Geschichte der Slawen in Deutschland

Nachdem die Germanen die Landschaften östlich von Elbe und Saale im heutigen Deutschland weitgehend verlassen hatten, siedelten sich dort seit dem 7./8. Jahrhundert slawische Stämme aus Ost- und Ostmitteleuropa an. Von woher sie ganz genau einwanderten, ist noch nicht eindeutig geklärt. Jedoch kommt als ihre Heimat der Raum zwischen Dnepr und Weichsel infrage (heutiges Ostpolen und Ukraine). Der Zug der Slawen nach Westen gehörte zu den umfangreichen Bevölkerungsbewegungen in Südost- und Mitteleuropa um die Jahrtausendmitte. Auslöser dafür war das Vordringen des Reitervolks der Awaren aus den Steppen Mittelasiens nach Europa. Die ältesten slawischen Gruppen erreichten von Böhmen her entlang der Elbe das Elbe-Saale-Gebiet. Ihnen schlossen sich weitere Stammesgruppen an, die teilweise auch über den Raum östlich der Oder kamen. Zur Zeit Karls des Großen (747 - 814) lebten die Slawen in einem Gebiet, welches von Nordostbayern über Thüringen, weiter in das Elbegebiet bis ins östliche Schleswig-Holstein reichte. Ständige Auseinandersetzungen mit dem karolingischen und später ostfränkischen Reich im Westen und im Norden auch mit den Dänen prägten die ereignisreiche Geschichte der Slawen. Dabei wechselten - regional und zeitlich unterschiedlich - Selbstständigkeit, Tributabhängigkeit und völlige Unterwerfung einander ab. Zuerst unterlag 928/29 der slawische Stamm der Sorben - südlich einer Linie von Magdeburg nach Brandenburg an der Havel - den Eroberungen, die vom gerade erst entstandenen Reich unter Heinrich I., dem Vater von Kaiser Otto I., ausgingen. Die weitere Geschichte dieser slawischen Bevölkerung und ihre Entwicklung verlief fortan nur noch unter Bedingungen, die in wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Hinsicht von ostfränkischer Herrschaft bestimmt wurden.

Einwanderung der frühen Slawen in das heute deutsche Gebiet
Im Norden hingegen schlugen viele Versuche fehl, von Slawen besiedeltes Gebiet dauerhaft dem ostfränkischen Reich einzugliedern. So bereitete 983 der "Lutizenaufstand" allen ostfränkisch-sächsischen Versuchen ein Ende, zwischen Elbe und Oder Fuß zu fassen. Bei den Lutizen handelte es sich um einen Zusammenschluss von Slawen, und zwar der wilzischen Teilstämme gemeinsam mit den Lusizi und Teilen der Sorben. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts behielten dann diese Slawen ihre politische Unabhängigkeit. Erst danach wurden auch sie in deutsche Sozial- und Wirtschaftsverhältnisse einbezogen und verloren dann im Laufe der Zeit auch ihre kulturelle Eigenständigkeit. Einhard, der Biograf Karls des Großen, berichtet, Karl habe von seinen Vätern Elbe und Saale als Grenze gegen die Slawen übernommen. Die Linie der beiden Flüsse bildete aber niemals eine scharfe Trennlinie. Vielmehr ist auch westlich davon aufgrund von archäologischen Funden, zeitgenössischen Schriftquellen und Ortsnamen vielfach die Anwesenheit von Slawen nachgewiesen. Sie siedelten dort aber unter fränkischer und später deutscher Oberherrschaft. Daher gab es bei ihnen keine eigenständige Weiterentwicklung, die bis heute nachwirkt.