut 5 ha einnimmt. Die Befestigung besteht aus einer kreisovalen Hauptburg (etwa 100 x 90 m Außendurchmesser) und zwei wallbefestigten Vorburgarealen. Die dreigliedrige Niederungsburg erreicht einen maximalen Gesamtdurchmesser von bis zu 320 m (NW-SO)! Wie man im modernen Laserscanbild erkennen kann, errichteten die slawischen Erbauer die Burg auf einer natürlichen Talsandinsel, die am Nordrand des sumpfartigen Datzetales lag. Östlich und auch südlich der großen Burganlage lagen weitere Talsandflächen, auf denen offene Vorburgsiedlungen vermutet werden können. Zu ersten archäologischen Ausgrabungen kam es in der Mitte des 19. Jahrhunderts unter F. Lisch und F. Boll. Dabei wurde erstmals festgestellt, dass es sich um eine slawische Niederungsburg handelt. In den 1970 er Jahren wurden mehrere Trinkwasserbrunnen im "Burgholz" errichtet, die zur Wasserversorgung der neu entstandenen Stadtteile "Datzeberg" und "Monckeshof" notwendig wurden. Leider ließ es sich nicht vermeiden, dass große Wasserrohre quer durch das gesamte Burgareal verlegt werden mussten. Während dieser Bauarbeiten kam es zu mehreren archäologischen Untersuchungen durch das Neubrandenburger Museum für Ur- und Frühgeschichte. Dabei wurde festgestellt, dass die Hauptburg dreiphasig war. Für die innere Vorburg konnte man zwei, für die äußere dagegen nur eine Bauphase nachweisen. Vom gesamten Burgareal liegen fast ausschließlich Keramikscherben der "Feldberger Ware" vor. Während der Grabungen konnten keinerlei Holzüberreste gefunden werden, die eine genaue Laufzeit der Burg offenlegen könnten. Somit kann man die Anlage aus heutiger Sicht nur allgemein in die Zeit zwischen 790 und 900 einordnen. Meines Erachtens kann man die Baugeschichte der "Ravensburg" folgendermaßen interpretieren:

Vermutlich bestand auf der natürlichen Talsandinsel bereits in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts eine offene Siedlung in natürlicher Schutzlage. Als die Bedrohung durch das Frankenreich unter "Karl dem Großen" am Ende des 8. Jahrhunderts immer größer wurde, entschloss man sich, die natürliche Talsandinsel mit einem Burgwall in Holz-Erde-Konstruktion zu befestigen (innere Vorburg). Die mit einem Außengraben befestigte Holz-Erde-Mauer umschloss die natürliche Talsandinsel und schützte eine Fläche von etwa 2,3 ha. Die erste Befestigung war also eine feldbergzeitliche Großburg von bis zu 230 m Durchmesser. Im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts wurde im Nordareal der Großburg eine Hauptburg von 90 bis 100 m Durchmesser hineingebaut. Vermutlich hat sich im Laufe des frühen 9. Jahrhunderts ein Führungsoberhaupt entwickelt, der eine eigene Hauptburg als Herrschaftssitz bevorzugte. Das Areal der älteren Großburg diente nun offenbar als befestigte Vorburgsiedlung. Da die nun zweigliedrige Burgsiedlung von breiten Wassergräben umgeben war, kam es zu einem natürlichen Verlandungsprozess an der Westseite der Burgsiedlung. Um feindlichen Angriffen von dieser Seite zu entgehen, umwallte man den verlandeten Bereich mit einem bogenförmigen Außenwall. Dieser Außenwall besaß nur eine Bauphase und scheint in die finale Nutzungsphase der Burgsiedlung zu gehören. Bei diesem Ausbau hat man wahrscheinlich auch die vorhandenen Wallanlagen der Haupt- und inneren Vorburg erneuert. Da die älteren Befestigungen bereits die gesamte Talsandinsel in Anspruch nahmen, war eine Erneuerung der Holz-Erde-Mauer nur von innen her möglich. Noch heute sind innere Grabenanlagen in der Hauptburg und inneren Vorburg erkennbar, die auf diese Ausbauarbeiten hindeuten. Die breiten Wälle der Haupt- und inneren Vorburg erreichen heute noch eine Wallhöhe von 3 m. Der ganz äußere Vorburgwall ist viel flacher und noch bis zu 1,5 m hoch. Der im Endstadium dreigliedrige Burgwall ging vermutlich zwischen 850 und 900 in einer gewaltigen Feuerkatastrophe unter. Noch heute findet man gerade auf dem Hauptburgwall viele Holzkohlestücke, die auf eine gewaltsame Zerstörung im Endstadium hindeuten. Da es aus dieser Zeit keinerlei schriftliche Überlieferungen gibt, könnten auch innerslawische Machtstreitigkeiten zum Untergang der mehrgliedrigen Großburg geführt haben. Erwähnenswert ist noch, dass das Burgareal am Ende des zweiten Weltkrieges kurzzeitig von der Wehrmacht genutzt wurde. Mehrere leere Patronenhülsen des Kalibers 7,92 mm sind vom Verfasser im Jahr 2004 gefunden worden, die auf der Wallkrone des Hauptburgwalles lagen. Auch eine Münze der 1930 er Jahre, sowie eine dicke Eisenkette unbestimmter Funktion konnten dokumentiert werden. Da diese neuzeitlichen Funde am Fundort belassen wurden, sind diese der Wissenschaft nicht bekannt geworden. Wer den Burgwall "Ravensburg" heute besuchen will, sollte sich die kälteren Jahreszeiten aussuchen. Ein Wanderweg führt von der "Ihlenfelder Strasse" (K 37) in Richtung Süden zum noch sehenswerten Bodendenkmal.

Erhaltungszustand: sehr gut

Lage                   

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